Teuflischer Glücksfall "Wahnsinnsmusik": WPR-Werkkonzert mit Nicole Chevalier

Die Württembergische Philharmonie unter Leitung von Ola Rudner holte den Teufel in die Stadthalle - und die großartige Sopranistin Nicole Chevalier. Konrad Beikircher führte amüsant durch das Programm.

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Das sechste Werkkonzert der Württembergischen Philharmonie am Donnerstag stand ganz im Zeichen von "Teufelswerk und Wahnsinnsmusik". Unter Leitung von Chefdirigent Ola Rudner begrüßte das Orchester sein Publikum mit einem noch harmlosen Teufelchen in Form von Josef Hellmesbergers "Danse diabolique".

Da war noch Raum für Steigerung, die dann mit Saint-Saëns "Danse macabre" auch nicht lange auf sich warten ließ. In Gestalt der Solovioline spielte hier der Tod persönlich zum Tanz auf, was Fabian Wettstein mit einem dunklen, schroffen Ton passend zum Ausdruck brachte.

Kaum war dieser Spuk zu Ende, da entführte die Württembergische Philharmonie ihr Publikum auch schon in die Unterwelt, zu Dvoráks "Höllentanz" aus "Katinka und der Teufel". Wilde Tutti wechselten sich mit zarteren Passagen ab, es lärmte, schepperte, schrillte und war dennoch klangschön und unheimlich mitreißend. Rudner, der sichtlich Spaß an diesem Programm hatte, führte das Orchester souverän an.

Gefallen fand auch Konrad Beikirchers Moderation. Der Kabarettist und Autor plauderte heiter und mit großer Kenntnis über Werke, Komponisten und Zeitgeschehen, streute Anekdoten und Briefzitate ein, erlaubte sich auch immer wieder einen bissigen Seitenhieb auf die Tagespolitik und traf so den Humor des Publikums.

Star des Abends aber war Nicole Chevalier. Beikircher bezeichnete es ganz richtig als "Glücksfall", dass sie in Reutlingen zu hören war. Sie ließ das Publikum "Martern aller Arten" mit ihrer Konstanze leiden - leider wirkte das Orchester hier ungewöhnlich schwerfällig - und die Todessehnsucht der Elvira in "Qui la voce sua soave" aus Bellinis "I puritani" nachempfinden.

Einen Moment ganz besonderer Intensität boten Chevalier und die Flötistin Wiltrud Böckheler in der Wahnsinnsarie "Alfin son tua" aus Donizettis "Lucia di Lammermoor". Das perfekte Unisono, eine Höchstschwierigkeit für Sängerin und Flötistin, wurde zu Recht mit minutenlangem Zwischenapplaus und stehenden Ovationen bedacht.

Chevalier überzeugte durchweg mit kraftvoller Stimme, blitzsauberen Koloraturen und hohem emotionalem Ausdrucksgehalt. Sie zeigte eindrucksvoll, dass sie alle Register von wilder Entschlossenheit über hingebungsvolle Leidenschaft bis hin zu sanfter Wehmut perfekt beherrscht.

In "Glitter and be Gay" aus Bernsteins "Candide" wurde auch noch ihr schauspielerisches Talent sichtbar. Nach dieser Darbietung ließ sich Beikircher spontan zu dem Ausruf hinreißen: "Deutschland braucht keine Elbphilharmonie, wir haben die Albphilharmonie!", was vom Publikum mit freudigem Applaus quittiert wurde.

Als Zugabe erklang zunächst "Addio del passato" aus "La Traviata", doch weil ein solcher Abend nicht mit einer so melancholischen Arie schließen kann, schob Rudner noch die "Luzifer-Polka" von Johann Strauss Sohn nach und beendete so einen Abend, der vor allem eines war: wahnsinnig unterhaltsam.

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