Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt

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    Viele Unternehmen und Betriebe konnten nicht alle der angebotenen Ausbildungsstellen besetzen. Foto: 
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    Petra Brenner (IHK), Karl-Heinz Goller (Handwerkskammer), und Wilhelm Schreyeck (Agentur für Arbeit, links) stellten die aktuellen Ausbildungszahlen vor. Foto: 
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Die Gewichte auf dem Ausbildungsmarkt haben sich im vergangenen Jahr weiter zugunsten der Bewerber verschoben. Am deutlichsten wird dies bei der Zahl der nicht besetzten Ausbildungsplätze: Die Handwerkskammer vermeldet noch 256 offene Lehrstellen für 2017 und 602 für das kommende Jahr, bei der Industrie- und Handelskammer gibt es derzeit über 500 offene Stellen für die Jahre 2017 und 2018. Ein Zeichen, dass die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen sich weiter auf einem hohen Niveau befindet.

Im Bereich der Handwerkskammer Reutlingen, der die Landkreise Reutlingen, Tübingen, Sigmaringen, Zollernalb und Freudenstadt umfasst, ging die Zahl der eingetragenen Ausbildungsverträge (Stand: 31. Oktober) um 1,5 Prozent auf 2098 (Vorjahr: 2131) zurück. Etwas schlechter schnitt der Kreis Reutlingen ab: Die Zahl  der Lehrverträge sank um 40 auf 645 – ein Minus von 5,8 Prozent. „Der Ausbildungsmarkt unterliegt regelmäßig starken saisonalen Schwankungen“, kommentierte Karl-Heinz Goller, Leiter der Abteilung Ausbildung der Handwerkskammer, bei der gestrigen  Pressekonferenz in der Agentur für Arbeit. Besonders stark fielen die Rückgänge im Metall- und Elektrohandwerk (-9,1 Prozent) sowie im Bau- und Ausbauhandwerk aus (-8,6 Prozent) aus. Und auch die Betriebe im Nahrungsmittelhandwerk wie Metzger, Bäcker und Konditoren hätten Schwierigkeiten, ihre offenen Stellen zu besetzen.

Was die IHK Reutlingen angeht, verharrt der Ausbildungsmarkt stabil auf hohem Niveau. Ende Oktober waren 2591 Ausbildungsverträge in Industrie, Handel und Dienstleistungen bei der Kammer registriert worden – ein Plus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Während die Landkreise Tübingen und Zollernalb zulegen konnten, sank die Zahl der im Kreis registrierten Verträge um 1,7 Prozent auf 1157.

Wie Petra Brenner, Bereichsleiterin Ausbildung bei der IHK Reutlingen, ausführte, konnten in den vergangenen Monaten nicht alle  angebotenen Lehrstellen vergeben werden. Insbesondere Branchen, die nicht im Blickpunkt der Aufmerksamkeit stehen oder ungünstige Arbeitsbedingungen haben, täten sich immer schwerer, Auszubildende zu finden. Zudem gebe es eine Lücke, was Spezialisten für Digitalisierung angeht. Darüber hinaus verwiesen viele Betriebe auf die schlechten Deutsch- und Mathematikkenntnisse ihrer Bewerber.

„Der Ausbildungsmarkt bleibt ein Bewerbermarkt“, stellte Wilhelm Schreyeck, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Reutlingen, fest. 3000 Männern und Frauen, die sich bei der Agentur für Arbeit gemeldet hatten, standen 3263 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber. Bis Ende September konnten 459 Ausbildungsplätze in den beiden Landkreisen Reutlingen und Tübingen nicht besetzt werden.

Von den 3000 gemeldeten Bewerbern starteten 1459 eine Berufsausbildung, weitere 654 machten ein Praktikum, besuchten eine weiterführende Schule oder begannen zu studieren. 239 nahmen eine Erwerbsarbeit auf, 139 engagierten sich in ehrenamtlichen und sozialen Diensten. 75 wurden von der Arbeitsagentur in Fördermaßnahmen vermittelt. „Qualifizierung und Berufsabschluss sind die beste Versicherung gegen Arbeitlosigkeit“, betonte Schreyeck.

Über fünf Millionen Euro gibt die Agentur für Arbeit pro Jahr für Fördermaßnahmen aus. Dazu zählen die Einstiegsqualifizierung (66 Plätze), die berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (196 Plätze), die Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (25 Plätze) sowie die ausbildungsbegleitende Hilfen (197 Plätze) aus. Fast drei Viertel derjenigen, die eine Einstiegsqualifizierung absolviert hatten, fanden anschließend auch einen Ausbildungsplatz.

Im Bereich der Handwerkskammer Reutlingen absolvieren derzeit 103 Flüchtlinge eine Ausbildung im Handwerk. Mit 35 Azubis sind die Syrer am stärksten vertreten, gefolgt von Leuten aus Gambia (33) und Afghanistan (17). Der IHK liegen 64 unterzeichnete Ausbildungsverträge vor: Stärkste Gruppe sind hier ebenfalls die Syrer (22), gefolgt von Afghanen (15) und Gambiern (12).

Wilhelm Schreyeck, Chef der Agentur für Arbeit, ist überzeugt, dass junge Geflüchterte zunehmend auf dem Ausbildungsmarkt ankommen. So gibt es im Schuljahr 2017/18 in den beiden Landkreisen insgesamt 19 Vorbereitungsklassen VAB-R (Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf in der Regelform) – elf mehr  als im Vorjahr. Beim Abschluss sollten die Schüler über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, um eine Ausbildung aufnehmen zu können. rab

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