Ursachen nicht einfach abstellbar

Die Luftreinhaltung steht weit oben auf der Agenda in der Achalmstadt. Das Land will mit dem Projekt "Modellstadt Reutlingen" Verbesserungen umsetzen. Eine Informationsmesse in der Stadthalle lieferte Fakten.

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Feierabendverkehr in der Eberhardstraße: Beim Stop-and-Go entstehen besonders viele Schadstoffe.  Foto: 

Staus gehören in Reutlingen zur Verkehrsroutine. Autos, die anfahren, beschleunigen und wieder bremsen, erzeugen jedoch besonders viel Schadstoffe. So stammen immerin 51 Prozent der an der Messstelle in der Lederstraße aufgezeichneten Stickstoffdioxid-Emissionen, die langfristig auch die Gesundheit der Menschen gefährden, aus dem Auspuff von Fahrzeugen. Der zulässige Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter im Jahresmittel. Unterm Strich fällt die Belastung dort im Schnitt aber doppelt so hoch aus. Zugleich wurde der zulässige Grenzwert für die mittlere tägliche Belastung bei Feinstaub (PM 10) von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter dort bereits im ersten Jahr nach Inkrafttreten des Luftreinhalteplans (2005) an 44 Tagen überschritten - zulässig sind 38 Tage. Daran hat sich nichts geändert, 2010 und 2013 waren es sogar jeweils rund 80 Tage. Vor diesem Hintergrund hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) das Land vor dem Verwaltungsgericht Sigmaringen verklagt. Ziel: Die Einhaltung der in der Bundesimmissionsschutzverordnung vorgeschriebenen Grenzwerte. Im Oktober vergangenen Jahres war das Land dazu verurteilt worden, in dem für Reutlingen geltenden Abschnitt des Luftreinhalteplanes Maßnahmen zur Einhaltung der Grenzwerte festzulegen. Die Situation hat sich bislang nicht grundlegend geändert. Grund genug für die DUH, am 25. November ein Zwangsgeld gegen das Land zu beantragen.

Das Regierungspräsidium weist die Vorwürfe zurück: "Wir arbeiten an Maßnahmen zur Fortschreibung des Luftreinhalteplans", so Regierungspräsident Dr. Jörg Schmidt in einer Stellungnahme. Im Mittelpunkt steht dabei das Projekt "Modellstadt Reutlingen", das derzeit europaweit ausgeschrieben ist und nächstes Jahr an den Start gehen soll. Ein Katalog von Maßnahmen soll neue Handlungsperspektiven eröffnen. "Wir wollen damit zeigen, dass die Luftreinhaltung auch in Städten möglich ist, die einen weiten Weg vor sich haben", betonte Christoph Erdmenger, Abteilungsleiter Nachhaltige Mobilität im Stuttgarter Verkehrsministerium.

"Die Ursachen für die Luftverschmutzung lassen sich nicht kurzfristig abstellen", unterstrich Erste Bürgermeisterin Ulrike Hotz bei der Messe zur Luftreinhaltung. Doch seit 2003 habe Reutlingen viele Schritte auf den Weg gebracht. Sie erinnerte an das Konzept der "Stadt der kurzen Wege" - seither habe auf mehr als 70 Hektar Fläche eine Innenentwicklung stattgefunden. Der Scheibengipfeltunnel soll die Stickstoffdioxidemissionen um 45 Prozent und den Feinstaub um 40 Prozent reduzieren. Mit einem Bündel von Maßnahmen soll der Umweltverbund mit Bus, Rad und Fußgängerverkehr gestärkt werden. So hat die Stadt aktuell Zuschüsse für die Umstellung der Linie 8/81 auf Elektrobusse gestellt, berichtete Hotz. Angesichts von 60 000 Einpendlern pro Tag verspricht die Regionalstadtbahn Entlastung. Eine Neuordnung der Ampelschaltung soll den Verkehr flüssiger machen und auch der Ausbau des Fernwärmenetzes mindert die Luftbelastung. Sie appellierte aber auch an das Verantwortungsgefühl des Einzelnen. "Wir schaffen es nur gemeinsam". Letztlich sind die gesundheitlichen Folgen gravierend, die Statistik schreibt 35 000 vorzeitige Todesfälle in Deutschland den Folgen der Luftverschmutzung zu, so Dr. Axel Kempa vom Klinikum Stuttgart.

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