Von der Ruine zum geschätzten Kleinod

Einst wurde der Bahnhof als Ruine für den symbolischen Preis von einer Mark gekauft. Inzwischen hat der Förderkreis die alte Station Honau mustergültig restauriert. Gestern war Tag der offenen Tür.

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Klaus Beck (links) und jede Menge wissbegierige Bahn-Liebhaber. Foto: Jürgen Herdin

Ja, manchmal springen die Wagen doch noch aus den Schienen. Und für die Betrachter ist schwierig, die Übersicht bei acht Gleisen und vier Landschaften zu behalten. Doch sofort kommt Klaus Beck daher - und sorgt wieder für Ordnung auf einer der schönsten Modelleisenbahnen. Beck ist Vorsitzender des Fördervereins Bahnhof Honau, der mittlerweile 325 Mitglieder zählt. Und die "bauliche Hülle" am Ort des Geschehens, der 1892 im "Schweizer Chaletstil" errichtete Honauer Bahnhof, ist ein ganz besonderes Kleinod.

Um die Jahrtausendwende kaufte ihn ein - zunächst loser Zusammenschluss - von Bahnenthusiasten in der Region, um dann im September 2003 - in enger Zusammenarbeit mit dem Tübinger Denkmalschutz - die Station behutsam zu renovieren.

Innen ist nun auch eine Art Museum, in dem zahlreiche Miniatur-Eisenbahnen und Reliquien aus alten Tagen zu sehen sind. Längst erstrahlt der Bahnhof wieder in "württembergischen Gelb" - nur die Zahnradbahn fährt schon lange nicht mehr von dort aus auf die Schwäbische Alb. Auch die Strecke von Reutlingen nach Honau wurde in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts aufgegeben.

Klaus Beck erinnert sich an die Anfangsschwierigkeiten ebenso wie an den großen Einsatz beim Wiederaufbau des Gebäudes, denn viel war im Jahr 2002 von dem Bahnhöfle nicht mehr verwendbar.

Gestern, am Tag der offenen Tür mit Vorführungen, Dampfbier, Würsten, Kaffee und Kuchen, berichtete Beck auch über die Fortschritte im Detail. Denn bis 265 000 Euro verbaut waren (Stand: 2013) war eine Menge ehrenamtlicher Arbeit zu leisten.

Eine Meisterklasse der Berufsschule in Reutlingen beispielsweise applizierte Teile des längst verblichenen Stucks an die Decke, Botho Walldorf aus Wannweil installierte die Original-Bahnsteigsperre - und der Förderverein kaufte nicht nur zwei historische, verfallene Wagen, sondern für diese eine 45 Meter lange Überdachung. "Das sind Holzwagen, da darf auf jeden Fall von oben kein Wasser kommen", erläutert Klaus Beck.

Es entstand eine Küche samt Theke, Toiletten wurden für viel Geld installiert, und es wurde eine ansprechende Daueraustellung eingerichtet. Dutzende historischer Loks und Waggons aller Spurgrößen sind im Bahnhöfle zu sehen - und kurz nach Neujahr gibt es immer eine große Schau mit schönen Dioramen, den Landschaften für Miniatur-Eisenbahnen. Ohne Sponsoren, die Unternehmen "Brawa" aus Remshalden und "Noch" aus Wangen, "wäre diese Sammlung nie zustande gekommen", weiß Beck.

Die alte Höhentafel "527,657 Meter" wurde auch wieder angebracht, weiß der Teufel, wie die Leute damals genauer gewesen sein sollen als jedes militärische High-Tech- Ortungssystem heute. Aber es macht sich schön. Gleich daneben steht am ehemaligen Gleis 1 das sechs Meter hohe Ausfahrtssignal. Das stand früher am Reutlinger Südbahnhof und regelte in Richtung Eningen den Verkehr zwischen der Reutlinger Straßenbahn und der Bundesbahn, die Vorfahrt hatte.

Verbunden mit der Bahn ist auch der Lichtensteiner Gemeinderat. Der wurde gestern von einem historischen Bus der RSV abgeholt, der sie nach Reutlingen-West brachte. Dort durften sie mit den Freunden der Zahnradbahn eine Dampflok-Fahrt machen.

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