Vernetzung als Kernthema

Die Werke sind gut ausgelastet, die Zahl der Beschäftigten legt um 200 auf 7600 zu. Und beim Umsatz ist der Bosch-Geschäftsbereich Automotive Electronics (AE) deutlich stärker als der Markt gewachsen.

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  • Ein Teil der 180 Mio. Euro, die der Geschäftsbereich Automotive Electronics in diesem Jahr in Reutlingen investiert, fließt in den Ausbau der Wafer-Fabrik. 1/2
    Ein Teil der 180 Mio. Euro, die der Geschäftsbereich Automotive Electronics in diesem Jahr in Reutlingen investiert, fließt in den Ausbau der Wafer-Fabrik. Foto: 
  • Der Automotive Electronics-Bereichsvorstand mit (von links) Andreas Fischer, Ingrid Peters und Markus Schmidt. Im Hintergrund ist noch das Motto des Geschäftsbereichs "We push the Limits" zu sehen. 2/2
    Der Automotive Electronics-Bereichsvorstand mit (von links) Andreas Fischer, Ingrid Peters und Markus Schmidt. Im Hintergrund ist noch das Motto des Geschäftsbereichs "We push the Limits" zu sehen. Foto: 
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Detailliertere Zahlen zum Umsatz nannte Andreas Fischer, der für kaufmännische Aufgaben verantwortliche AE-Bereichsvorstand, nicht. Auf der Internationalen Automobilausstellung im September hatte die Bosch-Geschäftsführung verlauten lassen, dass der gesamte Automobilbereich konzernweit 2015 um zehn Prozent zulegen werde. Reutlingen dürfte sich diesem Trend anschließen: "Wir wachsen aktuell in allen Regionen", bestätigte Fischer.

Der Geschäftsbereich mit Stammsitz in der Achalmstadt profitiere davon, dass immer mehr Elektronik in den Autos verbaut werde, sagte Fischer. Aber nicht nur da: AE ist auch bei der Konsumerelektronik gut unterwegs - über die Bosch Sensortec GmbH und die Bosch Connected Devices and Solutions (BCDS), die vernetzte Sensorgeräte und komplette Lösungen für das Internet der Dinge entwickelt und vermarktet. Klar ist: Vernetzung gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Die gute wirtschaftliche Entwicklung zeigt sich auch darin, dass Bosch allein in diesem Jahr rund 180 Mio. Euro am Standort Reutlingen investiert - das sind 30 Mio. Euro mehr als 2014. Das Geld fließt in den weiteren Ausbau der 200-Millimeter Waferfabrik, wird aber auch für Neuanläufe bei Steuergeräten und anderes eingesetzt.

"Wir spüren eine deutliche Zunahme des Wettbewerbsdrucks", sagte Markus Schmidt, Bereichsvorstand für Marketing und Vertrieb. Und auch der Kostendruck im Automobilsegment nehme stetig zu, ergänzte Vorstandskollege Fischer. Um so wichtiger sei es, die Wettbewerbsfähigkeit im Blick zu behalten. Das erfordere eine hohe Flexibilität sowohl im Automobil- als auch im Consumerbereich: "Wir müssen extrem schnell auf Marktschwankungen reagieren", betonte Fischer.

Ganz wichtig sei es auch, neue Märkte zu erschließen und Trends zu setzen. "Wir können Produkte nicht mehr nur aus Reutlingen heraus entwickeln, sondern müssen weltweit vernetzt sein", betonte Fischer. Deshalb wird Bosch auch verstärkt auf Scouting setzen.

Auch die Tochtergesellschaften (siehe Infobox) haben sich erfreulich entwickelt: Bosch ist mit seiner Antriebseinheit für E-Bikes, die inzwischen von 60 Fahrradherstellern verwendet wird, weltweit Marktführer. Mit dem 2014 vorgestellten Bordcomputer Nyon soll die Vernetzung von Rad und Internet vorangebracht werden.

Um die Reihe der erfolgreichen Start-ups fortzusetzen, hatte es im Oktober eine "Pitch-Night" im Sudhaus gegeben. In diesem Innovationswettbewerb hatten zehn Teams neue Geschäftsmodelle und Ideen vorgestellt. Drei ausgewählte Projekte erhalten jetzt eine sechs- bis zwölfmonatige Förderung. Dann wird überprüft, ob daraus eine zukunftsfähige, finanziell erfolgreiche Geschäftsidee werden kann.

In Reutlingen selbst plant Bosch gemeinsam mit der Stadt und dem Fraunhofer-Institut ein Projekt zur intelligenten Parkraumbewirtschaftung. 100 Straßenparkplätze werden mit Sensoren bestückt, um das Parkplatznutzungsverhalten zu analysieren. Das Projekt soll Mitte 2016 starten und ein Jahr laufen. Ziel ist, dass sich Parkplatzsuchende über eine App auf dem Smartphone informieren lassen können, wo es freie Parkplätze gibt. Das wiederum würde zu einer Verringerung des Parkplatzsuchverkehrs führen und somit die Schadstoffbelastung (Stichwort Kohlendioxid und Feinstaub) in der Stadt reduzieren.

"Wir wachsen weiter - auch beim Personal", sagte Ingrid Peters, Leiterin Personal- und Sozialwesen. Am Standort Reutlingen sind aktuell 7600 (Vorjahr: 7400) Mitarbeiter, inklusive befristeter Mitarbeiter, beschäftigt. Bis Ende September waren 670 befristet beschäftigt, zum 1. Oktober wurden 150 in die Stammbelegschaft übernommen. Die Azubis, die ihre Lehre in den Jahren 2016/17 abschließen, werden unbefristet übernommen - auch um den Verjüngungsprozess innerhalb der Belegschaft fortzusetzen. Derzeit hat das Unternehmen 250 offene Stellen, von denen 160 extern ausgeschrieben sind. Verstärkt gesucht würden Elektrotechniker mit Softwarekompetenz.

Bosch erhält laut Peters noch genügend Bewerbungen für die angebotenen Ausbildungsberufe. Allerdings sei die Qualität der Bewerber rückläufig, konstatierte die Personalleiterin. Das Unternehmen müsse daher Zusatzunterricht anbieten - vor allem in Englisch. Der Frauenanteil liegt bei 26 Prozent - im gewerblichen Bereich sind es 20 Prozent. In Führungspositionen beträgt der Frauenanteil 12,5 Prozent, 2020 sollen es 20 Prozent sein.

Die Tochtergesellschaften

Reutlingen ist der Stammsitz des Bosch-Geschäftsbereichs Automobilelektronik (Automotive Electronics), in dem weltweit 28 500 Mitarbeiter (davon 10 000 in Deutschland) entwickeln, fertigen und auch vertreiben. In Reutlingen arbeiten rund 7600 Beschäftigte, darunter 3200 in den beiden Fertigungswerken in der Tübinger Straße und im Industriegebiet West. Die anderen 4400 Mitarbeiter sind in Verwaltung, Entwicklung und Vertrieb sowie in den Tochtergesellschaften beschäftigt.

Die 2005 gegründete Bosch Sensortec GmbH ist innerhalb von zehn Jahren vom Start-up zum weltweit führenden Hersteller von MEMS-Sensoren für die Konsumerelektronik-Markt geworden. Inzwischen stecken weltweit in drei von vier Smartphones Bosch Sensortec-Sensoren. Weitere Einsatzgebiete sind Tablets, Wearables (Fitnessarmbänder) oder Anwendungen für das Internet der Dinge. Anfang des Jahres hat die Gesellschaft den weltweit ersten Umweltsensor vorgestellt, der in einem Gehäuse Luftdruck, Feuchtigkeit, Temperatur und Luftqualität messen kann.

2009 ins Leben gerufen, kümmert sich der Produktbereich Bosch eBike-Systems um Entwicklung, Vertrieb und Wartung von elektrischen Antriebseinheiten, Akkus und Bordcomputern für E-Bikes. Seit 2012 Marktführer in Deutschland und Europa ist die Gesellschaft, die seit ihrer Gründung in jedem Jahr zweistellig gewachsen ist, Weltmarktführer im Premium-Segment. Seit 2014 baut Bosch eBike-Systems seine Aktivitäten in Nordamerika und Asien aus. Der 2014 vorgestellte Bordcomputer Nyon ist laut Bosch das "erste vernetzte Ökosystem der Fahrradbranche". Er vereint in einem Gerät E-Bike-Steuerung, Navigation und Fitnesstrainer und bietet den Einstieg in die vernetzte E-Bike-Welt.

Im Dezember 2013 wurde die Bosch Connected Devices and Solutions GmbH (BCDS) gegründet. Innerhalb kürzester Zeit ist sie vom Start-up zum Mittelständler gewachsen. Sie entwickelt und vermarktet vernetzte Sensorgeräte und komplette Lösungen für das Internet der Dinge und Dienste. Bis 2020 werden mehr als 30 Mrd. Dinge im Internet vernetzt sein. BCDS fokussiert sich auf vier Geschäftsbereiche: Smart Home, Connected Industry, Transport & Logistik sowie Smart Activity in den Segmenten Arbeitssicherheit, Gesundheit, Sport und Lifestyle.

Seit diesem Jahr baut die Automotive Electronics-Tochtergesellschaft Niederlassungen in Shanghai und Chicago auf.

RAB

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