Viel Platz für Aktivitäten

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Das Betzinger Jugendtreff „Style“ blickt auf 20 Jahre zurück (von links): Jens Coers, Marcel Waldenmaier, Sejla Abdagic und der Graffiti-Künstler Marcel Wendler.  Foto: 

Das Betzinger Jugendhaus „Style“ ist zweifellos bunt, sehr bunt – und das nicht nur an der Außenfassade. Auch innen zieren farbige Fantasielandschaften die Wände. „Jede Generation will ja was Eigenes machen und sich hier verewigen“, sagt Birgit Ottens vom Amt für Schulen, Jugend und Sport am vergangenen Freitagnachmittag während eines Pressegesprächs zum 20-jährigen Bestehen des Jugendhauses.

Innerhalb der zurückliegenden zwei Jahrzehnte sei die Jugendarbeit in dem Gebäude mit der besonderen Geschichte sehr erfolgreich gewesen, berichtet zudem Uwe Weber als Leiter des Amts für Schulen, Jugend und Sport. Rund 15 Kinder und Jugendliche kommen momentan durchschnittlich pro Öffnungstag, betonen Sejla Abdagic und Jens Coers, die jeweils zu 50 Prozent im „Style“ angestellt sind. „Wir haben eine gute Stammklientel und das Zusammenspiel zwischen älteren und jungen Jugendlichen klappt sehr gut“, sagt Abdagic, die selbst einst zur regelmäßigen Besucherin des Hauses gehörte. „Ich habe dann eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht und bin jetzt als hauptamtliche Mitarbeiterin zurückgekehrt“, sagt die junge Frau.

Die räumliche Situation in dem Gebäude ist regelrecht üppig, wie auch Weber einräumt. In manch anderen Teilorten der Achalmstadt sei nichts anderes als eine Container-Lösung möglich, mit nicht viel mehr als einem Raum. In Betzingen gibt es hingegen eine Werkstatt, einen Disco-Raum, Küche, Billardzimmer und noch manches mehr. Allerdings seien nicht mehr als drei Öffnungstage möglich – „mit zwei Mal eine halbe Stelle kann man nicht sieben Tage geöffnet haben“, sagte Uwe Weber. „Deshalb sind auch die selbstverwalteten Zeiten wichtig.“

Worum es dabei geht? „Das ist ein Durchlaufprozess – da wachsen junge Besucher des Hauses rein, wenn sie geeignet sind, machen sie eine Schulung mit und dürfen dann selbst verantwortlich die Räume nutzen“, erläutert der Amtsleiter. Zehn Jugendliche sind das momentan, die diesen Schritt gemacht haben, Marcel Waldenmaier und Benjamin Egeler gehören dazu. Allerdings seien diese selbstverwalteten Öffnungszeiten an den Wochenenden nicht immer ganz einfach, sagt Coers. „Die Jugendlichen stecken zum größten Teil in der Ausbildung und haben wenig Zeit.“ Zwar hätten die beiden hauptamtlichen Kräfte im „Style“ den zusätzlichen selbstverwalteten Öffnungsabend donnerstags im Blick – aber da hake es im Moment noch etwas. Ansonsten werde im „Style“ viel geboten: Immer dienstags, mittwochs und freitags ist geöffnet, sportliche Angebote stehen auf dem Programm, unterschiedliche Aktionen und Aktivitäten können gemacht werden, freitags wird seit drei Monaten gemeinsam gekocht – und zwar gesund. „Wir backen auch schon mal Pizza, aber dann mit Salat“, so Coers. Die vergangenen Tage stand jedoch anderes an: „Der Eingangsbereich war innen etwas eintönig“, so Coers. Deshalb wurde der Stuttgarter Graffiti-Künstler Marcel Wendler von der Gruppe „The Good Hand“ engagiert, der zusammen mit den Kids die Wände gestaltete.

Gemeinwesenarbeit sei ein weiteres Stichwort, betonte Weber. Das bedeutet: Die Zusammenarbeit mit Einrichtungen und der Schule vor Ort müsse nach den Leitlinien der Reutlinger Jugendarbeit ebenfalls angestrebt werden. Die Kooperation mit der Schulsozialarbeiterin Melanie Dümmel an der Hoffmannschule sei gut, sagte Sejla Abdagic. Inklusion werde zudem angestrebt, „es gab in den vergangenen Jahren schon Discos für behinderte und nicht-behinderte Jugendliche, das war richtig gut“, so Abdagic. Und: „Das wollen wir mit einer Mitarbeiterin der BruderhausDiakonie wieder angehen.“

Das Gebäude, in dem seit 20 Jahren das Jugendhaus „Style“ in Betzingen residiert, war einstmals eine von fünf Unterkünften für Zwangsarbeiter, wie Uwe Weber am Freitag berichtet. Die Firma Heim hatte in Betzingen einst Teile der V1 gebaut, also einer sogenannten Vergeltungswaffe, einer Rakete, die im Zweiten Weltkrieg auf London abgeschossen wurde und dort verheerende Schäden anrichtete. 100 Zwangsarbeiter seien in dem heutigen Betzinger Jugendhaus untergebracht gewesen. 1966 zog der Jugendtreff namens „Team 65“ dort ein, der sich rein ehrenamtlich dort engagierte. „Die feiern heute noch Partys hier drin“, sagte Weber. 1996 wurden für die gesamte Stadt Leitlinien für die Jugendarbeit aufgestellt, das Betzinger „Style“ öffnete schließlich im Jahr 1997 seine Tür.

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