Vertreibung, Fremdsein, Hoffnung

|
Das Festival „Gewaltige Spiele“ eröffnet mit einem Hechinger Schülerprojekt.  Foto: 

Beim ersten Festival dieser Art im Jahr 2001 drehte sich alles um das Thema Gewalt. Das war der Grund, wieso die Initiatoren dieses Schultheatertreffen „Gewaltige Spiele“ nannten. Den Titel behielt man bei, denn er hatte Wiedererkennungswert. Anfangs war das Theater Patati-Patata federführend, bald dann die LAG, die Landesarbeitsgemeinschaft Theaterpädagogik.

Unter dem gleichbleibenden Festival-Titel „Gewaltige Spiele“ wurden verschiedenste Themen angeschnitten: „Weltweite Wünsche“ oder „All inclusive“. Nach vier Jahren Pause gibt es nun, 2017, die mittlerweile zehnte Neuauflage, das Motto lautet „Welcome to Germany“.

Rund eine Woche lang, von 1. bis 6. Juli, geht das landesweite Treffen im LAG-Domizil Heppstraße 99/1 über die Bühne. Zehn Schulen, berichtet LAG-Geschäftsführerin Monika Hunze, werden selbst entwickelte Stücke zum Thema aufführen, darunter Gruppen aus Freudenstadt, Ulm, Wilhelmsdorf, Neustadt, Schopfloch, aber auch aus unserer Region, aus Reutlingen, Tübingen und Hechingen. Bei der Stückentwicklung wurden sie vom Theaterpädagogen Volker Schubert beraten. Schubert ist seit kurzem Vorsitzender der LAG, ein Amt, das sein Vorgänger Andreas Hoffmann nach acht Jahren abgegeben hat.

„Wenn ich in dein Gesicht schaue, sehe ich mich selbst“, heißt der Beitrag der Gutenbergschule Reutlingen. Die Theater-AG setzt sich dabei mit einem Alltag auseinander, der zunehmend von „Anschlägen und Katastrophen“ geprägt sei, erzählt die Leiterin Claudia Furrer-Brenner. Über Improvisationen näherten sich zwölf Schüler(innen) von zwölf bis 15 Jahren dem Thema, und sie lernten so auch ein Stück weit, „mit diesen Ängsten umzugehen“, zum Teil „ganz ruhige Geschichten“ dazu zu entwickeln. Entstanden sei so eine vielschichtige Mischung, sagt Schubert: aus Schauspiel, Tagebuch, Schattentheater und syrischer Musik. „Findelding(e)“ wiederum ist der Titel des Stücks, das die Abschlussklasse der Schule am Wolfsbühl in Wilhelmsdorf bei Ravensburg entwickelt hat. Die 17-köpfige Gruppe unter Leiterin Barbara Stockmayer beschäftigt sich unter anderem mit Fundstücken am Strand, aber auch in einer zweiten Ebene mit dem Alleinsein und der Suche nach Zugehörigkeit. In Zusammenarbeit mit einem Metallkünstler, der Spielobjekte entwarf, sei so eine „poetische Geschichte“ entstanden, unterlegt mit atmosphärischer Akkordeonmusik.

Und noch ein Beispiel: Monika Weber und Kornelia Maas haben mit 27 jungen Menschen, darunter Schülerinnen des Gymnasiums und afrikanische Flüchtlinge, an der Alice-Salomon-Schule Hechingen ein Stück auf den Weg gebracht, das den vielsagenden Titel „Mein Gestern – unser Heute“ trägt. Flucht, Ankommen, Fremdsein: Dazu entsteht ein vielsprachiges Ganzes aus Szenen, Bildern, Tanz, Trommelmusik und Gesang.

Ein Projekt der Alice-Salomon-Schule Hechingen wird dann auch das Festival „Gewaltige Spiele“ am Samstag, 1. Juli, in Reutlingen eröffnen – und zwar das Stück „Hoffnung Europa – Flüchtlinge aus Afrika“, das Schüler(innen) zusammen mit der Weltmusikband „Diversité“ unter Steve Bimamisa bestreiten werden. Der aus dem Kongo geflohene Musiker will da unter anderem auch einen Schuhplattler in Lederhosen einbauen. Kurzum, die LAG-Veranstalter versprechen ein durchaus „pralles und lustvolles Bühnenspektakel“ mit wohl 100 bis 200 Mitwirkenden.

Das Projekt startet am 19. Juni in Hechingen mit Workshops, die Premiere steigt dann am 29. Juni in der Stadthalle „Museum“ dort – danach wandert es weiter nach Reutlingen und eröffnet am 1. Juli hier das Schultheater-Festival „Gewaltige Spiele“.

Das Reutlinger Treffen arbeitet mit einem Etat von rund 14 000 Euro. Die Eröffnung am Samstag, 1. Juli, 19 Uhr, wird wegen des großen Andrangs an Beteiligten und Zuschauern in der Betzinger Kemmler-Halle stattfinden. Alles andere geht im LAG-Zentrum Heppstraße 99/1 über die Bühne. Die zehn beteiligten Schulgruppen zeigen dann von Sonntag, 2. Juli, bis einschließlich Donnerstag, 6. Juli, ihre Stückentwicklungen. Hinzu kommen zwei Gastspiele des Theaters Krauseminze (für Menschen ab drei Jahren) und des Theaters Hoffnung Neustadt (für Jugendliche und Erwachsene).

Festival „Gewaltige Spiele“ von 1. bis 6. Juli. Spielplan unter www.lag-theater-paedagogik.de. Eintritt frei. Dennoch bitte reservieren unter (0 71 21) 21116 oder per E-Mail an hunze@lag-theater-paedagogik.de.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

 „Mogli“ hilft den Pädagogen

Sechs weitere Projekte im laufenden Jahr unterstützt das Spendenparlament mit insgesamt 12 885 Euro. weiter lesen