Von Japan inspiriert

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Japonismus: oben „Am Parkweiher“ (1918) von Martha Cunz, unten „Grunewaldsee“ (1910) von Carl Thiemann.  Foto: 

Die Sehnsucht, das Fernweh, die Anziehungskraft exotischer, bisher unbekannter Weltregionen – in der Bildenden Kunst spielen solche, ja, Moden – oder Fluchten? – eine große Rolle. In ihnen spiegelt sich immer auch das Unwohlsein in der eigenen Kultur, das Unbehaustsein im erstarrten Akademismus, der Aufbruchswille neuer Denkweisen.

Kürzlich beschäftigte sich das Städtische Kunstmuseum Reutlingen unter dem Titel „Sehnsucht nach dem Paradies“ mit der Südsee als künstlerischem Fluchtpunkt, wie er sich in den Reisen von Paul Gauguin oder Max und Lotte Pechstein auf die Palau-Inseln niederschlug. Um ein ähnliches Phänomen kreist jetzt die neue Ausstellung im Spendhaus, die heute, Freitag, 31. März, eröffnet wird (siehe Info rechts).

Japonismus – eine Mode?

Sie heißt „Von Japan inspiriert“ und zeigt, wie stark und prägend um 1900 der japanische Farbholzschnitt auf europäische Jugendstil-Künstler wirkte. Rund 140 Blätter demonstrieren diese Wechselwirkung auf drei Etagen des Kunstmuseums. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem Historischen und Völkerkundemuseum St. Gallen entstanden, wo sie vorher zu sehen war – ein 272-Seiten-Katalog liegt vor.

Das Spendhaus-Team hat diese Werkauswahl für Reutlingen allerdings „modifiziert“, wie Museumsleiter Herbert Eichhorn erläutert. Gleichzeitig wurde das Konzept etwas mehr auf die Schweizer Künstlerin Martha Cunz (1876 bis 1961) zugeschnitten, die mit Adolf Hölzel und Gabriele Münter arbeitete und in München sogar Wassily Kandinsky beeinflusst haben soll.

Neben Martha Cunz, deren Werke im Spendhaus schon unter dem Thema „Wege zu Gabriele Münter“ zu sehen waren, rückt die erweiterte Japan-Ausstellung im Reutlinger Kunstmuseum auch weitere Künstler wie Peter Behrens (berühmt sein „Kuss“), Carl Moll, Emil Orlik, Carl Thiemann, Otto Eckmann und den Reutlinger Wilhelm Laage in den Blick.

Viele Blätter stammen auch aus der Schenkung, die der kürzlich verstorbene Hamburger Sammler Peter Kemna dem Spendhaus vermacht hat. Dies war auch der Anlass, sagt Eichhorn, die Japan-Ausstellung Peter Kemna zu widmen.

Das Thema Farbholzschnitt um 1900 sei momentan „stark im Schwange“, berichtet Eichhorn und verweist auf Ausstellungen in der Frankfurter Schirn (Wien um 1900) und in der Ostdeutschen Galerie Regensburg (Prag um 1900). Warum? Weil im Jugendstil, der lange als verschmockt galt, wieder eine Brücke zur „frühen Moderne“ gesehen wird, so Eichhorn, Dies wird von Ausstellungsmachern derzeit neu „erkannt“, neu bewertet.

„Von Japan inspiriert“, Ausstellung Spendhaus Reutlingen bis 18. Juni. Eröffnung heute, Freitag, 31. März, 19 Uhr.

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