Vorsichtig optimistisch

Seit 15 Monaten ist Wilhelm Schreyeck Leiter der Agentur für Arbeit in Reutlingen. Wir baten ihn um eine Zwischenbilanz und einen Ausblick auf die Entwicklung des regionalen Arbeitsmarktes.

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Wilhelm Schreyeck blickt auf die ersten 15 Monate als Leiter der Agentur für Arbeit Reutlingen zurück.  Foto: 

Wilhelm Schreyeck, der seit 1. Juli 2013 an der Spitze der Reutlinger Agentur für Arbeit steht, hat sich inzwischen gut eingelebt. Dabei war die Lage am Anfang eher schwierig - schließlich wurde Mitte des vergangenen Jahres nicht nur die Stelle des Vorsitzenden der Geschäftsführung neu besetzt. Mit Irmtraud Kaiser trat auch eine neue Geschäftsführerin ihr Amt an, und auch der Posten des Bereichsleiters musste neu vergeben werden.

In den ersten Monaten veränderte die Agentur auch ihre interne Organisationsstruktur. Einige Teams wurden zusammengelegt, die Zuständigkeiten nicht mehr regional, sondern nach Branchen organisiert. "Davon versprechen wir uns eine Reduzierung der Schnittstellen und eine Erhöhung der Expertise", erläutert Schreyeck im Gespräch. Ziel sei, ein Ansprechpartner für einen Arbeitgeber. Dazu kam, dass alle Aufgaben, die nichts mit Beratung und Vermittlung zu tun haben, in einen operativen Service ausgelagert und in Ulm "angedockt" wurden.

In den vergangenen zwölf Monaten konnte die Agentur für Arbeit, welche die beiden Landkreise Reutlingen und Tübingen betreut, von einer "relativ günstigen Marktentwicklung" profitieren. Die Zahl der Arbeitslosen sank von 10 046 (September 2013) auf 9721 (September 2014). Im Vergleich zum Land konnte sich der Agenturbezirk laut Schreyeck überdurchschnittlich verbessern, was den Zuwachs der Beschäftigten betraf. Doch wie überall im Land haben Betriebe in bestimmten Branchen erhebliche Schwierigkeiten, ausgebildete Spezialisten zu finden. Einerseits werden bei 80 Prozent der offenen Stellen Fachkräfte gesucht, andererseits finden sich unter den Arbeitsuchenden viele ohne Berufsabschluss - eine Konstellation, die sich auch bei guter Konjunktur nur schwer lösen lässt.

Und auch der Ausbildungsmarkt hat sich gedreht - es gibt inzwischen mehr offene Stellen als Bewerber. Somit können - gerade auch bei sinkenden Schülerzahlen - viele Lehrstellen nicht mehr besetzt werden - eine Entwicklung, worunter bestimmte Handwerksberufe, aber auch das Hotel- und Gaststätten- wie auch das Nahrungsmittelgewerbe leiden.

Und was bringt die Zukunft? "Großartige Impulse wird es auf dem Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten nicht geben", sagt Schreyeck, der allenfalls mit einer leichten Verringerung der Arbeitslosigkeit durch einen moderaten Anstieg bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten rechnet. Dies gelte aber nur, wenn es zu keinen "geopolitischen Verwerfungen" komme.

Ein Schwerpunkt der Agentur für Arbeit wird im kommenden Jahr auf der beruflichen Qualifizierung liegen. So soll laut Schreyeck mit "starkem, persönlichem Engagement und guter Betreuung vor allem jenen geholfen werden, die Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben.

Zudem soll, so der Vorsitzende der Geschäftsführung, die gute und enge Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Landkreis Reutlingen fortgesetzt werden. Hier gelte es, die Bildungszielplanung besser abzustimmen - welche Berufe werden gebraucht, wo liegen die Chancen auf dem Markt.

Zur Person vom 17. Oktober 2014

Wilhelm Schreyeck, Jahrgang 1956, ist seit 1977 in unterschiedlichen Funktionen für die Agentur für Arbeit und ihre Vorgängerinstitutionen tätig. Seit 1. Juli 2013 ist er Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Reutlingen, zuvor war er seit 2010 Vorsitzendes Mitglied der Geschäftsführung der Agenturen für Arbeit in Lörrach und Konstanz. In den Jahren 2009/ 2010 arbeitete er im Projekt Neuorganisation SGB II in der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit mit.

RAB

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