VfL bittet Stadträte um Hilfe

Die Drittliga-Handballer müssen in Tübingen trainieren, die Vereinsförderung ist ein Minusgeschäft: Der VfL fährt volle Breit?seite gegen den Bürgermeister.

|
Dunkle Wolken über der Schönberghalle, der Haussegen hängt schief. Der VfL beklagt sich bitter über Bürgermeister Michael Schrenk. Von ihm werde der VfL „in seinem Ehrenamt blockiert“, so Vereinspräsident Sven Schauenburg.  Foto: 

„Es geht nur um die Person Michael Schrenk, nicht etwa um die anderen Leute in der Stadtverwaltung“: VfL-Präsident Sven Schauenburg ist stocksauer auf den Bürgermeister und sein Vize Hans-Georg Finkbohner stellt empört fest: „Die letzten 40 Jahre hatten wir nie Probleme mit der Stadt, auch mit der App-Halle hat das immer funktioniert – jetzt aber müssen wir an die Öffentlichkeit gehen“.

Das ist harter Tobak, das Tischtuch zwischen dem Schultes und dem mit 3769 Mitgliedern zweitgrößten Sportverein des Kreises scheint zerschnitten. Es geht um die neue Vereinsförderung, die für den VfL ein dickes Minusgeschäft werde ebenso wie im ganz aktuellen Fall, um die Hallenschließzeiten im Sommer.

„Die Drittliga-Handballer müssen jetzt im Sportinstitut Tübingen trainieren, ausgerechnet in der Hauptvorbereitungszeit für die neue Saison“, klagt Finkbohner. Denn die Kurt-App-Halle hat ebenso wie die Schönberghalle bis Ende August geschlossen. Und Finkbohner ließ auf einer Pressekonferenz wissen, dass hierüber auch namhafte Sponsoren des VfL-Handballs irritiert seien vorsichtig formuliert. Auch an der Basis rumort es: Verärgerte Eltern hätten sich wegen der Schließzeiten beim VfL gemeldet.

Der Aussage Schrenks, dass Hausmeister und Reinigungskräfte Überstunden schieben würden, Hallenschließzeiten deshalb notwendig seien, kontern Finkbohner und Schauenburg damit, dass der VfL in den vergangenen Jahren stets den Hausmeisterjob in dieser Zeit unentgeltlich übernommen habe was auch immer geklappt habe, die Halle war daher zugänglich.

Auch Reparaturen oder die Grundreinigung der Halle im Sommer hätten den Trainingsbetrieb nie gestört – und umgekehrt: Die Arbeiten fänden in der Regel tagsüber statt, der Trainingsbetrieb abends. Süffisant merkte Schauenburg an: „Eine gute Verwaltung erfüllt aus unserer Sicht ihre Aufgabe, wenn die Belange der Bürger in den Mittelpunkt gestellt werden – und nicht umgekehrt.“

Die Probleme mit dem Bürgermeister müssen grundsätzlicher Natur sein. Denn anders lässt es sich nicht erklären, dass der VfL, einstimmig so beschlossen vom 34-köpfigen Ausschuss, nun die Gemeinderäte angeschrieben hat, sie um Hilfe bittet. Die beiden VfLer zitierten Schrenk, der bei der Einweihung der Schönberghalle wohl gesagt hat: „Der Jugend gehört die Zukunft und ohne (sportliches) Training geht das nicht.“ Aber auch nicht ohne Geld.

Und so macht der VfL nun eine Rechnung auf. Die neue Vereinsförderung der Stadt bedeute Einnahmen des VfL von insgesamt 34 000 Euro, allein 32 000 davon für die Jugend. Der VfL indes müsse dafür auch Hallenmieten in etwa dieser Höhe bezahlen. Das war im Grunde eine steuertaktische „Umschichtung“. Wegen der Möglichkeit eines Vorsteuerabzugs wurde in Sachen Schönberghalle eigens eine Hallenbetreiber GmbH gegründet, erläutert Finkbohner, Die Stadt sparte so beim Bau der sieben Millionen Euro teuren Halle rund 1,4 Millionen Euro, dafür erfolgte einvernehmlich die Hallengebühren-Strategie.

So weit, so gut. Aber das Geschäft gehe eben nicht Null auf Null auf. Zu den Hallennutzungs-Gebühren kämen Gebühren für die Sportveranstaltungen selbst, für Gestattungen und Plakatierungen. Kurz: Der VfL rechnet deshalb für 2017 mit einer Negativbilanz von 16 800 Euro.

„Das ist Vereinsbelastung statt Vereinsförderung“, sagt Finkbohner. Und Schauenburg ergänzt mit bitterer Miene: „Wir werden von der Stadt in unserem Ehrenamt blockiert.“

UWV und Stadt wehren sich

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

12.08.2016 18:30 Uhr

Stadt behindert bürgerschaftliches Engagement und verstößt gegen die Vereinsförderrichtlinien!

Auszug daraus!
3. Gefördert werden dabei nur die Vereine, die einen ideellen Zweck im Sinne der
musischen, kulturellen, heimatpflegerischen, sozialen und sportlichen Daseinsfürsorge
zum Wohle der Einwohner der Stadt verfolgen.

Ziel der Förderung ist es, eine Zuwendung an die Vereine, Vereinigungen und
Organisationen zu geben, um ihre Leistung für die Aufgabenerfüllung im Sinne des
Gemeinwohls zu würdigen.

Pfullinger Vereine können eine besondere Förderung erhalten. Dies setzt voraus, dass
bestimmte Aufgaben erledigt oder Ziele verfolgt werden, für die ein öffentliches Interesse
besteht.

Der VfL fördert extrem die Jugend. Dazu gehören Vorbilder. Diese Vorbilder können sich nicht auf die Saison optimal vorbereiten. Die Hausmeistertätigkeiten werden vom Verein selbst übernommen (unentgeltlich und ehrenamtlich). Der Verein bringt seine Beiträge ein. Der Bürgermeister sonnt sich an den Triumphen der Sportler, wirft aber Knüppel in den Weg. Neben den Hallengebühren kommen jetzt auch noch Nutzungseinschränkungen. Das ist hart, haben die Gemeinderäte dies tatsächlich befürwortet und beschlossen? Wer wählt schon solche sportfeindlichen Gemeinderäte. Aber auch in Tübingen werden Sporthallen für Unterkünfte verwendet und dem Schul- und Vereinssport entzogen. Es gibt wenige Kommunen, die den Sport im Sinne der Richtlinien fördern. Gerade in Zeiten der Olympia, wo Spitzensport gezeigt wird, kommt diese Schlagzeile, wie die Faust aufs Auge. Herzliche Gratulation Stadt Pfullingen. Wolfgang Maurer Herrenberg

Antworten Kommentar melden

11.08.2016 11:18 Uhr

Richtig so!

Schön, dass dieses Thema endlich der Öffentlichkeit präsentiert wird. Es kann nicht sein, dass eine "Privat Fehde" des Bürgermeisters gegen einen Verein geführt wird, der so viel für die Kinder und Jugendlichen dieser Stadt leistet.

Von den verschiedenen Sportmöglichkeiten bis hin zur KiSS und den Feriencamps- leuchtende Kinderaugen sollten doch wohl das gemeinsame Ziel der Stadt und des Vereins sein. Wobei der Bürgermeister-womöglich angestachelt von seinem Zuflüsterer G.K. derzeit leider lieber den Alleinherrscher gibt.

Denken Sie bitte mehr an die Kinder in Pfullingen als an Ihre persöhnliche Eitelkeiten Herr Schrenk!

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Raus aus der Einförmigkeit

Ein Ort für Street Art: Am Samstag ist der erste Erweiterungsbau für das soziokulturelle Zentrum franz.K seiner Bestimmung übergeben worden. weiter lesen