The Ten Tenors in der Stadthalle

Broadway-Flair in der Stadthalle: Erneut machten hier "The Ten Tenors" auf ihrer Europa-Tournee Station. Die Sänger begeisterten das Publikum mit Stimmglanz und flotter Choreographie.

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Die zehn Tenöre aus Australien achten auf Kontinuität. Die klassische Art des Singens, basierend auf einer soliden Ausbildung, garantiert nach wie vor ihr Niveau, auch wenn jedes Jahr ein anderes Team als „The Ten Tenors“ um die Welt reist. Schwer abzuschätzen, wie viele Sänger schon durch die Showtruppe hindurch gegangen sind. Leider erfährt man im Hochglanz-Begleitheft (fast) nichts über ihren Werdegang.

Optik und Stil bleiben dieselben: Schwarzer Anzug im ersten, heller Sakko im zweiten Teil des Programms, stets kombiniert mit dicken Mikros, das Ganze grundiert von ästhetischen Leinwand-Projektionen, einer dezenten Lightshow, romantischen Dunstschwaden und dem Raunen der Nebelmaschine.

Das Programm folgt großteils dem Motto „On Broadway“, wobei die besetzungsbedingt eingeschränkte Auswahl erweitert wird um passende Rock-Pop-Titel. Der Zeithorizont reicht von den Dreißigern bis heute, von „Cheek to cheek“ über das Musical „Jersey Boys“ mit seinen Sechziger-Hits bis zu den „Newsies“. Auch rare Stücke werden aufgefrischt, wie etwa „Sit down, you’re rockin’ the boat“ in Form einer fetzigen Show.

Ihre musikalischen Muskeln lassen die zehn mit Auszügen aus Bernsteins „West Side Story“ spielen. Die scharfen Rhythmen und starken Akkorde werden erstklassig in Szene gesetzt, gefolgt vom spontanen Jubel des Publikums. Auch die schon „klassischen“ Rock-Chöre von Queen dürfen nicht fehlen, da laufen die Tenöre zur Hochform auf und erklimmen ekstatische Höhen wie weiland Freddy Mercury, Schmelz und Strahlkraft inklusive.

Die opulente Begleitmusik kommt als Playback vom Computer; man hört Streicher und Bläser, während der Live-Tastenmann gelassen am Vielzweck-E-Piano sitzt. Er und der Schlagzeuger begleiten und akzentuieren, zwischendurch wird der Klavierklang zum Orgel-Sound. Auch sängerisch fesselt eine stete Verwandlung Auge und Ohr.

Steht ein Sänger vorn und singt ein Solo, tritt garantiert anderswo ein zweiter vor und übernimmt den Part, während die andern zum dezenten, doch exzellenten Hintergrundchor werden. Wie gut sie sind, hört man, wenn sie ohne Begleitung singen; dann wird’s still im Saal. Jeder einzelne ist Solist und Chorist zugleich, nahtlos geht der Übergang vonstatten – und Tänzer sind sie auch, abwechslungsreiche Choreografien und musikalisches Temperament halten das Geschehen in Bewegung. Gruppiert, in Reihe, pfeifend, fingerschnippend, beineschwenkend – nicht nur fürs weibliche Publikum ein Hingucker.

Was sich allerdings häuft, sind sentimentale Rock-Balladen, die stereotyp zu bombastischem Pathos gesteigert werden. Braucht die Welt das immer noch? Zum Ende hin wird außerdem der Lautstärkeregler hochgefahren.

Offensichtlich reicht es nicht, das Publikum mit tenoralem Glanz zu begeistern und zum großen Facebook-Massenfoto von den Stühlen zu holen. Es muss offenbar auch noch mit Hits zum Mitklatschen angefeuert werden. „Don’t stop believin’“ bringt den Saal zum Rocken, und die zehn lassen sich das „don’t stop“ nicht zweimal sagen: Zu dem deutschen Schlager „Atemlos durch die Nacht“ stürmen sie singend den Saal und (wer weiß?) die Herzen der Fans. Die Phonzahlen erreichen Werte, die Gehör und Stimme der sich verausgabenden jungen Sänger vermutlich außer Stande setzen, nach einer solchen Tournee eine Laufbahn im klassischen Fach weiterzuführen. Der Erfolg im Rock-Bereich ist ihnen sicher – der lautstarke Jubel spricht dafür.

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