Verführt durch Macht und Zauberei

Otfried Preußlers "Krabat" befasst sich mit der Verführung durch Macht. Heiner Kondschak, Ilona Lenk und Christian Dähn bringen nun das Märchen vom Zauberlehrling auf die Bühne des Tonne-Theaters.

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  • Ilona Lenk setzt beim Bühnenbild auf ein magisch-düsteres Setting. Foto:Karen Schultze/Tonne 1/2
    Ilona Lenk setzt beim Bühnenbild auf ein magisch-düsteres Setting. Foto:Karen Schultze/Tonne
  • Heiner Kondschak hat Otfried Preußlers Jugendroman "Krabat" für die Bühne adaptiert, Ilona Lenk zeichnet für die Ausstattung verantwortlich. 2/2
    Heiner Kondschak hat Otfried Preußlers Jugendroman "Krabat" für die Bühne adaptiert, Ilona Lenk zeichnet für die Ausstattung verantwortlich. Foto: 
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Otfried Preußler (Jahrgang 1923) hat den Aufstieg des Nationalsozialismus miterlebt, war als Soldat im Zweiten Weltkrieg und in Gefangenschaft und hat selbst erfahren, was Macht und Verführung alles anrichten können. 1971 erschien sein mehrfach preisgekrönter Roman "Krabat". Zehn Jahre lang hat er daran geschrieben, und er kommt ganz anders daher als seine Jugendbücher ("Räuber Hotzenplotz", "Das kleine Gespenst"): düster, unheimlich, gruselig. "Krabat" ist laut Preußler "die Geschichte meiner Generation und all der jungen Leute, die mit der Macht und ihren Verlockungen in Berührung kommen und sich darin verstricken".

Das düstere Märchen beruht auf einer sorbischen Sage aus dem 17. Jahrhundert, spielt wahrscheinlich während des Dreißigjährigen Krieges in der Lausitz, in einer Mühle im Koselbruch bei Schwarzkollm in der Gegend um Hoyerswerda - heute wieder eine trostlose Gegend mit hoher Arbeitslosigkeit und großflächigen Tagebau-Wüsten, so Kondschak.

Auch Krabat ist ein armer, obdachloser Waisenjunge: In einer Scheune findet er Zuflucht, träumt dort aber immer wieder von Raben, die ihn in eine Mühle locken. Krabat folgt diesem Ruf und wird auch als Lehrling angestellt. Schon bald gehen dort allerdings immer seltsamere Dinge vor sich, bis Krabat merkt, dass er in einer Zaubermühle gelandet ist, wo mit Schwarzer Magie allerlei Böses veranstaltet wird.

Die dort gelehrte Zauberkunst wird mit einem hohen Preis bezahlt: Jedes Jahr fordert Gevatter Tod einen der Gesellen. Nur Juro, der vermeintlich dumme Gehilfe, durchschaut den Zauber und weiht Krabat in die dunklen Machenschaften des Meisters ein. Der Bann lässt sich nur lösen, wenn es gelingt, ein Mädchen zu finden, das einen so lieb hat, dass es unter Einsatz seines Lebens an Silvester unter den verwandelten zwölf Mühlengesellen den Richtigen herausfinden kann. Zuletzt wurde der Roman 2008 aufwendig verfilmt, es gibt auch diverse Theaterfassungen. Heiner Kondschak hat aber für die Tonne ein eigenes Stück verfasst, für drei Schauspielerinnen und einen Musiker. Kondschak selbst spielt den Ich-Erzähler Krabat, während Chrysi Taoussanis und Margarita Wiesner alle anderen Rollen übernehmen: Margarita Wiesner spielt die "Kantorka", das Mädchen, das (nach sorbischer Tradition) Ostern herbeisingt und am Ende Krabat aus den Fängen des bösen Zaubermeisters befreit.

Alle anderen Rollen teilen sich die beiden Schauspielerinnen auf, den Meister geben sie sogar abwechselnd. Soundkünstler Christian Dähn, der auf seinen unkonventionellen Instrumenten und Geräten die Klangwelten zum Stück beisteuert, kommt ebenfalls eine kleine Rolle zu: Er agiert als Gevatter Tod.

Das Schauermärchen spielt sich derweil auf einer "multifunktionalen" Bühne ab: Eine Treppe führt ins Nichts, das eine Schlafkammer und den Mühlengang symbolisiert, auf einer "Opera-Folie" entfalten sich mystische Zeichen und alchimistische Symbole, auf einem Podest stehen die kuriosen Gerätschaften des Sound-Alchimisten Christian Dähn, und sogar ein Mühlrad dreht sich: vor allem in Neumondnächten, wenn mal wieder Skelette gemahlen werden müssen.

Den Rest des magisch-düsteren Settings erledigen die zwielichtigen Bühnen-Lampen. Im Grunde wird's im Stück nur zweimal hell, erklären Heiner Kondschak und Ilona Lenk. Und zwar am Anfang, als die sommerliche Welt noch in Ordnung ist. Und am Ende, als die wahre Liebe mal wieder das Böse besiegt, wie es im Märchen eben so ist.

Kondschak musste zwar aus Preußlers Romanvorlage sehr viele Abenteuer und Zaubereien rauskürzen, ist aber vom "prallen Stoff" und von der Sprache Preußlers immer noch sehr begeistert, so dass ihm die Inszenierung "sehr viel Freude" gemacht hat. Und auch wenn "Krabat" eine Art Jugendroman darstelle, sei es doch auch ein Märchen für Erwachsene und richtet sich an Zuschauer ab mindestens zwölf Jahren.

Weitere Termine

"Krabat" von Heiner Kondschak nach Otfried Preußler feiert Premiere am Samstag, 11. April, 20 Uhr, im Spitalhofkeller.

Weitere Termine: So., 12. (18 Uhr), Mo., 13. (10 Uhr), Mi., 15.(20 Uhr), So., 19. (18 Uhr), Di., 28. April (10.30 Uhr);

Sa., 2. (20 Uhr), So., 3.(18 Uhr), Sa., 9. (20 Uhr), So.,10.(19 Uhr), Sa. 16. (20 Uhr), So.,17. (19 Uhr), Sa., 23. (20 Uhr), So., 24. (19 Uhr), Sa., 30. (20 Uhr) und So., 31. Mai (18 Uhr).

KK

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