Viele kleine Lichtlein klingen

Das Martinskollegium Pfullingen hat die Reihe der Jubiläumskonzerte zu seinem 40-jährigen Bestehen mit einer "Musik zum Ewigkeitssonntag" in der vollbesetzten Thomaskirche beschlossen.

|
Stefan Knote.  Foto: 

Bei der Gründung des Klangkörpers 1975 durch den damaligen Dirigenten, Prof. Erich Reustlen, hatte man den Schwerpunkt der Orchesterarbeit auf die Musik der Renaissance, des Barock und der frühen Klassik gelegt.

Später erweiterte das Ensemble das Spektrum um Werke der Wiener Klassiker und der Romantik, und selbst der Moderne war die Tür geöffnet. So ist es nachvollziehbar, dass man beim Feiern allen Stilrichtungen Raum gab. Dies geschah mit einem Programm mit ausschließlich kurzen Musikstücken.

Es waren also viele kleine Lichtlein, die - auf dem musikalischen Lichterkranz aufgesteckt - leuchteten. Das Kammerensemble des Martinskollegiums begann mit einer sehr getragen gespielten Komposition des Londoner Madrigal- und Virginalkomponisten John Dowland, dem der Kontrapunktus Nr. 1 aus Bachs "Kunst der Fuge" folgte. Danach spielte der Leiter Stefan Knote, der auch Mitglied des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart ist, eine Solopassacaglia von Heinrich Ignaz Franz Biber so genial, dass man das wiederkehrende Motiv (nämlich vier absteigende Töne) immer wieder erkennen konnte, mag es auch mit vielen Verzierungen und Variationen verbunden sein.

Pfarrer Martin Tuttaß las aus dem neu erschienenen Buch "Wie lang ist ewig" von Susanne Niemeyer einige Passagen, die von der Auferstehung sprachen, zu Erinnerungen aufriefen und in den Worten gipfelten: "Das Leben geht weiter."

Im Anschluss erklang ein lyrisches Andante von Max Reger, keine Klage, sanft gespielt, die braunen Cellotöne in ihrer Schönheit gingen in die Herzen ein, als würden sie Frieden singen. Die einzige Komposition, die der Opernkomponist Giacomo Puccini im Gedenken an einen verstorbenen Herzog von Savoyen als Streichquartettsatz geschrieben hat, nennt sich "crisantemi", spielt auf die dunkel glühenden Farben der Herbstblume an und wurde von den Orchestermitgliedern exakt vorgetragen.

Nach einer weiteren Lesung - diesmal trug Tuttaß jenen in der "Süddeutschen Zeitung" veröffentlichten Brief des französischen Journalisten an die Terroristen vor, die seine Ehefrau erschossen hatten - , kam Musik aus der neuesten Zeit zur Aufführung: das Stück "Fratres" für Streicher, Trommel und Klangholz von dem in Berlin lebenden lettischen Komponisten Arvo Pärt.

Auf einem ostinaten Bass erhebt sich eine ganz einfache Melodie, deren Töne wie Sterne am klaren Himmel funkeln und die von den Geigen in absteigenden Terzen wiederholt wird, nur unterbrochen von den Schlägen auf Trommel und Holz. Tief beeindruckend.

Nach dem Largo aus dem Streichquartett Nr. 8 von Schostakowitsch, dessen Grundmotiv d-s-c-h (den Initialen des Komponisten) sich durch das ganze Stück zieht, las Tuttaß noch jene Textstellen aus dem Requiem von Johannes Brahms, die die Kraft haben, zu trösten.

Den Abschluss bildete eine Meditation von Peteris Vasks, in der mit musikalischen Mitteln, höchsten Geigentönen der Solovioline und tiefsten Bässen, mit glissandi und mit halbtönig absteigenden Melodien eine Sphäre metaphysischer Hoffnung geschaffen wird. Versöhnlich am Ende das Ave verum von Mozart.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

„Fürs Wetter können wir nichts“

Eine kleine Umfrage unter den Beschickern des Reutlinger Weihnachtsmarktes zeigt: Die Mehrzahl der befragten Händler ist mit dem Geschäft zufrieden. weiter lesen