Tunnel auf der Zielgeraden

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    Licht am Ende des Tunnelbaus: Die Freigabe ist für November geplant. Foto: 
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    Derzeit bekommt die Röhre ihre Innenausstattung, die 15 Millionen Euro kostet. Foto: 
  • Bauleiter Norbert Heinzelmann traut sich was und stellt sich in den Mega-Lüfter, der fast 700 PS hat. 3/3
    Bauleiter Norbert Heinzelmann traut sich was und stellt sich in den Mega-Lüfter, der fast 700 PS hat. Foto: 
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Der Scheibengipfeltunnel liegt in den letzten Zügen, die Bauarbeiten befinden sich im Endspurt. Fünf Monate noch, dann wird sich die Blechkarawane durch die Röhre schieben. Zwei, die dafür sorgen sollen, dass die Autofahrer selbst dann noch sicher wieder aus dem Tunnel kommen, wenn’s brennt, sind die beiden Mega-Lüfter, die kürzlich über der Zwischendecke montiert wurden.  Jeder der beiden hat fast 700 PS und schafft 360 000 Kubikmeter Luftdurchsatz pro Stunde. Zusammen haben sie 600 000 Euro gekostet. Bei zweieinhalb Metern Durchmesser – da passt schon ein gestandener Mann in sie hinein. Einer wie Norbert Heinzelmann, der Chef im Scheibengipfel, der sich doch tatsächlich breitschlagen lässt und in einen der stählernen Riesen hineinsteigt.

Würde es tatsächlich brennen – Heinzelmann würde sich nie und nimmer auch nur ansatzweise in die Nähe der beiden Ventilatoren, die dann ihre Arbeit aufnehmen, wagen. Der Raum, in dem sie aufgebaut sind, würde im Ernstfall abgeriegelt, weil ein Mensch, der in ihren Sog gerät, keine Chance hätte.

Soviel zum Oberbau des Scheibengipfeltunnels – der Etage, die über der Fahrbahn ist und durch die der Rauch im Brandfall abgesaugt und durch einen Kamin ins Freie gestoßen werden muss. Aber auch in die Röhre selbst und in die beiden Betriebsgebäude am Nord- und am Südportal kommt Technik, die allein schon durch ihre Zahlen beeindruckt. Bereits in Reih und Glied in ihren Regalen stehen zum Beispiel die 660 Autobatterien, die als Notstromaggregat dienen müssen, wenn die beiden Umspannwerke, an die der Tunnel angeschlossen ist, ausfallen sollten.

Es geht also voran in dem Bauwerk, an dem die Reutlinger seit 50 Jahren planen und seit acht Jahren arbeiten. Die 1,9 Kilometer lange Röhre und auch die 1,2 Kilometer lange „Rest“-Trasse sollen im November in Betrieb gehen. Wann genau, ist zwar noch unklar, aber: „Wir haben dem Bund schon mehrere Terminvorschläge gemacht und warten jetzt nur noch auf die Rückmeldung“, sagt Norbert Heinzelmann, der Bauleiter, den das Regierungspräsidium mit der Mammut-Aufgabe Tunnelbau betraut hat.

Im Mammut-Bereich befinden sich indes auch die Kosten: 125 Millionen Euro sind es nach derzeitigem Stand.  In Kürze allerdings könnte unterm Strich eine sehr viel höhere Summe herauskommen: 130, vielleicht sogar 135 Millionen. „Die Firma Bögl hat Mehrkosten angemeldet“, weiß Heinzelmann. Das Unternehmen argumentiere damit, dass manches, was an Leistungen verlangt worden sei, so nicht in der Ausschreibung gestanden habe. Die Abrechnung der Tunnelbau-Firma könnte die vereinbarten 82 Milionen Euro um fünf bis zehn Millionen überschreiten. „Wobei wir die angemeldeten Mehrkosten derzeit genau prüfen“, erklärt der Mann vom Regierungspräsidium. Schlimmstenfalls, so Heinzelmann,  sehe man sich vor Gericht wieder.  Es gibt aber auch gute Nachrichten: Denn sämtliche anderen Kostenfaktoren, darunter die 15 Millionen Euro, die für den Innenausbau angesetzt sind, bleiben wohl im Rahmen. Zur Innenausstattung gehören auch die drei Paar Deckenventilatoren, die an der Tunneldecke direkt über der Fahrbahn angebracht wurden und die, so es denn später nötig sein wird, die Luftströme lenken sollen. Aber auch an der zentralen Leittechnik in den Betriebsgebäuden wird derzeit noch  gearbeitet. Der Zeitplan ist eng gesteckt – auch außerhalb der Röhre.

Die Deckschicht am Zubringer zur B 28 – der wird übrigens in Richtung Metzingen zweispurig ausgebaut – fehlt noch. Die Signalanlagen sind in der Mache, die Ausschreibungen für die Lärmschutzwände an der Brücke bei der Zufahrt Nord und für die Schutzplanken laufen. „Ganz am Schluss kommen dann die Markierungen“, erklärt der Bauleiter mit Blick auf die Tunnel-Eröffnung – vor der es noch eine große Prüfung zu bewältigen gilt. Die Brandtests werden demnächst laufen. Besteht der Tunnel die nicht, kann er auch nicht freigegeben werden. Und dass da einiges schief gehen kann, das hat sich im Sommer gezeigt, als der Pfullinger Ursulabergtunnel nach seiner Sanierung die Feuertaufe partout nicht bestehen wollte.

Bevor der Tunnel im November in Betrieb geht, sollen die Bürger noch einmal die Möglichkeit haben, sich die eigentliche Röhre, aber auch die Nebenräume anzuschauen. Am 30. Juli wird es soweit sein, kündigt Norbert Heinzelmann an. Bis dahin allerdings ist davon abzuraten, sich im Alleingang auf Besichtigungstour zu begeben. Security-Leute sichern das Bauwerk rund um die Uhr. lyn

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