Theater und Wandern auf seinen Spuren

175 Jahre Gustav Werner in Reutlingen und Württemberg - deshalb lädt die Bruderhaus-Diakonie zum Jubiläum ein. Es gibt Theater, Ausstellungen, Wandern auf Werners Spuren, Vorträge und Benefizaktionen.

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Mentor der Schwachen: Der Bruderhaus-Gründer Gustav Werner mit "seinen" Kindern" ist das klassische Motiv des Sozialreformers schlechthin.  Foto: 

Auf dem Bruderhausgelände, dort, wo heute die Stadthalle steht, breitete sich einst das Areal der Wernerschen Anstalten und Vereinigten Werkstätten aus, mit anstaltseigenen Handwerksbetrieben, einer Papier-, einer Maschinen- und einer Möbelfabrik. Der Theologe und Industriepionier Gustav Werner war im 19. Jahrhundert einer der wichtigsten und größten Arbeitgeber in Reutlingen. Hier hatte der Gründer der Bruderhaus-Diakonie hunderte Arbeits- und Ausbildungsplätze für "halbe Kräfte" geschaffen, Menschen, die benachteiligt waren. So auch für seinen berühmtesten Zögling, den Waisenjungen und späteren Motorenentwickler Wilhelm Maybach. Auch an vielen anderen Orten in Württemberg sorgte er für Menschen, die Hilfe brauchten, bot ihnen Heimat, Bildung und Arbeit. Teilhabe ermöglichen, das war sein Ansporn bereits 1837 als junger Vikar. In Walddorf, heute ein Ortsteil von Walddorfhäslach, gründete er in dieser Zeit eine Kleinkinderschule, eine Industrieschule und eine erste Kinderrettungsanstalt im Ort.

"Sein christlich-soziales Gesamtwerk steht im Mittelpunkt unseres Jubiläums", betont Pfarrer Lothar Bauer, Vorstandsvorsitzender der Bruderhaus-Diakonie. Das würdigt die Bruderhaus-Diakonie mit zwei Theateraufführungen, gespielt von Schauspielern mit und ohne Handicap. Das Gesamtwerk Werners auf der Bühne, aktuell dargestellt mit Hip-Hop, Trommeln, Tanzen, Bildern und Szenen. Eine Ausstellung mit Exponaten, Fotos und Tafeln informiert im historischen Krankenhäusle, dem letzten architektonischen Zeugnis auf dem Bruderhausgelände, über die Anfänge der Wernerschen Anstalten bis heute.

Hinzu kommen Vorträge: "Zum Bruderhaus-Gelände" im Heimatmuseum und zum Thema "Frauen in Gustav Werners Bruderhaus gestalten Diakonie" an der Volkshochschule. Werner förderte in einer Zeit, in der Frauen kein Wahlrecht hatten, die Tätigkeit von Frauen in Leitungsfunktionen und ermöglichte die Ausbildung von Elementarschullehrerinnen samt Examen.

Die Bäckerei Keim unterstützt mit einer Benefizaktion das aus Spenden finanzierte Trauerdiakonat der Bruderhaus-Diakonie: "Damit Kinder wieder lachen können" ist das Motto des Mutschelverkaufs in allen Fachgeschäften vom 9. bis 14. Februar.

Wanderfreunde mit und ohne Handicap sind am 8. Februar eingeladen, die erste Etappe des von der Bruderhaus-Diakonie erarbeiteten Gustav-Werner-Wegs von Walddorfhäslach nach Pliezhausen mitzuwandern. Die Strecke ist auch für Rollstuhlfahrer geeignet. "Am 14. Februar 1840 ist Gustav Werner mit zehn Kindern und zwei Mitarbeiterinnen zu Fuß von Walddorfhäslach nach Reutlingen gekommen." Das sei historisch verbrieft, so Pfarrer Lothar Bauer. "In der aufstrebenden Industriestadt Reutlingen waren die sozialen Fragen gegenwärtig, auf die er Antwort geben wollte, aber auch die Mittel zur enormen Ausweitung seines Hilfswerks."

Das ist ihm in den folgenden knapp 50 Jahren gelungen. Gustav Werner, 1809 geboren, agierte schon früh als Netzwerker. Unzählige Freunde und Förderer unterstützten ihn und sein Werk für den Nächsten. Am Kauf seiner ersten Fabrik, der Papierfabrik an der Echaz war beispielsweise der Reutlinger Fabrikant Christian Finkh beteiligt.

Einen Großteil der organisatorischen und pädagogischen Arbeit sowie auch das Erwirtschaften von Einnahmen leistete seine Hausgenossenschaft, zu der auch seine Frau Albertine gehörte. Während der ersten Finanzkrise in den 1860er Jahren entwickelten sich offizielle Unterstützungskampagnen: Landtagsabgeordnete halfen, es gab staatliche Unterstützung sowie Hilfsgelder von Städten wie Reutlingen, Leipzig, Frankfurt und Bonn.

"Die christliche Motivation und die Tatkraft unseres Stifters sind noch heute Motor und Basis für die Stiftungsarbeit, die von rund 4000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragen wird", betont Pfarrer Lothar Bauer. "'Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert', unter diesem Motto entwickeln wir sein Gesamtwerk stetig weiter."

Info Weitere Informationen und Anmeldung zum Veranstaltungskalender "175 Jahre" gibt's unter www.bruderhausdiakonie.de.

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