Über 50 Hektar Bauland

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    Gut 120 Pfullinger kamen zum Bürgerinformationsabend. Sie studierten die Pläne bis ins Detail. Foto: 
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    Zwischen Pfullingen und Eningen könnte im Gebiet „Hinterholz“ Gewerbe angesiedelt werden. Foto: 
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Was wird sich in den nächsten 15 bis 20 Jahren auf der Pfullinger Gemarkung tun?  An welchen Stellen könnte aus Wiesen und Äckern Bauland werden? Wo ist noch Platz fürs Gewerbe, wo fürs Wohnen? Fragen über Fragen, die der Flächennutzungsplan, der derzeit neu aufgestellt wird, beantworten soll. Am Montagabend haben die Stadt Pfullingen und die Experten, die der Nachbarschaftsverband Reutlingen-Tübingen mit den Planungen beauftragt hat, den Vorentwurf in den Pfullinger Hallen vorgestellt. Immerhin 120 Bürger interessierten sich für ein Thema, das sich, so Bürgermeister Michael Schrenk, „etwas trocken anhören mag, das aber durchaus spannend ist“. Schließlich geht’s bei der Neuaufstellung des Plans, der 1979 gemacht und 1994 fortgeschrieben wurde, auch für viele Pfullinger um die Frage: „Was könnte mit meinem eigenen Grundstück passieren?“.

Tatsächlich hat sich im Unterschied zu dem „etwas angestaubten Planungskorsett“ von 1994, so Peter Wolpert vom Büro „Kling Consult“, einiges getan. Denn die Flächen, die in Pfullingen bebaut werden können, sind leicht reduziert worden auf 32,4 Hektar für die Wohnnutzung und 20,5 Hektar für Gewerbe. Auf dem Areal „Vor Buch“ zum Beispiel ist gar keine Bebauung mehr vorgesehen, unter anderem weil die landschaftliche Wertigkeit dort höher eingestuft wurde, als an anderen Stellen in Pfullingen. Und auch bei Mauer-Weil werden Abstriche gemacht. Der Streifen direkt an der Stuhlsteige wird wohl frei bleiben. Ganz anders schaut’s da schon auf der anderen Seite Pfullingen aus. In Richtung Eningen sind 7,7 Hektar in „Hinterholz“ für Gewerbe eingeplant. Ja, die beiden Kommunen könnten über die Bebauung sogar zusammenwachsen. Gleich darüber liegt der „Galgenrain“, auf dem ursprünglich eigentlich Raum für Firmenbauten vorgesehen war. Hier, so die Planer, ist jetzt an eine Wohnbebauung gedacht. Und das auf einer Fläche von 17,8 Hektar.  Hinzu kommt noch das Arbachquartier mit mehreren Abschnitten und insgesamt 7,8 Hektar Fläche. Gedacht ist im Flächennutzungsplan aber auch an eine Arrondierung der Karlshöhe mit einem zweiten Bauabschnitt und eine kleinere Fläche oberhalb des Ursulabergtunnels.

Dass sich die Natur rund um Pfullingen trotz des Wachstums der Stadt noch ganz gut gehalten hat – dafür gab’s am Montagabend Lob von Dr. Elke Hase, ebenfalls von „Kling Consult“. Sie stellte den Landschaftsplan vor, „so etwas wie der grüne Bruder des Flächennutzungsplans“, wie Hase erläuterte. „Trotz enormer Siedlungsentwicklung haben Sie es geschafft, dass es hier landschaftlich noch sehr schön ist. Und wir hoffen, dass es so bleibt“, betonte die Expertin, die auch erläuterte, wie wichtig unbebaute Flächen außerhalb der Stadt für die Kaltluftzufuhr sind. Unter anderem sechs Naturschutzgebiete, zwei Bannwälder, einen Schonwald und 34 Naturdenkmäler hat Hase auf Pfullinger Gemarkung gezählt. Vor allem die Streuobstwiesen sieht sie als „Besonderheit, die es zu schützen und weiterzuentwickeln gilt“.

Freilich würden die Neubebauungen ein gutes Stück dieser Landschaft für sich beanspruchen – und auch für mehr Verkehr sorgen. Dessen Entwicklung versuchte Dirk Koppenschläger vom Büro Brenner-Bernard vorauszusagen. Würde eines Tages die Regionalstadtbahn fahren, würde das für acht der elf neuen Flächen eine Verbesserung bedeuten. Die Bahn könnte dann auch Defizite in der ÖPNV-Taktung auffangen. Wobei letzterer eh schon „ganz ordentlich“ aufgestellt sei. Eine „moderate Zunahme an Autoverkehr“, so Koppenschläger, sei indes erst zu erwarten, wenn alle Gebiete komplett bebaut seien.

Der Flächennutzungsplan, den die acht Kommunen des Nachbarschaftsverbandes Reutlingen-Tübingen – dazu gehören auch Eningen, Kirchentellinsfurt, Kusterdingen, Dettenhausen und Wannweil – gemeinsam neu aufstellen lassen wollen, liegt bis 10. Juli öffentlich aus. Und das nicht nur im Pfullinger Rathaus, der FNP ist auch im Internet zu finden. Derzeit ist er noch im Stadium der frühzeitigen Beteiligung der Bürger und der Behörden. Anfang 2018 wird wohl über die Stellungnahmen beraten, im Herbst nächsten Jahres könnte der Entwurf dann gebilligt werden.

Eine große Aufgabe

Trotz enormer Siedlungsentwicklung haben Sie es geschafft, dass es hier landschaftlich noch sehr schön ist“: Dr. Elke Hase, Expertin für Landschaftspläne, die am Montagabend bei der Bürgerinformationsveranstaltung sprach, hat es auf den Punkt gebracht: Pfullingen ist eingebettet in einen wunderbaren Streuobstgürtel, es gibt Orchideenwiesen und Bannwälder, Schutzgebiete und Naturdenkmäler. „Wir hoffen, dass es so bleibt“, hat die Fachfrau in ihrem Vortrag noch nachgeschoben. Womit sie nicht die einzige ist, die die Hoffnung hegt, dass die Natur unten im Echaztal und oben an den Berghängen nicht zerstört wird.

Die Gefahr, dass Pfullingen seiner Landschaft Stück für Stück beraubt wird, droht in den nächsten zwei Jahrzehnten aber durchaus. Über 50 Hektar Bauland sind im neuen Flächennutzungsplan ausgewiesen. 50 Hektar potenzielle Wohn- und Gewerbeflächen, für die es, so die Planer, allerdings auch Bedarf gibt – und das nicht, weil die Bevölkerungszahlen explodieren, sondern, weil jeder Einzelne immer mehr Wohnraum beansprucht.

Neue Flächen nicht im Eilzugtempo auszuweisen, ein Baulückenkataster sorgsam zu pflegen, innerstädtisch zu verdichten, Neubaugebiete ansprechend zu gestalten, Ausgleichsflächen zu schaffen und die Landschaft zu schonen: All das unter einen Hut zu bringen – das ist schon eine große Aufgabe. So die Verantwortlichen der Stadt sie wahrnehmen wollen.

Sigrid Godbillon, GAL-Stadträtin, sammelt derzeit Unterschriften und ruft dazu auf, gegen den neuen Flächennutzungsplan Einspruch zu erheben. Für die Bewohner des Burgweggebietes habe vor allem die Bebauung des Arbachquartiers fatale Folgen. „Ein Sechstel der Bürger verliert hier ihr Naherholungsgebiet“, sagt sie. Zumal das Oberflächenwasser in den Arbach umgeleitet werden solle. „Das kann zu Hochwasser führen“, glaubt die GAL-Stadträtin. Die Pläne für die Bebauung des Areals „Galgenrain“ bezeichnet Godbillon als „Katastrophe“. Denn  dort habe Pfullingen seinen „wertvollsten Obstbaumbestand“.

Auch Sabine Winkler vom BUND-Kreiverband fordert einen Stopp des Flächenverbrauchs. „Die Menge hat mich erstaunt“, sagt sie über die insgesamt 50 Hektar, die im Flächennutzungsplan für Pfullingen angedacht sind. „Wir hoffen, dass wir das verhindern können“, erklärt die Frau vom BUND. lyn

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