Unterm Georgenberg: Metzinger Wein - muss das sein?

Karten für die Wilhelma? Metzinger Wein? Für manche Geschenke, die er beim Festakt bekommen hat, dürfte Rudolf Heß keine Zeit haben. Andere wird er wohl nur mit Vorsicht genießen.

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"Christus segne unseren Heß. God him bless." Liebe Pfarrer Friedl und Fetzer, lieber Pastor Klaiber: Die Welt hat schon bessere Reime gehört. Ansonsten war der Auftritt als Heilige Drei Könige wirklich erste Sahne. Ein geistlicher Impuls zur rechten Zeit. Genauer: zur Halbzeit des fast vier Stunden andauernden Festakts.

Doch auch andere Akteure ließen sich nicht lumpen. Die Bürgermeisterkollegen, im Chor eine durchaus ansehnliche Clique, brachten Heß ein Ständchen - das allerdings auch für ganz kurze Zeit das Lächeln von seinen Lippen verschwinden ließ. Musste er sich doch daran erinnern, wie man ihm einst den Zutritt zur singenden Truppe verweigert hatte.

"Du schaffst die Aufnahmeprüfung nicht", hat ihm der St. Johanner Kollege Eberhard Wolf - auch nur noch kurze Zeit im Amt - einst uncharmant ins Gesichts gesagt. So was prägt. Heß widersteht seitdem der Sangeslust - zumindest in Schultesgesellschaft. Leuchtende Augen bekam der Bürgermeister indes, als der komplette Gemeinderat die Bühne stürmte, um das Pfullinger Heimatlied anzustimmen. Mit einer Extra-Strophe für den Bald-nicht-mehr-Bürgermeister. "Um den Garten umzugraben, hat er jetzt 21 Spaten", heißt es da unter anderem mit Blick auf zwei Heß'sche Passionen: Seinen naturnahen Öko-Garten mit Brennesselparadies und Raupenanhaftung und seine ansehnliche Spaten-Sammlung.

Wüsste der stellvertretende Ministerpräsident darum, wie zeitintensiv solche Freizeitbeschäftigungen sind und wie voll sich Rudolf Heß seine Ruhestandszeit schon jetzt gepackt hat - er hätte womöglich eines seiner Geschenke in der Sakkotasche gelassen: zwei Jahreskarten für die Wilhelma. Wann, Herr Schmid, sollen Rudolf und seine Marianne da bitte hin? Wo doch neben den Hobbys die Enkel und die Landessynode, der Kreistag und der Regionalverband noch immer ihre Zeit einfordern.

Passender waren da schon das Fläschchen mit Alles-Bio-Inhalt des Landrates ("Nur das Beste") und die schwäbische Bibel. Und der Rucksack, den die Bürgermeister im Kreis für ihren Kollegen gepackt hatten, dürfte auch viel Sinnvolles enthalten.

Aus jeder Kommune ist da ein Geschenkle reingekommen. Allein den Metzinger Wein des Uli Fiedler zu genießen, dürfte Rudolf Heß schwer fallen. Wo doch in Pfullingen ein "so edles Tröpfchen" reift. Gut, die erste Lese im vergangenen Jahr war ein bisschen sauer. Schon bald aber, hofft Heß, wird die Welt eine qualitativ hochwertige Georgenberg-Spätlese verkosten dürfen. Sein Wort in Gottes Ohr. Denn selbst die Geistlichen, denen Heß gerade zum Abendmahl heimischen Wein spendiert hatte, bekannten beim Festakt: "Vielleicht hat der Wein Segen noch Not." Das Fläschle aus Metzingen - das sollte der Schultes aus Pfullingen doch mal öffnen. Damit er mal weiß, was "Ebbes guads" ist.

Auch wenn die Pfullinger für ihren Wein (noch) keine Standing Ovations bekommen, für den Bürgermeister gab es sie beim Festakt sehr wohl. Er hat sie sich verdient - nach 11 680 Tagen im Amt. Oder wie es die Geistlichen formulierten: "Rudolf Heß, God him bless."

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