Vorbildlicher Einsatz für das Wohl der Menschen

Die Auszeichnung verdienter Persönlichkeiten beim Bürgerempfang ist inzwischen gute Tradition. OB Barbara Bosch ehrte Sabine Dörr, Georg Jentz und Günter Jung mit der Verdienstmedaille der Stadt.

|
Oberbürgermeisterin Barbara Bosch beglückwünscht die Träger der Verdienstmedaille Georg Jentz, Sabine Dörr und Günter Jung (von rechts).  Foto: 

Alle drei zu Ehrenden wirkten, so Bosch, auf ganz unterschiedliche Weise, aber gleichermaßen verdienstvoll und segensreich für das Wohl der Menschen.

Als Geschäftsführende Gesellschafterin der tisoware Gesellschaft für Zeitwirtschaft mbH verbinde Sabine Dörr "wirtschaftliches Handeln mit einem beachtlichen sozialen und kulturellen Engagement". Und sei dabei auf beiden Ebenen sehr erfolgreich.

Tisoware ist einer der führenden IT-Anbieter in Deutschland. Das mehrfach ausgezeichnete, mittelständische Unternehmen biete innovative Lösungen im Bereich Zeitmanagement und Security an, inzwischen an neun Standorten für über 2200 Kunden im In- und Ausland. Als dessen Erfolgsgeheimnis hat die OB die sozial geprägte Unternehmenskultur ausgemacht. Hier nehme die Chancengleichheit von Frauen und Männern sowie der Balance zwischen Familie und Beruf einen hohen Stellenwert ein. Dies zeige sich nicht nur an sehr flexiblen Arbeitszeitmodellen, an neuen Konzepten im Bereich "Wiedereinstieg in den Beruf", sondern auch daran, dass Kleinkinder mitgebracht werden dürfen. Zudem unterstütze das Unternehmen seit 14 Jahren die Fechtabteilung der TSG Reutlingen - seit 2005 gibt es den tisoware-Pokal im Degenfechten - "eine tolle Form der Jugendförderung", wie das Stadtoberhaupt in ihrer Laudatio ausführte.

Ein wichtiges, persönliches ehrenamtliches Engagement von Sabine Dörr betreffe die Kleinsten und Jüngsten in unserer Gesellschaft. "Sie ist Gründungsmitglied und Erste Vorsitzende des Vereins Frühchen e.V. und als solche hoch engagiert", sagte Bosch. Der Verein begleitet Eltern von Frühgeborenen oder schwer kranken Kindern und unterstützt mit Spenden die Intensivstation der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Steinenberg-Klinikum. 2015 feiert der Verein sein 20-jähriges Bestehen. Die bereits mit der Wirtschaftsmedaille des Landes ausgezeichnete Unternehmerin erhalte die Bürgermedaille als "Zeichen der Würdigung Ihrer Verdienste um eine vorbildliche, familienfreundliche Unternehmenskultur sowie um soziale und kulturelle Belange", sagte Bosch.

Wie Sabine Dörr ist auch Georg Jentz eine Persönlichkeit, der erfolgreiches Unternehmertum mit gesellschaftspolitischem Engagement verknüpft. Barbara Bosch ehrte ihn für seine Verdienste um die Patenschaft zwischen Reutlingen und Neu-Pasua und für sein völkerverbindendes Engagement.

Um dieses besser zu verstehen, muss man einem Blick in dessen Familiengeschichte werfen. Vor 225 Jahren hatte sich Georg Jentz' Ururururgroßmutter Catharina Dorothea Johann Georg Jenzen entschlossen, "nach Servien zu emigrieren und mich dorten zu etablieren", wie 1790 in den Akten des Stadtarchivs Schorndorf nachzulesen ist.

In Neu-Pasua, in der Nähe Belgrads, hatte die Familie Jentz über 150 Jahre, bis 1944 gelebt, ehe sie vertrieben wurden. Über Österreich und Hessen kam die Familie mit dem damals 16-jährigen Jentz 1950 nach Reutlingen, wo sie ganz von vorn anfangen mussten. Was ihnen trefflich gelang: 1963 gründete Georg mit seinem Vater eine Immobilienfirma sowie ein Baugeschäft. Das Bauunternehmen Jentz floriert und wird im 52. Jahr erfolgreich inzwischen von den Söhnen geführt. Daneben würdigte die OB Jentz' "immensen Einsatz für die Heimatortsgemeinschaft Neu-Pasua, inzwischen 'Stiftung Neu-Pasua'".

Schon als Jugendlicher sei Jentz Mitglied im Heimatausschuss geworden und habe zunächst gemeinsam mit seinem Vater die alle zwei Jahre stattfindenden Neu-Pasuaer Heimattreffen in Reutlingen organisiert. In den Anfangszeiten kamen rund 2000 Landsleute in die Achalmstadt, heute sind es naturgemäß weit weniger. Jentz setze sich nicht nur dafür ein, das kulturelle Erbe der Neu-Pasuaer aus der Vergangenheit zu bewahren und die Verbindung der Landsleute untereinander aufrechtzuerhalten. Ihm gehe es auch um die Zukunft. "Mit der Organisation von Reisen in die alte Heimat und der Kontaktpflege zur dortigen Verwaltungsspitze, verbunden mit Einladungen nach Reutlingen, eine Geste der Versöhnung zu zeigen und einen Beitrag zum künftigen Haus Europa zu leisten. Das finde ich ganz großartig", sagte Bosch.

Dritter im Bunde ist Günter Jung, der für seine Verdienste um die Asylarbeit ausgezeichent wurde. 35 Jahre lang war Jung Richter am Sozialgericht Reutlingen und somit vertraut mit Schicksalen von Menschen, die in sozial schwierigen Verhältnissen leben. Als junger Mann engagierte er sich in der Friedensbewegung, begründete 1979 das Reutlinger Friedensbüro und war später im Bündnis gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aktiv. 1992 gründete Jung mit anderen Ehrenamtlichen das erste Asylcafé in der Wildermuth-Siedlung, nachdem Reutlingen als Modellstadt für die Erprobung des Asyl-Schnellverfahrens ausgewählt worden war. Das Asylcafé könne man sich als eine Art Interessensvertretung für Flüchtlinge vorstellen. Jeder kann hier seine Geschichte erzählen, findet offene Ohren, offene Herzen und praktische Hilfe und Beratung bei allen Fragen des Asylverfahrens. Dass das Café ein "Ort der Kommunikation und Menschlichkeit" sei, sei vor allem ihm zu verdanken. "Seit über 22 Jahren prägen Sie das Asylcafé mit ihrer Nächstenliebe, ihrer Fachkompetenz, ihrem Humor und Ihrem Kampfgeist", attestierte ihm Bosch.

In Kooperation mit der Evangelischen Kontaktstelle für Asylarbeit in Reutlingen setze er sich für eine menschenwürdigere Lebenssituation der oft schwer traumatisierten Asylsuchenden ein.Daneben engagierte er sich zeitweilig in der Projektarbeit zur Integration von Bürgern aus den ehemaligen GUS-Staaten. Jung sei ein "großes Vorbild, indem er das Wort lebe, den Fremden wie sich selbst zu lieben. Er beklage nicht, welche Probleme durch den Zustrom von Flüchtlingen entstehen. "Mit solchen Vorbildern können wir die Herausforderungen der nächsten Jahre gemeinsam gut meistern und den Flüchtlingen ein neues Zuhause in der Stadt schaffen", lobte Bosch Jung.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Unterwegs in ein neues ÖPNV-Zeitalter

Der Gemeinderat hat gestern Abend mit großer Mehrheit den Grundsatzbeschluss für ein neues Stadtbuskonzept gefasst. Die Umsetzung soll im zweiten Halbjahr 2019 starten. weiter lesen