Von wegen "zur Kenntnis"

Über 9100 Fahrzeuge pro Tag, das sind 1300 mehr als vor der Tempo-30-Regelung in Unterhausen. Der dadurch bedingte Ausweichverkehr hat Holzelfingen voll erwischt - die Bürger begehren auf.

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Die Ortsdurchfahrt von Holzelfingen: Um rund 1300 Autos pro Tag hat der Verkehr zugenommen.  Foto: 

Dass es keine ganz normale Gemeinderatssitzung werden würde, hatte sich schon zu Beginn angebahnt: Im Sitzungssaal drängten sich die Zuhörer, der Abend begann mit einer Bürgerfragestunde. "Ich stelle den Antrag, nach dem Tagesordnungspunkt vier eine weitere Bürgerfragestunde" abzuhalten, forderte ein Mann aus dem Publikum. Ohne mit der Wimper zu zucken, stimmte Bürgermeister Peter Nußbaum diesem Verlangen zu.

"Punkt vier", das waren sind die Ergebnisse von Verkehrserhebungen - vor und nach der Einführung der Tempo-30-Regelung in Teilen Unterhausens und Honau. Dort werden die Zahlen erläutert - und am Ende steht dann, wie in solchen Fällen üblich, der Beschlussvorschlag den der Gemeinderat . . .zur Kenntnis nimmt". Von wegen: Die Holzelfinger sind erbost darüber, dass sie es nun mit 1300 Fahrzeugen mehr zu tun haben - pro Tag sind das nun über 9100. Hinzu kommt, dass viele Verkehrsteilnehmer auf dem Weg nach Reutlingen in Unterhausen gleich rechts in die Moltkestraße einbiegen. Die zwar, wie auch die parallel verlaufende B 312, ebenfalls eine Tempo-30-Zone ist, sogar mit "Rechts-vor-Links-Regelung", aber gerade nachts brettern die Autofahrer dort ziemlich schnell durch. Und weil mehr Lastwagen denn je die Holzelfinger Steige abwärts benutzen, beschweren sich Anwohner der Zellertalstraße und der Ludwig-Thoma-Straße über den gewaltigen Lärm der Brummi-Motorbremsen. All das waren auch Themen der Verkehrsschau mit den Behörden am Dienstag gewesen (wir berichteten). Indes: Einfach "zur Kenntnis" wollte diese Verkehrszählung keiner nehmen.

Gemeinderätin Cornelia Gekeler (CDU), die auch Ortsvorsteherin von Holzelfingen ist, sagte: "Wir können die Zahlen doch nicht einfach hinnehmen." Und sie erinnerte daran, dass die Verantwortlichen des Landratsamts und des Regierungspräsidiums vor Einführung von Tempo 30 auf der Bundesstraße versprochen haben sollen, "dass sie eine Verkehrsverlagerung nach Holzelfingen verhindern würden".

Den Holzelfingern stinkt der nun angeschwollene Ausweichverkehr gewaltig. Und so will Gekeler nun auch die Zahl der Autos wissen, die nachts durch den Ort fahren - und wie schnell. Im Ort selbst habe man übrigens nichts davon erledigt, was doch längst angedacht war: Pförtnerampeln und eine "Blitzeranlage". Dafür gab's Applaus vom Publikum.

Bürgermeister Nußbaum verwies jedoch auf nun laufende "Prüfaufträge", die das Landratsamt und andere Beteiligte bis Oktober erstellt haben wollen. Winfried Schneider (FWV), der auch Ortsvorsteher von Honau ist, verlangte "Tempo 30 für alle Teilorte". Außerdem müsse man "vieles noch einmal überdenken". Was die Ämter ja für den Herbst ja versprochen haben. Und Günther Frick (FWV) erinnerte an die vielen Hangrutschungen auf der Holzelfinger Steige: "Diese Straße verträgt keine hohe Tonnage" (von Brummis). Daher kam auch das Verlangen im "zweiten Teil" der BürgerFragestunde nach geologischen Untersuchungen dort - auf jeden Fall aber eine Tonnage-Begrenzung.

Die Frage nach Lärmschutzwänden in Höhe der Zellertalstraße kam ebenso auf, wie solche für den unteren Bereich der Honauer Steige. Der Herbst dürfte heiß werden in Lichtenstein. Denn es gab Frager, die auch wissen wollten, ob Tempo 30 auf der B 312 denn überhaupt Lärmreduzierungen gebracht habe.

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