Turbulentes Spiel, anrührende Bilder

Ein schwieriges Thema ansprechend verpackt: Im Kulturzentrum franz.K feierte jetzt das neue Patati-Patata-Stück Reutlinger Premiere. Es heißt "Ich kenne einen Jungen in Afrika". Regie führt Rüdiger Pape.

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Patati-Patata zeigt "Ich kenne einen Jungen in Afrika".  Foto: 

Wie lebt es sich eigentlich für einen kleinen Jungen in Afrika? Mit welchen Problemen wird er konfrontiert? Hat er ähnliche Träume wie seine deutschen Altersgenossen? Und was bedeutet es, mit elf Jahren bereits Familienoberhaupt zu sein?

Das Kinderstück "Ich kenne einen Jungen in Afrika" nach einer Geschichte aus dem Buch "Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen" von Kirsten Boie, Deutsche Jugendliteraturpreisträgerin 2007, stellt sich in spielerischer Form genau diesen Fragen. Es erzählt die Geschichte des jungen Thulani, der mit elf Jahren bereits Verantwortung für die Familie tragen muss.

Nach dem Tod der Eltern besteht die Familie zwar nur noch aus der kleinen Schwester Nomphilo und der gelähmten Großmutter Gugu, aber die machen es ihm nicht einfach. Die Alte ist hilflos und nörgelt ständig an ihm herum, mit der Schwester zankt er sich darum, nicht Wasser holen zu müssen. Und zu allem Überdruss darf er noch nicht einmal in die Schule, weil er keinen Todesschein seiner Eltern vorweisen kann.

Dabei gibt es in Afrika nichts Wichtigeres als Bildung und Schule, um aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen: "Ein Tag ohne Essen ist nicht so schlimm wie ein Tag ohne Schule", erklärt Sonka Müller. Sie schlüpft abwechselnd mit der afrikanischen, in Stuttgart lebenden Schauspielerin Ida Kassiepko in die Rolle des kleinen Jungen.

Auch sonst geht es turbulent zu: Jede der beiden Schauspielerinnen begleitet mehrere Rollen, es wird getanzt, gesungen, gestritten und den kleinen Besuchern auf spielerische Weise das Leben in Afrika erklärt. Etwa, dass dort 3000 verschiedene Sprachen gesprochen werden und dass man sich trotzdem irgendwie versteht. Oder dass man mit elf Jahren bereits zu groß ist, um umsonst die Schule besuchen zu dürfen.

Während in Afrika jeder genau weiß, was es heißt, "plötzlich dünner zu werden", ist es hierzulande selbstverständlich, nicht barfuß, sondern mit Kickstiefeln und einem Lederball Fußball zu spielen. Trotzdem lebt in Thulani der große Traum, Fußballstar zu werden, fort.

Das Patati-Patata-Stück für Kinder von sechs bis zwölf schafft es, afrikanische und deutsche Lebensweise gegenüber zu stellen und aufzuzeigen, was den Alltag auf dem schwarzen Kontinent ausmacht. Und selbst wenn mal eine Szene - zumindest für die ganz kleinen Kinder - zu abstrakt daherkommt, sind ja noch die Eltern da, die Fragen wie "Warum sterben in Afrika so viele Menschen an Aids?" oder "Warum sind Schuhe in Afrika so wichtig?" danach beantworten können.

Immer wieder gelingen den Darstellerinnen Sonka Müller und Ida Kassiepko - trotz des kargen Bühnenbilds (Adalbert Sedlmeier) mit bunten Wasserkanistern - eindrückliche Momente und kleine, anrührende Bilder. Und dazu sorgt Bakary Koné aus Burkina Faso mit Djembe, Balafon und Ngoni für die passende musikalische Umrahmung.

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