Trauer, Mahnung und Warnung

Martin Gross (Verdi) und Thomas Poreski (Grüne) gedachten am gestrigen Totensonntag nicht nur der Opfer des Nationalsozialismus, sondern warnten auch vor einem Rechtsruck der heutigen Politik.

|
Bei der gestrigen Gedenkveranstaltung warnten Verdi-Bezirksgeschäftsführer Martin Gross und VVN-BDA-Mitglieder vor einem Rechtsruck in Deutschland.  Foto: 

"Fast täglich laufen Nazis und Rassisten durch die Straßen, fast täglich brennen Flüchtlingsunterkünfte", sagte Martin Gross auf dem Friedhof "Unter den Linden" beim Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus. Damit hatte der Verdi-Bezirksgeschäftsführer sogleich den Bezug zur Gegenwart hergestellt. Und er betonte: "Mauern und Zäune halten Menschen nicht ab, die vor Krieg, Terror und Umweltzerstörung flüchten."

Die VVN und BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschisten) hatten zu der Gedenkveranstaltung geladen, Hauptredner war Martin Gross, der Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Poreski betonte obendrein: "Aufklären und Aufrütteln ist immer wieder wichtig, auch damit junge Menschen ihr Mitgefühl behalten." Sehr berührt zeigte sich der Grünen-Politiker von einem Heft, das Schüler der 9. Klasse der Eichendorff-Realschule unter dem Titel "Wortkrieg und Sprachfrieden" zum Volkstrauertag herausgegeben hatten. Poreski verlas das Gedicht "Die Flucht". Weitere Zitate folgten, etwa eines aus einem Lied von Konstantin Wecker: "Ich habe einen Traum, wir öffnen die Grenzen und lassen alle herein, alle die fliehen vor Hunger und Mord, und wir lassen keinen allein."

Viele Antifaschisten seien in der Zeit der Nationalsozialisten aus Deutschland geflüchtet und hätten in anderen Ländern eine Zuflucht gefunden, betonten Mitglieder der VVN/BdA. Sie verwiesen darüber hinaus auf Waffenexporte aus Europa in Krisenländer und auf die Antwort und die Folge: "Der Terror ist nun auch in Europa angekommen - wir trauern um die Opfer in Paris, aber auch um die in Mali und in anderen Ländern."

Verdi-Bezirksgeschäftsführer Gross betonte dazu: "Wir lassen uns die Demokratie nicht entreißen, wir stehen mutig für die Menschenwürde ein." Aber er befürchte auch einen Rechtsruck in der Politik Europas durch die Terroranschläge in Paris und durch die große Zahl der Flüchtlinge, die nach Europa kommen. Dabei sei auch Deutschland gefährdet, wie der Anschlag auf die neue Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker von einem offen bekennenden Faschisten gezeigt habe. Hinzu kämen laut Gross solche Äußerungen wie etwa des bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer am Wochenende, der beim CSU-Parteitag einmal mehr eine Obergrenze für Flüchtlinge gefordert hatte - aus rein populistischen Gründen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

CDU will Videoüberwachung am ZOB

CDU-Gemeinderatsfraktion und Stadtverband haben jetzt einen Maßnahmenkatalog für mehr Sicherheit in der Innenstadt vorgelegt. weiter lesen