Von den porträtierten Personen etwas lernen

Was macht einen guten Biografen aus? Auf Einladung der KEB war Dr. Alois Prinz beim 99. Zeitgespräch "Menschen und Themen" im Spitalhof zu Gast. Die Fragen stellten Amrei Steinfort und Bernhard Bosold.

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Biograf Alois Prinz im Spitalhof.  Foto: 

Manche schreiben Biografien, um etwas Neues über die porträtierte Person zu erfahren. Andere Autoren machen sich an diese umfangreiche Arbeit, weil sie einem sagen oder gar vorführen wollen, was man so oder so ähnlich selbst erlebt hat oder schon immer dachte und fühlte.

Alois Prinz schreibt Biografien, weil ihm die detaillierte Recherchearbeit "besonders liegt" und weil ihn gespaltene Charaktere seit seinem Studium der Germanistik, Politologie und Kommunikationswissenschaften faszinieren: "Ich muss einen persönlichen Bezug haben zu den Personen, über die ich schreibe", berichtet der Münchner Schriftsteller, Journalist und Biograf seinen beiden Gesprächspartnern Amrei Steinfort und Bernhard Bosold beim 99. Zeitgespräch zu Gesellschaft, Kultur und Religion des Katholischen Erwachsenenbildungswerks. Und: "Ich schreibe nur über Personen, die in ihren Lebenslinien Brüche, Wandlungen und Entwicklungen vorzuweisen haben." Prinz schaut den Menschen, über die er schreibt, quasi über die Schultern, versucht, sich ihren Lebensentwürfen anzunähern, indem er ihnen "in den Kopf hineinschaut".

Alois Prinz hat sich in seinen zahlreichen Biografien stets auf gespaltene Persönlichkeiten spezialisiert, schrieb unter anderem über die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof, die Schriftstellerin Hannah Arendt, Jesus von Nazareth und Paulus, Teresa von Avila, Hermann Hesse, Franz Kafka und nicht zuletzt über den Propagandaminister und Nazi-Verbrecher Joseph Goebbels.

Wichtig ist ihm, das Leben der porträtierten Person nicht nur anhand chronologischer Episoden zu beschreiben. Vielmehr muss sich die Philosophie der beschriebenen Figur in ihrem Leben widerspiegeln. Ihn interessieren Fragen wie: Was hat Jesus von Nazareth in den Menschen bewirkt? Wie konnte eine brillante, hochintelligente und anerkannte Journalistin wie Ulrike Meinhof so in den Sog des bewaffneten Kampfes gegen den Staat geraten und "das Dagegensein derart verinnerlichen"?

Eine weitere Frage, die Alois Prinz beim Schreiben umtreibt: Sind Menschen wie Goebbels, Meinhof oder Paulus von Grund auf böse oder werden sie erst durch äußerliche Umstände und Zufälle dazu gemacht?

Anhand der Biografie von Goebbels beleuchtet der in "einem sinnlichen Katholizismus" aufgewachsene Autor das Leben dieser gespaltenen Persönlichkeit. Goebbels Entwicklung vom wehruntauglichen und lange arbeitslosen Kommunisten zu Hitlers fanatischem Wegbereiter war ein Prozess, der durch Niederlagen, Erfolglosigkeit und Demütigungen begünstigt wurde: "Ich versuche, die Figuren, über die ich schreibe, zu verstehen, nicht aber ihnen zu verzeihen", betont der mit seiner Familie im bayrischen Feldkirchen lebende Autor.

Die beiden Moderatoren befragen ihren Gesprächspartner abwechselnd über seinen eigenen Werdegang und wie er zum Biografie schreiben gekommen ist. Sie nähern sich Themen an wie "Identifikation und kritische Distanz" oder "was haben uns die porträtierten Personen heute noch zu sagen?".

Bereits während seines Studiums in München hat sich Prinz immer an Professoren orientiert, "deren Persönlichkeit mich beeindruckt hat". Diesen Anspruch erhebt er auch später beim Bücher schreiben: "Mein Ziel ist immer, von den Personen, die ich porträtiere, etwas zu lernen", führt der Autor im vollen Spitalhofsaal aus. Das gelinge am besten bei mehrdimensionalen und gespaltenen Charakteren.

Ein weiterer wichtiger Aspekt für seine Arbeit: "Ich will für jeden, ob jung oder alt, verständlich schreiben und lasse mich nur über Dinge aus, die ich auch verstehe", beantwortet er die Frage eines Besuchers bei der abschließenden Publikumsfragerunde.

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