Swingender Lobgesang

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Beeindruckende Vorstellung: Chöre und Orchester der Münsinger Martinskirche glänzten in der Dettinger Stiftskirche. Foto: Thomas Kiehl  Foto: 

Welch erfreuliche Idee, das Weihnachtskonzert der Münsinger Martinskirche in Dettingen zu wiederholen! Das Programm mit Werken von John Rutter passte gut als Schluss- und Höhepunkt des Jubeljahres „150 Jahre Stiftskirche Dettingen“, auch optisch und akustisch: Das weihnachtlich geschmückte Kirchenschiff bildete einen festlichen Rahmen, der Klang von Sopran-Solo, Chor und Orchester kam natürlich und farbig zur Geltung. Auch das wohldurchdachte Programmheft trug zum Gelingen bei („Bitte leise blättern!“).

Ein Wermutstropfen fiel allerdings ins Musik- und Weihnachtsglück: Die eigentlich vorgesehene Solistin Ulrike Kristina Härter musste krankheitsbedingt absagen. Für sie sprang die junge Sopranistin Susanne Müller aus Freiburg ein, unter anderem Mitglied der Reutlinger Kammeroper sowie der Gächinger Kantorei und betreut von Sibylla Rubens, die vor kurzem in der Reutlinger Stadthalle zu erleben war. John Rutters „Magnificat“ kann durchaus als Adventsmusik durchgehen: Es verkörpert die Freude der Maria als werdende Gottesmutter in tänzerischen Rhythmen und verbindet auf Texte aus dem Lukasevangelium traditionelle und (post-)moderne Elemente zu einem Cross-over mit Ohrwurmqualität.

Wohl auch deshalb fand es in Münsingen zahlreiche junge Mitstreiter: Zwar war der Kinderchor angeblich zu Hause geblieben, doch der gemeinsame Klang von Jugendchor, Projektchor, Kammerchor und Kantorei war geprägt vom hellen, reinen Klang junger Stimmen.

Und sie sangen Rutters Musik so leicht und beschwingt! Dabei müssen die Choristen ständige Takt- und Tonartwechsel bewältigen; Kirchenmusikdirektor Stefan Lust und Chorleiter Marcel Martinez, der bei ihm ein Kirchenmusikpraktikum absolviert, haben bei der Einstudierung großartige Arbeit geleistet; sie wechselten sich ab an Dirigentenpult und Truhenorgel.

Auch das kleine Orchester samt Schlagwerkern und Harfe war mit Schwung und Konzen­tration bei der Sache; die makellos intonierenden Bläser trugen viel zum runden Gesamtbild bei. Becken und Pauken markierten die eher militanten und triumphalen Passagen des Lobgesangs („Er stößt die Gewaltigen vom Thron“), Susanne Müller brachte mit ihrer weich geführten, natürlichen Sopranstimme die schlichte Anmut der Mariengestalt zum Ausdruck.

Da das „Magnificat“ nur etwa 45 Minuten dauert, erweiterten Stefan Lust und die Seinen das Programm um weitere Stücke von John Rutter, die man (teilweise) eher selten hört. Zum Beispiel den 4. Satz aus der Streichersuite, der den Sängern eine Pause und den Zuhörern die Begegnung mit einem geradezu klassizistischen Rutter auf Volkslied-Basis schenkte.

Typisch für seinen populären Sakralstil hingegen waren die Vokalwerke „The Lord bless you and keep you“, ein vom Solo-Sopran gesungener Segen, dem es hier ein wenig an Tragkraft fehlte; dann „Jesus Child“, ebenfalls solistisch vorgetragen, mit seinen flotten Rhythmen ein heiterer Weihnachts-Swing, und zum Abschluss „I will sing with the spirit“, in das alle Mitwirkenden nochmals freudig einstimmten; die Jungs sangen sogar auswendig.

Viel Applaus und glückliche Gesichter – mancher hätte sicher gern mehr gehört –, eine Zugabe war aber wohl nicht vorgesehen.

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