Von Glitzerwelt und Majestät

Glanzlichter der französischen Orgelmusik und provozierende Kontraste haben den Orgelsommer-Auftritt von Andreas Dorfner an "seiner" Späth-Orgel in der katholischen Kirche St. Wolfgang geprägt.

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Schon das Finalstück lohnte den Konzertbesuch: die berühmte Toccata aus Charles Marie Widors 5. Orgelsinfonie, ein spektakuläres Highlight, das man nur selten live erlebt. Zusammen mit dem ersten Satz dieser Sinfonie umrahmte es ein Programm der Gegensätze, inhaltlich zusammengehalten von dem Gedanken an Geburt und Tod, Anfang und Ende, wie Andreas Dorfner in seiner lesenswerten gedruckten Einführung erläutert hatte.

Eine glänzende Ouvertüre bot Dorfner mit dem Kopfsatz aus Widors 5. Orgelsinfonie. Das nuancenreiche Spiel der Farb- und Dynamikwerte lotete er - ohne Registranten-Unterstützung - präzise aus, der virtuose Wirbel ließ schon ans Finale denken.

Ihr folgten Werke von Johann Sebastian Bach (den Widor verehrte): zunächst drei der "kleinen Präludien" - eigentlich Studienstücke für Klavierschüler, die Dorfner mittels eigenwilliger Registrierung in Charakterstücke verwandelte, das letzte in hohem Glitzerklang quasi mit funkelnden Strass-Steinchen besetzt. Höchsten musikalischen Anspruch verkörpert Bachs Präludium und Fuge h-Moll (BWV 544). Das vielschichtige, mit seiner avancierten Faktur sperrige Stück fordert Ausführende wie Hörer; Dorfner meisterte es mit großem Ton und souveräner Geste.

Was danach kam, dürfte die meisten Zuhörer irritiert haben. Zwischen die gewichtigen Werke von Bach, Messiaen und Widor schob Dorfner "orgelfremde" Kirchensonaten der Klassik: Mozarts KV 144 sowie die sechste Sonate ("Es ist vollbracht") aus Haydns "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz". Von Streichern gespielt, atmen diese Stücke durchaus Würde und Ausdruck. Auf der Orgel jedoch, gekleidet in einen betont schlichten Flötenklang, wirken sie unangemessen trivial mit ihrer heiteren Hum-ta-Begleitung und klingen - mit Verlaub - nach Drehorgelmusik. Die katholische Kirchenmusik jener Zeit war gefällig und besaß Unterhaltungswert.

Mancher zuckte innerlich zusammen, als unmittelbar auf das schlichte Mozart-Werk Olivier Messiaens grell dissonanter Beginn von "La Nativité du Seigneur" einsetzte, aus einem Weihnachtszyklus von neun "Meditationen" aus dem Jahr 1935. Ein härterer Gegensatz ist kaum denkbar. Auch das vorige Orgelsommer-Konzert hatte Messiaen in die Mitte genommen, ein Zeichen für die Wertschätzung dieses hochstehenden Meisters des 20. Jahrhunderts - da allerdings angemessen platziert zwischen Bach und Liszt.

Sind die Organisten längst vertraut mit der Klangsprache Messiaens, muss das Ohr des Publikums darauf noch eingestimmt werden, etwa mittels einer Interpretation, die den meditativen mit dem expressiven Aspekt ein wenig versöhnt. Dorfner interpretierte die ausgewählten Sätze ("Die Jungfrau und das Kind", "Jesus nimmt das Leiden an") geradezu schonungslos. In den harten repetitiven Strukturen und dissonanten Klang-Clustern über pechschwarzen Bässen ging er an die Schmerzgrenze.

Die Erlösung mit Haydn geriet danach allzu seicht, siehe oben. Ein Glück, dass Dorfner mit Widors Toccata einen so krönenden wie versöhnlichen Abschluss bereit hielt: Die in unablässiger Ekstase sprühenden und wogenden Arpeggien bändigte er mit einem streng getakteten Grund-Metrum und bot dem Ohr ein Live-Vollbad in virtuos sprudelndem, immer wieder Farbe und Intenstität wechselndem vollen Orgelklang, beschlossen von mächtigen Schlussakkorden. Herrlich!

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