System mit Modellcharakter

Seit 40 Jahren gibt es in Reutlingen den Notarztdienst in Zusammenarbeit mit dem DRK. Am Samstag Anlass, das Jubiläum im Klinikum am Steinenberg zu feiern und auf die Anfänge zu blicken.

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Rückblicke und Ausblicke während der Feierstunde zu 40 Jahren Notarztdienst mit dem DRK im Klinikum am Steinenberg (v.l.): Friedemann Salzer, Geschäftsführer der Kreiskliniken, Norbert Finke, Vorsitzender Geschäftsführer der Kreiskliniken, Andreas Glück, Präsident des DRK-Kreisverbands Reutlingen, sowie Chefarzt Prof. Friedrich Pühringer.  Foto: 

"Was in 40 Jahren aufgebaut wurde, kann sich im Landesvergleich sehen lassen", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende der Kreiskliniken, Landrat Thomas Reumann, am Samstagvormittag im Festsaal des Klinikums am Steinenberg. Denn die vergangenen 40 Jahre seien nicht nur von höchstem Engagement, sondern auch von herausragender Professionalität geprägt gewesen.

Doch während Sekunden und Minuten über Leben und Tod entscheiden, sah das vor mehr als vier Jahrzehnten sowie vor Einführung des Notarztdienstes noch ganz anders aus. So schnell wie möglich wurden damals nämlich die Patienten lediglich in den Krankentransportwagen geladen und in die Klinik chauffiert.

In den 1970er-Jahren setzte hingegen ein Umdenken ein. Um bereits wichtige medizinische Maßnahmen vor Ort vorzunehmen, sollte der Arzt zum Patienten gebracht werden und, so Reumann, der Notarztdienst der verlängerte Arm der Notaufnahme sein.

"Dieser Arm ist in den vergangenen 40 Jahren wesentlich länger geworden", meinte Reumann allerdings mit Blick auf die Entwicklung. Wobei die notärztliche Versorgung in zahlreichen Ländern nicht selbstverständlich sei. Und obwohl selbst Deutschland keine Insel der Seligen sei, sei das hinsichtlich des Notarztdienstes der Fall.

Mit der Einführung des Dienstes im Jahr 1974 konnte trotzdem niemand auf Vorgaben zurückgreifen. Vielmehr musste jeder sein eigenes System entwickeln. Zumal Handlungsbedarf bestanden hat, wie auch der frühere Notarzt Dr. Siegfried Hahn erklärte. Denn: "Es war damals ein abenteuerlicher Rettungsdienst."

Nachdem die Notwendigkeit erkannt wurde, habe sich laut Hahn aber auch Reutlingen dieser Entwicklung nicht verschlossen. Zumal die Ärzte mitbestimmen und mitgestalten konnten.

"Das Reutlinger System war vielfach Modell", erklärte darüber hinaus der leitende Notarzt Dr. Christoph Niederberger. Trotzdem sei die Idee aus Reutlingen mit erweiterten Kompetenzen für Rettungssanitäter bis zum Eintreffen des Notarztes nicht nur positiv aufgenommen worden, auch wenn sich dieses Vorgehen angesichts einer vertrauensvollen Zusammenarbeit sowie der entsprechenden Qualifizierung der Sanitäter bewährt hat.

Während es im vergangenen Jahr 4251 Notarzteinsätze waren und in Zukunft auf die weiterhin gute Ausbildung von Notärzten und Sanitätern sowie seit einer Woche auf einen zweiten Notarztwagen in Reutlingen gesetzt wird, hat Qualität immer ihren Preis, wie Landrat Reumann bemerkte. Dennoch: "Es ist eine Arbeit, die wir gerne leisten", sagte Norbert Finke, Vorsitzender Geschäftsführer der Kreiskliniken. Und da werde letztlich den Patienten geholfen.

Dass es zu viele Notarzteinsätze gebe, verneinte außerdem der Präsident des DRK-Kreisverbands, Andreas Glück. Die Arbeit in einem Flächenlandkreis wie Reutlingen sei jedoch sehr aufwändig. Zudem dürfe sich bezüglich des Notarztdienstes niemand zurücklehnen. Gelte es doch trotz steigender Einsatzzahlen dauerhaft zuverlässig zu sein und die Hilfsfristen einzuhalten.

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