Vom Porträt bis zum Porzellan

|
Ralf Gottschlich vor drei Werken der aktuellen Ausstellung Kunst Reutlingen 2017.  Foto: 

Ob große Bilder mit abstrakter Malerei, eine zusammenhängende Serie von Balkonbildern im Kleinformat, Skulpturen aus Holz oder Aluminium, ein Kleid in Extralänge namens „Torturmontur“ oder ein Regal rund ums Thema „Feldarbeit“:  Die Kunst in der aktuellen Ausstellung in den Räumen des Kunstvereins ist breit gefächert. Sie zeigt die Vielfalt des künstlerischen Schaffens in Reutlingen und im  Landkreis. Rund 50 Künstler sind von einer Jury ausgewählt worden, rund 170 haben Werke eingereicht, „das zeigt das ungebrochen große Interesse an dieser Ausstellung“, erklärt Dr. Ralf Gottschlich, stellvertretender Leiter des Kunstmuseums. Bereits 1950 gab es eine Vorgängerausschreibung und 1969 wurde die erste Ausstellung dieser Art organisiert. Gedacht war es vor allem, um in den harten Nachkriegsjahren die Kunst zu fördern und Künstlern die Gelegenheit zu geben, ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren und zu verkaufen. Diese Intention gilt bis heute, vielen Kunstschaffenden aller Sparten wird die Möglichkeit geboten, ihre Werke zu zeigen.

170 Einreichungen

Ein Einzelstück oder eine Serie mit vorgegebener Größe durften die Künstler einreichen. Außerdem müssen sie eine künstlerische Ausbildung haben oder bereits mehrjährige Ausstellungstätigkeiten vorweisen können, denn die Bewerbungen aus Reihen der Hobbykünstler haben den Rahmen gesprengt, berichtet Gottschlich. Eingegangen sind tolle Stücke, so fiel der Jury die Wahl auch in diesem Jahr schwer. Herausgekommen ist am Ende eine Ausstellung mit Werken von 50 Künstlern, die aus dem Kreis stammen oder hier leben. Dabei ist das Spektrum groß, die Werke wurden in den unterschiedlichen Räumen des Kunstvereins zu Gruppen zusammengefasst, die zusammen passen oder die sich ergänzen. So verarbeitet beispielsweise Susanne Dohm-Sauter Wohlstandsmüll zu der Skulptur „Endlos“, dahinter ist das Bild „Fly PanAm“ von Carsten Springer zu sehen, ein abgestoßenes Modellauto, das ebenfalls bald zu Wohlstandsmüll wird. Oder die Arbeit mit unterschiedlichen Materialen: Wolfgang Flads „Lack auf Holz“ hängt neben neben „Schneegestöber“ von Izumi Yanagiya, hergestellt aus feinstem Papier. Ebenso gibt es Skulpturen aus Draht und auch Porzellan, die von der Konsistenz her jedoch eher an Korallen erinnern, so fein und porös wurde das Material von der Künstlerin gemacht, bevor es verarbeitet wurde.

Auch neue Trends sind zu beobachten, wie Gottschlich erklärt.  So gibt es Hell-Dunkel-Kontraste, etwa in der Porträtmalerei von Claudia Krieger, aber auch in der „Lightbox“ von Eckart Hahn, in der eine Feuerkugel auf schwarzem Hintergrund aufleuchtet. Auch eine Rückkehr zum Abstrakten  ist in vielen Bildern zu beobachten, nachdem es in den vergangenen Jahren eher eine Renaissance des Gegenständlichen gab. So widmet sich Tanja Niederfeld in einer neunteiligen Serie dem Thema „daheim“, malt Balkone mit unterschiedlichen Fassaden und Architekturstilen. Klar erkennbar und dabei verspielt. An einer anderen Wand sind bunte, pralle Farben abgebildet, oder eine gelbe Mischtechnik,  aber auch ein Blütenmeer in Öl auf Leinwand oder bunte Vierecke von Friedhelm Wolfrat „Deep in the lands“ sind ausgestellt. Unter den Künstlern sind auch in diesem Jahr wieder  welche, die seit vielen Jahren immer wieder bedacht werden, die national und international einen Namen haben, aber auch welche, die eher zu den Neulingen gehören.

Bunt gemischt sind die Kunstwerke und die Art der Umsetzung. Ein Besuch der Ausstellung, die am Sonntag von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch, Christian Malycha vom Kunstverein und Ralf Gottschlich eröffnet worden ist, lohnt sich allemal.

Die Künstler der Ausstellung in diesem Jahr: Uta Albeck, Ellinor Amini, Minny Beckmann, Annika Bolsinger, Eva Borsdorf, Heidi Degenhardt, Susanne Dohm-Sauter, Henning Eichinger, Wolfgang Flad, Renate Gaisser, Jochen Görlach, Eckart Hahn, Sybille Hauck, Teresa Häußler, Eckart Heber, Silvia Hornig, Ellen Junger, Ulrich Koch, Claudia Krieger, Carmen Kübler, Beate Leinmüller, Anna Mansen, Helga Mayer, Martina Milke, Mathias Möschle, Tanja Niederfeld, Ingrid von Normann-Ehrenfels, Friedrich Palmer, Wolfgang Rätz, Inge Rau, Michaela Ruhrmann, Martin Bruno Schmid, Martin G. Schmid, Carsten Springer, Axel Standke, Wolfgang Stöhr, Gabriele Straub, Karl Striebel, Ingrid Swoboda, Jutta Maria Vollmer, Detlef Wagner, Anita Wahl, Daniela Waitzmann, Jacqueline Wanner, Markus Wilke, Jenny Winter-Stojanovic, Friedhelm Wolfrat, Barbara Wünsche-Kehle, Izumi Yanagiya, Helmut Anton Zirkelbach.
Die Ausstellung findet in diesem Jahr in den Räumen des Kunstvereins Reutlingen, Eberhardstraße 14,  statt. Die Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag  14 bis 18 Uhr; Samstag, Sonntag und Feiertage  11 bis 17 Uhr.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

„Fürs Wetter können wir nichts“

Eine kleine Umfrage unter den Beschickern des Reutlinger Weihnachtsmarktes zeigt: Die Mehrzahl der befragten Händler ist mit dem Geschäft zufrieden. weiter lesen