Tumult in der Kleinkaribik

"Am 1. Mai z'Hona uff em Sportplatz spielt Justin Beaver", kündigt "Bifi" Biffart alias Metzgermeister Brühschwein von den "Zwiebelbäuch" an: "Was tut eine übriggebliebene Pfeife nicht alles für die Liebe!"

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Die Honauer "Zwiebelbäuch" auf wahnwitziger Fantasiereise. Fotos: Angela Steidle

Das "Räubergulasch" in drei Akten zaubert ganz andere "Zwiebelbäuch" auf die Bühne im evangelischen Gemeindehaus: eher die feine Komik als die derben Kracher. Der Spielwitz liegt in der Verwandlung, in Anspielungen, in den überdrehten Figuren und einer Handlung, die so ziemlich von allem was entlehnt - Mundarttheater, Gangsterkomödie, französische Dramaturgie und göttliche Kostümierungen.

Jürgen Reiff, als Wirt "Zum goldenen Schwein" lebt seinen Traum von der Honauer "Kleinkaribik" in Badehose, bärigem Naturhaarbesatz und dem Hawaii-Look der verrückten Sechziger. Dorf-Larry Franz Duckmauser (David Epple) mimt den wortkargen Bauern mit übergewaltigem "Drachen" zu Hause ebenso überzeugend wie den Hippie-Indianer oder den glücklich betrunkenen Gehörnten. Juwelier Helmut Klunker, alias Versicherungsmakler Thomas Epple, hat ausnahmsweise ein knitzes Vergnügen am theatralischen Versicherungsbetrug. Zusammen mit dem Single Metzgermeister Brühschwein ("En Hona gibt's no so manche Solischta") ergänzt er das lokale "Versagerquartett" zu einem guten Satz "Pfeifen".

Wirtin Carmen Epple und das wandelnde Gemeindeblatt Carmen Vogelweyd, zusammen mit Wirtstochter Anja Glück sind das, was Bauer Franz "keinen Denkfehler" nennt: "mutig, schlau, schmerzresistent und vor allem verschwiegen. . ." Der "Bleistiftspitzer von Versicherungsmakler" (Zitat Epple), genannt "Herr Kaiser", wird von Jürgen Eidt dermaßen überspitzt karikiert, dass selbst Profi Epple seine Freude daran hat.

Das Stück im Original ist auf Hochdeutsch. Für die Aufführungen wurde es zum großen Teil auf Schwäbisch umfunktioniert. Die Spannung zwischen gekünsteltem Schriftdeutsch (Bettina Werner als nerviger Feriengast) und Heimatslang gibt der Inszenierung von Regisseur Otto Niederer einen zusätzlichen Kick. Auch an Lokalem war wieder einiges im Text: So beklagt Pleite-Juwelier Klunker seine Konkurrenz in Unterhausen. Dabei hat er beim Binokel am Stammtisch "40 Holzelfinger auf der Hand". Stellt sich die Frage, was das wert ist? Metzgermeister Walter Brühschwein wird von "dr Hausemer Sieglinde vom Frisörsalon" denunziert und statt der Polizei im Allgemeinen wird ein anwesender Laienspielkollege von den Engstinger KJGlern der Unfähigkeit bezichtigt.

"Schluss mit seriös. Lass uns einmal im Leben verrückt sein", flötet die mannstolle Sommerfrischlerin Viviane Wildgans ihrem Versicherungs-Kaiser ins Ohr. Wenn das alles wär! Die Handlung des Stücks überschlägt sich im Fünf-Minuten-Takt. Das saubere Versagerquartett im Honauer Jammertal stellt fest, wir brauchen Ziele: Urlaub für den Wirt, Existenzsicherung für den bankrotten Juwelier, Frauenbekanntschaften für die Solo-Pfeife Brühschwein und ein teuflisches Mittel gegen den "Drachen" des Großbauern. Was fehlt, ist das nötige Kleingeld. Mit einem fingierten Diebstahl wird kurzerhand "dem Glück nachgeholfen, damit es sich entwickeln kann".

Der Stammtisch plant den großen Coup. Ein paar Perlenketten verschwinden und tauchen bei deren blitzgescheiten Weibern wieder auf: "Denen zahlen wir's heim. Wir drehen den Spieß um.". Wäre da nicht die verkorkste Urlauberin, die beim heißen Flirt mit dem beamtensteifen Schadensgutachter rein zufällig den Schatz entdeckt. Anstatt die Bombe platzen zu lassen, verdrückt sich das Gangster-Duo "Gänschen und Kaiser" mit der Beute in die Karibik. Was für ein glamouröser Tumult um so viel verzwickte Menschlichkeit.

Bis auf wenige Plätze am 16. und 17. Januar sind alle Vorstellungen der Komödie "Räubergulasch" ausverkauft. Der Erlös der letzten Veranstaltung kommt traditionell der Kirchengemeinde zugute.

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