Tartanbahn und Uni RTF 1-Sport-Talk mit vier jungen Leistungssportlern

Wie bringen die Cracks im Sport ihren extrem großen Trainingsaufwand - samt den Wettbewerben mit Schule, Universität und Beruf in Einklang? Der Fernseh-Sender RTF 1 hat bei ihnen nachgefragt.

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Beim Sport-Talk von RTF 1 (von links): der Volleyballer Dirk Mehlberg, Dr. Verena Burk von der Uni Tübingen, Moderator Roland Steck, Hürdensprinterin Jackie Baumann und Speedski-Crack Marc Amann.  Foto: 

Abstimmung ist alles. Morgens in aller Frühe zwei Stunden trainieren, dann an der Uni die Vorlesungen und Seminare besuchen. Dann wieder eine kurze Trainingseinheit, duschen, kurz zu Mittag essen, dann wieder an die Uni, danach in den Abend hinein wieder Training: Vorteilhaft ist es, wenn die "Austragungsorte" nicht weit voneinander entfernt sind.

So stellt sich das Leben junger Leistungssportler dar, die auf ihre berufliche Karriere nicht verzichten wollen. Und wenn sie noch jung sind, mindestens das Abitur bauen wollen. Und dafür benötigen sie jede Menge Disziplin und "ein knallhartes Zeitmanagement", wie Moderator Roland Steck des lokalen Fernsehsenders RTF 1 bei seiner Fragerunde am Dienstag bei der Aufzeichnung der Talkrunde im "H3" Büro- und Schulungszentrum in Eningen erfahren durfte. Gesendet wird der dreiviertelstündige "Sport-Talk" auf RTF 1 am Sonntag, 7. Juni, nach den 18-Uhr-Nachrichten.

Zum Thema "Schule, Studium und Leistungssport - schwierig oder vereinbar?" kamen Dirk Mehlberg (30), der Volleyballer beim TV Rottenburg ist. Ebenfalls mit von der Partie war Marc Amann (21), der Speedski-Weltmeister der Junioren ist und der dem Ski-Club Ammertal angehört. Jackie Baumann (LVA Stadtwerke Tübingen), eine 19-Jährige, die sich bei den 400 Meter Hürden weltweit mehr und mehr an die Spitze heranarbeitet.

Schließlich war auch Dr. Verena Burk gekommen, die Akademische Oberrätin am Institut für Sportwissenschaft der Uni Tübingen ist. Sie hat sich der universitären Förderung von Leistungssportlern verschrieben. An der Universität Tübingen kümmert sich die promovierte Sportwissenschaftlerin unter anderem darum, dass Leistungssportler unter Umständen - und im Extremfall - bis zu zwei Semester schieben dürfen, zur Not kann auch die eine oder andere "Prüfung gestreckt werden", so Burk.

Dirk Mehlberg, der aus dem Stand 1,60 Meter springen kann, war einmal Leichtathlet, "dann haben die mich gefragt, und ich habe mich für Volleyball entschieden". In der achten Klasse kam er bereits auf ein Volleyball-Internat in Schwerin. 2001 setzte er seine sportliche Ausbildung beim VC Olympia Berlin fort. Mit der deutschen Junioren-Nationalmannschaft nahm er 2003 an der Weltmeisterschaft teil und gewann ein Jahr später Bronze bei der Europameisterschaft.

Er arbeitet in Teilzeit bei der AOK in Stuttgart und spielt für den TV Rottenburg. Und die Schule - und die Ausbildung? Nur soviel: "Vor dem Abi hab' ich sechs Wochen gefehlt." Aber zur Bewältigung des Lernstoffs "baut man sich eben seinen eigenen Rhythmus auf". Im Übrigen sei der TV Rottenburg dafür bekannt, dass er viel daran setzt, damit seine Leute Studium, Beruf und Sport gut vereinbaren können.

Bei Jackie Baumann, der Tochter von Isabelle und 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann (Barcelona 1992) liegen die Dinge anders. Sie hat "ganz normal" in Tübingen ihr Abitur gemacht, hat die eigene Mutter als Trainerin, weiß aber, dass sie nun - in ihrer Hochleistungsphase - sehr viel mehr Zeit fürs Training aufwenden muss. Mit 57,39 Sekunden auf der 400-Meter-Hürden-Distanz kratzt die Juniorin der U 20-Jährigen schon ordentlich an der Spitze (rund 60 Sekunden).

Zum Thema Studium kennt sie den Vergleich mit den USA. Dort würden die jungen Talente in guter Weise gefördert. In Deutschland gelte für viele Cracks zu oft die Alternative "Sport oder Studium". Jackie studiert im zweiten Semester Mathematik und Sport auf Lehramt und weiß: Wer sich spezielle Boni an der Uni erarbeitet, darf auch für längere Zeit einmal weg - zum Beispiel zu Wettkämpfen im Ausland. Am 9. Juli beginnt die U-23-Weltmeisterschaft in Tallinn (Estland).

Marc Amann wirft sich auf Skiern mutig in die Tiefe, schafft nach 100 Metern - da wird gemessen - bis zu 160 Stundenkilometer. Sein Traum wäre eine "normale" Abfahrerkarriere, die Kitzbühler Streif wäre so ein Traum. Noch ist er Schüler, baut im Juli seine Fachhochschulreife und will Wirtschaft studieren. Er hat bereits lernen müssen, wie wichtig es ist, sehr häufig Stoff nachzuarbeiten. Damit es mit der Anschubfinanzierung klappt, geht er jetzt erst einmal in die Schweiz und verdingt sich dort als Skilehrer.

Und wie sieht es generell aus mit der Vereinbarkeit von Studium und Sport? Verena Burk erzählte eine Menge über die von Hochschule zu Hochschule unterschiedlichen Modelle - und sie stellt fest: So gut in Baden-Württemberg die Unterstützung auch funktioniere: "Die Regelstudienzeit schaffen Leistungssportler aber nicht." Mit dem Olympiastützpunkt in Stuttgart kooperiert die Uni Tübingen ebenso wie mit der Uni Hohenheim.

Und eines weiß Verena Burk längst - aus Erfahrung: So schön Tübingen als Studienort auch immer sein mag: "Kneipengänger sind die Leistungssportler nicht."

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