Von Feierbiestern und vom Aberglauben

Am Mittwoch um 24 Uhr verabschiedet sich auch bei uns das Jahr 2014. Rund um den Globus feiern Menschen den Beginn des Jahres 2015 auf unterschiedliche Art und Weise - jeder so, wie er will.

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Die Bewohner des im warmen Pazifik gelegenen Karolinen-Atolls (Kiribati) begrüßen das neue Jahr als erste Erdenbürger schon am Mittwochvormittag um 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Als Nächstes kann man es in Neuseeland (12 Uhr) und Australien (14 Uhr) krachen lassen. Im mittelamerikanischen Costa Rica hingegen müssen sich die Menschen gedulden: Bei ihnen beginnt 2015 erst sieben Stunden später als in Mitteleuropa. Der Grund für die zeitlichen Verschiebungen ist die mitten im Pazifik verlaufende Datumsgrenze. Überall auf der Welt wird gefeiert. Silvester ist in aller Munde, es ist das unumstrittene Wort der letzten Tage vor dem Jahreswechsel.

Wer lieber fern der Heimat feiern möchte, kann dies bei Silvester-Städtereisen, Silvesterkonzerten, Silvesterläufen, bei einer Silvestergala unter Palmen, bei Silvesterbällen in ganz Europa oder der riesigen Silvesterfeier in der Bundeshauptstadt Berlin - am Brandenburger Tor mit einer Million erwarteten Menschen und einem gigantischen Feuerwerk - tun. Oder aber er bleibt daheim, erfreut sich an den eingegangenen Neujahrsgrußkarten und begeht den Jahreswechsel in den eigenen vier Wänden mit einem Menü. Mehrere Gänge, passende Getränke und ausgiebige Gespräche sind für den Festesfreund häufig verlockender als jedwede Silvesterparty. Am obligatorischen Feuerwerk kann man sich dann aktiv oder kostenlos aus sicherer Entfernung beteiligen.

Dazu kommt der gerade an Silvester bekanntlich mächtig zuschlagende Aberglaube. Rund um Silvester gibt es die verschiedensten Brauchtümer und Gepflogenheiten, die als typisch gelten. Oftmals begegnet man einem Silvesterbrauch in einer einzigen Stadt oder Region, viele Bräuche sind jedoch auch deutschlandweit und sogar international bekannt.

Diverse Sitten verheißen nicht nur Glück, sondern auch Geld fürs neue Jahr. Glückssymbole wie das Schwein, der Schornsteinfeger, vierblättrige Kleeblätter, der Fliegenpilz, das Hufeisen, der Marienkäfer und der Glückspfennig haben Hochkonjunktur - gute Vorsätze allemal.

In Deutschland zählen Fondue und Bleigießen zu den Klassikern an Silvester, in Italien feiert man mit Linsengericht und roter Unterwäsche. Bei vielen Menschen hat das Silvesterlotto Tradition, die Feuerzangenbowle ist als eine der beliebtesten Silvesterbräuche ein Anzeichen für das neue Jahr. Für selbiges wünschen sich die allermeisten Menschen der Welt das wertvollste aller Güter - nämlich Gesundheit.

Nahezu weltweit beliebt und ausgelebt ist das traditionelle Silvesterfeuerwerk. "Ohne Rücksicht auf Verluste", wie es Kritiker auf den Punkt bringen, werden wir Deutschen Böller und Raketen für voraussichtlich über 124 Millionen Euro in den Himmel jagen. "Wir hoffen auf 113 Millionen Euro Umsatz", erklärte kürzlich der Verband der Pyrotechnischen Industrie (VPI).

Das Umweltbundesamt in Dessau sieht es aus einem anderen Blickwinkel und stuft schon seit Jahren "Böller und Raketen als wahre Luftverpester" ein. "Sie belasten die Atmosphäre mit Treibhausgasen und gesundheitsschädlichen ultrafeinen Staubpartikeln", urteilt das Amt mit Sitz in Sachsen-Anhalt.

Verboten ist die Knallerei auch bei uns in unmittelbarer Nähe von Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen, Kirchen und von Fachwerkhäusern. Die Polizei wird in der Silvesternacht diesbezüglich "ganz besonders darauf achten". In Tübingen ist Silvester-Feuerwerk in der gesamten Altstadt ebenso verboten wie in anderen Städten Württembergs auch. In Wien grundsätzlich. Während der weitaus größte Anteil an Feuerwerkskörpern aus China stammt, wird von der Verwendung aus Osteuropa illegal importierten Feuerwerkskörpern dringend abgeraten. Diese seien schlecht verarbeitet und beinhalten Industriesprengstoff. Das Bundesamt für Materialforschung mahnt an, auf das Prüfsiegel (BAM) unbedingt zu achten.

Der Verkauf der Zutaten fürs nächtliche Feuerwerk war auf die Tage ab 29. Dezember bis einschließlich Silvester beschränkt. Abgebrannt werden darf nur am 31. Dezember und 1. Januar - ausschließlich von Personen über 18 Jahren. Spätestens am Freitagmorgen wird dann alles verpulvert sein. Bei uns rund 130 000 Euro - statistisch gesehen. Die Reste werden Straßen und Plätze der Stadt abermals so lange zieren, bis die Müllwerker die Spuren der langen Silvesternacht wieder beseitigt haben.

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