Vergütung zu gering

VHS-Lehrkräfte für Integrationskurse protestierten am Dienstag am Gartentor gegen unangemessen geringe Vergütung. Ihre Hauptforderung: Festanstellung und bessere Absicherung durch die Kursträger.

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Integration gelingt nur mit dem Erlernen der Sprache. Dass für dieses Gelingen an vorderster Stelle qualifizierte Lehrerkräfte sorgen, ist bekannt. Weniger bekannt ist aber, dass Dozentinnen und Dozenten für Integrationskurse unter prekären Bedingungen arbeiten. Das Fehlen regulärer Arbeitsverträge, nahezu keine Festanstellungen und knappe Honorare führen dazu, dass ein ganzer Berufszweig im finanziellen Abseits lebt, klagen die beiden Lehrkräfte der Volkshochschule Reutlingen, Dr. Monika Toman-Banke und Anja Allmeritter. Deshalb machten die beiden Lehrkräfte, zusammen mit rund 20 Mitstreitern, gestern am Gartentorbrunnen eine Kundgebung. "Integration ja! Wer macht das? Wir machen das", skandierten die Demonstranten, schrieben ihre Forderungen auf Pappestücke und hielten sie hoch. "Wir werden als Lehrkräfte nicht gesehen", betonte Barbara Preussler. Alles spricht zwar über Integration, aber nicht über die Vermittler - und das sind in der Regel Germanisten mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium. Mit ihrem Protest wissen die Lehrkräfte übrigens VHS-Leiter Dr. Ulrich Bausch hinter sich.

Bundesweit gibt es an die 20 000 Lehrkräfte für Integrationskurse. Das Bundesamt für Integration und Flüchtlinge (BAMF) zahlt als zuständige Behörde gerade einmal 2,97 Euro pro Unterrichtsstunde und Teilnehmer an die Kursträger, also Volkshochschulen und private Sprachschulen. Diese sind nicht bereit, ihre Dozentinnen und Dozenten für Integrationskurse fest anzustellen oder zumindest an der Vergütung des öffentlichen Dienstes angelehnte Honorare zu zahlen.

20 Euro sind nach BAMF-Angaben der Richtwert bei der Honorierung der Lehrkräfte. Das mag zunächst nach viel Geld klingen, ist aber angesichts hoher Sozialabgaben verschwindend wenig, sagen Toman-Banke und Allmeritter. Freiberufliche Lehrkräfte sind pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung, womit sie den Arbeitgeber- und den Arbeitnehmeranteil selbst tragen. Nicht anders sieht es mit der Krankenversicherung aus: Als freiwillig Versicherte entrichten sie deutlich höhere Beiträge als angestellte Arbeitnehmer.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) rechnet vor, dass einer Lehrkraft für Integrationskurse nach Abzug aller Sozialabgaben gerade einmal 991 Euro netto monatlich bleiben. Die Berechnung bezieht sich auf einen Lehrauftrag mit 25 Wochenstunden. Die meisten Betroffenen arbeiten in Vollzeit und unterrichten oft in mehreren Kursen, um finanziell über die Runden zu kommen. Dabei haben sie weder Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall noch auf bezahlten Urlaub. Konkret heißt das: Wenn in den Schulferien Kurspause ist, bleibt das Konto leer. Und da angesichts begrenzter Verdienstmöglichkeiten die Rentenbeiträge moderat sind, gehört auch die Altersarmut quasi zum Berufsrisiko.

Das BAMF sieht sich nicht in der Pflicht, für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen. Träger wie die Volkshochschulen argumentieren mit knappen Kassen. Festanstellungen, wie von den Integrationslehrkräften, gefordert, lehnen sie in aller Regel ab.

Unterm Strich führen diese Bedingungen dazu, dass junge, motivierte Nachwuchskräfte gar nicht erst den Weg in den Integrationskurs-Bereich wählen. Und das in einer Situation, in der dringend qualifiziertes Personal gesucht wird, um den zu uns kommenden Menschen Deutsch beizubringen. Die Forderungen der Integrationskurs-Lehrkräfte der VHS und anderer Träger beziehen sich daher auf konkrete Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen, nämlich Festanstellung oder angemessene Bezahlung bei Freiberuflichkeit.

· Vergütung pro Unterrichtseinheit wie angestellte Lehrkräfte

· Honorarerhöhungen wie im öffentlichen Dienst

· Beteiligung der Auftraggeber an den Sozialversicherungsbeiträgen

· Absicherung bei Krankheit: 100 Prozent Ausfallzahlung

· Beiträge zur Krankenkasse proportional zum Einkommen

· Absicherung im Alter

· Personalvertretungsrechte

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