Von Heilpflanzen, Vandalismus und Mauererhalt

Die Sanierung der Pomologie-Stützmauer ist der teuerste Teil – zur Aufhübschung von Reutlingens schönster Grün-Insel wurde noch viel mehr getan.

|

Ob denn die Früchte an den zahlreichen Obstbäumen in der Pomologie auch gekostet werden können? „Selbstverständlich – aber nicht sackweise“, rief Matthias Scheider vom städtischen Grünflächenamt bei einem weiteren Sommermedientermin der Stadtverwaltung. Dazu haben sich vier Fachleute und Pressevertreter in Reutlingens schönste „grüne Lunge“ begeben, um dabei festzustellten: Zahlreiche alte Bäume wurden ersetzt, die meisten waren laut Grünflächenberater Axel Rieber nach 50 bis 60 Jahren bereits tot. Oder zumindest so gut wie.

In Abstimmung mit „Garden Life“, der großen, jährlichen Gartenausstellung in der Pomologie, wurden die neuen Bäume in größeren Abständen voneinander gesetzt, einem speziellen Konzept folgend. Dieses Konzept wird auf einer dreiseitigen Tafel erläutert, hinzu kommen noch kleinere Schilder am Boden eines jeden Baumes, auf denen nachzulesen ist, um welche Sorte es sich denn handelt. Ein QR-Code sorgt zudem für die Verbindung per Smartphone-App hin zu vielen weiteren Informationen. Wie übrigens auch zu Oberbürgermeisterin Barbara Boschs liebstem Apfelkuchen-Rezept.

Ein paar Schritte weiter lockt der neu angelegte Apotheker-Garten: In den bereits vorhandenen Hochbeeten auf dem Dach der Tiefgarage an der Alteburgstraße erinnern all die Heilpflanzen nun nicht mehr an Hundegräber (wie das bislang unter den Bäumen an der Mauer zur Friedrich-Ebert-Straße der Fall war). Adrett drapiert, mit Stahlbändern im Boden voneinander getrennt, ist dort alles zu finden, was dem Menschen gut tut. Oder auch nicht – giftige Pflanzen sind dort nämlich ebenfalls anzutreffen. „Wobei der Verzehr von 500 Gramm Petersilie auch tödlich ist“, entschärft Rieber. „Es kommt immer auf die Menge an“, ergänzte Tiefbauamtsleiter Arno Valin. Alles Weitere über die Heilpflanzen gibt es von Dr. Christoph Höltzel, der die Beete nach wie vor betreut sowie Führungen anbietet.

Zehn Schritte weiter auf dem Tiefgaragendach findet sich ein neu angelegter Jugendbereich in der Pomologie: Auf Anregung des Jugendgemeinderats (und zum Teil auch mit ihm zusammen angelegt) wurden dort Fitnessgeräte aufgestellt, zwei aufgepeppte Bushaltehäuschen, eine Tischtennisplatte und zwei „Alb-Liegen“. Alles hübsch anzusehen, mit viel Aufenthaltsatmosphäre. Bleibt zu hoffen, dass Vandalismus dort ein Fremdwort bleibt, sind sich die Verwaltungsfachkräfte der Stadt einig. Dass immer wieder wahre Schwachköpfe ihre überschüssigen Kräfte an falschen Orten loswerden wollen, zeigt hingegen ein Bäumchen, nur ein paar Meter von der Jugendanlage entfernt: „Da muss jemand mit einem Karatetritt den Baum zerlegt haben“, so Unterhalts-Projektleiter Philipp Hauer.

Nicht auf Vandalismus zurückzuführen sind hingegen die Schäden an der Stützmauer aus dem Jahr 1904 entlang der Friedrich-Ebert-Straße: Die gesamte Wand neigte sich zur Straße hin, verantwortlich dafür waren vor allem Bäume und große Sträucher, die in der Pomologie entlang der Mauer wuchsen. Einiges wurde entfernt, nun muss die Wand wieder aufgerichtet werden. Ein aufwändiges Verfahren, weil das Bauwerk zudem denkmalgeschützt ist. „Die Mauer hielt allein die Gewohnheit zusammen“, sagte Matthias Scheider. Überall auf der gesamten Länge von 150 Metern sind Risse in der Wand und in den Stützen zu sehen, die müssen aufwendig verfüllt werden, wie Steinmetz Michael Heller erläuterte.

Obendrein müssen „Betonrucksäcke“ als Gegengewicht hinter der Mauer „anbetoniert“ und in die Stützpfeiler hinein Stahlnadeln versenkt werden. Schlussendlich wird das Gemäuer mit einer Lasur versehen, auch um Verschmutzung und Ablagerung von Algen und Moosen zu verhindern. Insgesamt werden vom Steinmetz über Flaschner bis zum Maler sechs verschiedene Gewerke dort tätig. Kostenpunkt: 385?000 Euro, Fertigstellung voraussichtlich im Oktober. „Die Alternative wäre gewesen, den Gehweg drunter zu sperren“, so  Valin.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Kulturgüter auf vier Rädern erkunden die Region

Wer sich am Sonntagmittag der Achalmstadt näherte, dem fiel die erhöhte Oldtimerdichte auf den Straßen auf. weiter lesen