Thomas Strobl lehnt Ministeramt im Land ab

Zwei Stunden nahm sich gestern der CDU-Vorsitzende im Land, Thomas Strobl, Zeit, um bei den Familien- und Jungunternehmern für seine Politik zu werben. Fest stehe: Er will nicht Minister werden.

|
Politisches Mittagessen mit dem CDU-Landesvorsitzenden und stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden Thomas Strobl im Hotel-Restaurant "Achalm". Links Gastgeber Rainer Knauer von den Familienunternehmern.  Foto: 

Rainer Knauer, der das Gespräch mit dem CDU-Politiker leitete, kam erst zum Schluss auf die mögliche Personalfrage der Partei zu sprechen: Ob der 55-jährige Thomas Strobl denn für den Posten des Innenministers zur Verfügung stehe - vorausgesetzt, die CDU kommt im März 2016 bei der Landtagswahl an die Macht.

Strobl duckte sich weg. Erstens sei die Wahl in Baden-Württemberg noch nicht gewonnen, "außerdem stehe ich für dieses Ministeramt nicht zur Verfügung". Wichtig sei nach der Wahlschlappe 2011 gewesen, "dass wir heute eine moderne Partei sind". Zudem sei die CDU diskussionsfreudiger. Die Zeit in der Opposition habe man gut genutzt.

Was den Bund angeht, warnte der Schwiegersohn von Finanzminister Wolfgang Schäuble indirekt davor, sich gegen Kanzlerin Angela Merkel zu wenden. Strobl, der im Bund auch einer der stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist, sagte: "Falls Merkel heute aufhören sollte, dann hätten wir Rot-Rot-Grün." Gleich eingangs wollte Rainer Knauer vor den jungen Unternehmern und den Familienunternehmern in der Region (ASU) wissen, ob Strobl denn in Sachen Flüchtlinge eher von einer "Verantwortungskultur" oder, wie die Kanzlerin, von einer "Willkommenskultur" sprechen würde. Strobl ging auf Tauchfahrt und schmeichelte den Reutlingern: "Die Achalm ist zwar nicht das Paradies, aber ganz nahe dran." Im Restaurant dort fand das Gespräch statt, bei dem Strobl dann doch eine vage Antwort gab: "Die schlimmsten Fehler macht man, wenn es einem gut geht", zitierte er Ex-Bankenchef Alfred Herrhausen. Ungefragt startete der CDU-Politiker dann einen 20-minütigen Werbeblock, sprach von der Verbesserung der digitalen Infrastruktur, dem autonomen Autofahren - ein Audi A8 aus dem Land soll's sein - und dem wissenschaftlichen, medizinischen Fortschritt. Bis in zwei Jahren werde es lebensrettende Nieren aus dem 3-D-Drucker geben. Abstoßungsreaktionen werde es dann nicht mehr geben. Laut Strobl gibt's bald auch T-Bone-Steaks aus dem 3-D-Drucker.

Danach tauchte der Innenpolitiker Strobl in sein Element ein - die Sicherheitspolitik. Angesprochen auf den Umstand, dass die einstige CDU-Regierung von Oettinger zahlreiche Stellen bei der Polizei abgebaut hatte, versicherte Strobl: "Ja, damals hatte ich gelitten wie ein Hund." Was die Flüchtlingsfrage angehe, fehle Menschen aus dem Westbalkan jede Bleibeperspektive. Da mache es keinen Sinn, sie jetzt eine Lehre machen zu lassen. "Denn das sind Kandidaten für eine Rückführung." Bürokratische Hemmnisse indes müssten weg "bei allen, die eine gute Perspektiven fürs Bleiben haben". Sie sollen integriert werden, wobei die deutsche Sprache essenziell sei. Und dann sei die Unterweisung in Arbeitssicherheit auch wichtig. Strobl: "Der Elektriker aus Syrien macht die Spannungsprüfung wahrscheinlich noch mit dem nassen Daumen", das gehe natürlich nicht.

Insgesamt müsse man die Flüchtlingszahlen "nach unten bringen". Allerdings "haben wir die Kontrolle über die EU-Außengrenzen verloren", so Strobl, der auch dazu steht: "Kein Familiennachzug für mindestens zwei Jahre." Allgemein sollte man Flüchtlinge nicht nur fördern, sondern auch fordern. Vor allem was die Sprache angehe.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Raus aus der Einförmigkeit

Ein Ort für Street Art: Am Samstag ist der erste Erweiterungsbau für das soziokulturelle Zentrum franz.K seiner Bestimmung übergeben worden. weiter lesen