Über Tabus hinweg herzlich lachen

"Reutlingen war Vorreiter mit der Inklusionskonferenz", betonte Landes-Behindertenbeauftragter Gerd Weimer beim Abschlussfest zur Kampagne "Duichwir - alle inklusive". Es fand im franz. K statt.

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Abschlussfest der Inklusionskonferenz im franz. K: Der Ruhrpott-Kabarettist Martin Fromme macht sich über Tabus hinweg lustig in seinem Programm "Lieber Arm ab, als arm dran".  Foto: 

"Kommt ein Blinder in einen Laden, schleudert seinen Blindenhund einmal im Kreis herum. Der Ladenbesitzer fragt irritiert, was das soll. Ich wollte mich nur mal umgucken, sagt der Blinde." Zahlreiche Kalauer dieser Art feuerte der Ruhrpott-Kabarettist Martin Fromme ins Publikum im franz. K und strapazierte dabei die Lachmuskeln der rund 180 Zuschauer mit und ohne Behinderung. Fromme hat dabei etwas geschafft, was sonst kaum gelingt: Er machte sich über Tabus lustig, über Behinderte - und er darf das, denn: Der Kabarettist ist selbst behindert, Contergan-geschädigt. Kein Wunder, dass sein Programm auch "Lieber Arm ab, als arm dran" hieß.

Wie auch immer man die Späße des Mannes aus Wanne-Eickel finden mochte: Er schaffte, was sonst nur selten geschieht - er zog das Thema Behinderung aus der Schwere heraus, aus der Mitleidszone, in einen völlig anderen Bereich, in den des Humors. Und dass man über schwere und schwerste Benachteiligungen lachen kann, das erscheint im Alltag fast unmöglich. "Das ist keine Behinderung", sagte er mit dem Blick auf seinen verkürzten Arm. "Das ist eine ganz wertvolle Schnitzarbeit aus dem Erzgebirge." Oder: "Ja, okay, ich wär auch lieber schwul", rief er ins Publikum. Um seinen "Gleichgewichtsstörungen ein Ende zu bereiten, sei er bereit, sich das rechte Bein amputieren zu lassen. Aber eigentlich gehe es Brillenträgern ja viel schlechter, sie seien ja die eigentlich Behinderten, "das ist ein Schicksal, boah ey, ohne Brille sind die ja komplett blind", sagte der Brillenträger Fromme. Wie gut, dass er neben seinem Buch mit dem gleichen Titel wie sein Kabarett-Programm auch Postkarten im Angebot habe. "Die sind mundgemalt, das machen doch schließlich alle Behinderten, oder?"

Das Publikum hatte offensichtlich ganz viel Spaß an diesem Abend, lachte von Herzen und war sich dabei wohl auch bewusst, dass der Kabarettist Grenzen einriss, an die sich sonst kaum jemand herantraut. Genau das Gleiche wollen auch Land und Landkreis tun, mit der Kampagne "Duichwir - alle inklusive". Menschen sollen zusammenkommen, sich mischen, gemeinsam Sachen tun, bei denen es überhaupt keine Rolle spielt, ob behindert oder nicht.

Wie etwa bei der Kunstausstellung im Landkreis in diesem Jahr, die Werke von je drei nicht-behinderten und drei behinderten Künstlern in Reutlingen, Bad Urach und Zwiefalten zeigten, erläuterte Thomas Reumann dieser Tage beim Abschlussfest auf der Bühne des franz K. Neben einer Zeitungs-Porträt-Serie war dies nach den Worten des Landrats ein sehr erfolgreiches Projekt der Kampagne im Landkreis. "Die Resonanz war klasse, da ist ein Netzwerk entstanden", so Reumann. Die Kampagne "Duichwir" des Landes war nach den Worten von Gerd Weimer gestartet worden, um "Barrieren in den Köpfen abzubauen". Doch das werde nicht reichen, betonte der Landesbehinderten-Beauftragte: "Das Thema Inklusion muss in die Herzen der Menschen kommen", so Weimer. Er dankte dem Landkreis Reutlingen, nicht nur für die Vorreiterrolle mit der Einrichtung einer Inklusionskonferenz - mittlerweile seien vier weitere Landkreise dem Beispiel gefolgt. Dank sagte Weimer darüber hinaus auch für die Einrichtung der Stelle eines Kreisbehindertenbeauftragten. Aber: Die Arbeit werde nicht ausgehen.

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