Vorweihnachtliche Völkerverständigung

"Mir hat's die Sprache verschlagen": Ein Eingeständnis, das bei der beredten Monika Tischer überrascht. Dass der Nationen-Abend so gut ankommen würde - das konnte nicht mal sie ahnen.

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"Das ist wunderbar, ganz wunderbar. Vor allem so viele Kinder sind da." Ob der Montagabend der best-besuchte Termin des gesamten "Lebendigen Adventskalenders" war, wird sich erst am 24. Dezember weisen. Der erstaunte Ausruf der Mentorin Monika Tischer jedenfalls deutet es schon an: Die "Bude" war voll. Das Nebenzimmer in der ersten Etage des Paul-Gerhardt-Hauses drohte aus allen Nähten zu platzen.

In Pfullingen leben derzeit knapp 70 Flüchtlinge. Und von denen waren etwa 60 - darunter 30 Kinder - erschienen, um gemeinsam mit den Ehrenamtlichen von Bürgertreff und Asylkreis zu essen, zu trinken und zu singen.

Menschen verschiedener Nationen feiern am Mitbringbuffet: Das war die eine Idee des Abends. Die andere wurde musikalisch kund getan. Bei Hans Spielmanns "Alle Menschen sind Geschwister" sangen die insgesamt gut 90 Flüchtlinge und Pfullinger voll Inbrunst mit. Auf wenn der deutsche Liedtext, der zuvor auf Handzetteln verteilt worden war, den Familien aus Syrien, dem Irak und vom Balkan nicht ganz so leicht von den Lippen kam. Die Melodie - "Freude schöner Götterfunken" - gaben Monika Tischer und Hans Batsching an Geige und Akkordeon vor. Und das machte das Duo "Monihans" derart formidabel, dass es von den Flüchtlingen donnernden Applaus gab. Überhaupt war die Atmosphäre bestens. Der Begrüßung in deutscher, arabischer und kroatischer Sprache folgte auch noch ein Sketch bevor's ans multinationale Buffet ging. Lachshäppchen und Kekse, Teigtaschen, die laut Dolmetscherin Dijana Simegi-Loki in der Türkei eine Art Brotersatz sind, gefüllte Hörnchen, Sahnetorten, Salate, Kirschkuchen und Waffeln: Das Essensangebot konnte sich sehen lassen. Dazu die Tisch-Dekoration, die die Ehrenamtlichen aufgebaut hatten - da konnte einem schon adventlich ums Herz werden. Zumal, so Hans Batsching vom Asylkreis, es ja durchaus "um eine vorweihnachtliche Völkerverständigung" ging. Eine, zu der die Pfullinger die Asylbewerber nicht nur mehrfach eingeladen hatten. "Einige haben wir auch in ihren Wohnungen abgeholt".

Die Idee zu dem Abend war bereits im September geboren worden. "Als wir Mentorinnen den Adventskalender geplant haben. Da haben wir uns gedacht: Warum nicht die Flüchtlinge miteinbeziehen?", erzählt Monika Tischer.

Und die Asylbewerber - wie haben's die aufgenommen? Die Mazedonierin Fatime, die mit ihrem Mann und ihren drei Kindern ins Paul-Gerhardt-Haus gekommen ist, "hat die Einladung sehr gefreut". Weihnachten ist in Mazedonien zwar nach dem Julianischen Kalender erst am 7. Januar - aber gefallen hat ihr das Beisammensein am Montagabend trotzdem. Überhaupt findet sie Weihnachten in Deutschland gut - "auch wenn hier überall ein bisschen übertrieben gefeiert wird", wie sie lächelnd einräumt. Und womit sie bestimmt nicht die Flüchtlings-Kinder meint, die ihr gegenüber sitzen und die Nikolausmützen munter auf dem Kopf wippen lassen.

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