Stimmung im Handwerk weiterhin positiv

Handwerkskammer Reutlingen: Zur Wintervollversammlung berichteten Präsident Harald Herrmann und Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Eisert gestern über die aktuelle Lage. Auch Flüchtlinge waren ein Thema.

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Positive Signale im fünften Jahr in Folge: „Es war für die Handwerker über alle Gewerke hinweg ein gutes Jahr und die Zahl vorübergehend unzufriedener Betriebe wird immer kleiner“, sagte Herrmann beim gestrigen Pressegespräch vor Beginn der Vollversammlung im Winterhalbjahr. Der Auftragsvorlauf betrage im Schnitt rund sieben Wochen. Ein Drittel aller Betriebe rechnet mit einem Auftragsplus, 40 Prozent erwarten höhere Umsätze, erklärte Herrmann. Bei den Dienstleistern erwarten sogar 60 Prozent höhere Umsätze.

Die Indexwerte fielen laut Eisert seit Einführung der Konjunkturberichterstattung noch nie so hoch aus. Besonders positiv verlief die Entwicklung im KfZ-Handwerk und zwar sowohl im Werkstatt- wie auch im Dienstleistungsbereich.

Ob die Sonderkonjunktureffekte, also die Reparaturarbeiten der Hagelschäden, dem Handwerk unterm Strich tatsächlich ein Plus gebracht haben, ist offen. Denn: „Viele hätten Dächer oder Fassaden ohnehin später saniert und aufgrund des zeitlichen Drucks seien viele Aufträge an Betriebe außerhalb der Region gegangen“, betonte Herrmann.

Letztlich schlägt sich die gute Stimmung auch bei den Beschäftigungszahlen nieder: „Sieben Prozent aller Betriebe wollen in den nächsten Monaten zusätzliche Mitarbeiter einstellen“, so Herrmann. Das allerdings dürfte in manchem Fall ein Wunsch bleiben, denn der Fachkräftemangel macht den Firmen weiterhin zu schaffen. Er sei, so Herrmann, längst kein alleiniges Problem der technischen Berufe mehr, sondern zeige sich in allen Branchen. Als Ursache nannte der Kammerpräsident neben dem demografischen Wandel die weiter anhaltende Entwicklung hin zu einer akademischen Ausbildung. Im vergangenen Jahr haben ihm zufolge erstmals mehr junge Leute eine akademische Ausbildung gewählt als auf dualem oder gewerblichem Wege ins Berufsleben einzusteigen. Zugleich aber gab es erstmals eine zweistellige Prozentzahl bei den Studienabbrechern.

Die Vollversammlung, der 26 selbstständige Handwerksmeister und 13 Arbeitnehmer angehören, beschloss den Wirtschaftsplan mit einem Gesamtvolumen in Höhe von rund 14,2 Millionen Euro. Im Mittelpunkt der Investitionen für das kommende Jahr steht das Bildungszentrum Tübingen. Die Bildungsakademie wird modernisiert und neu strukturiert. Das dazugehörige Internat wird abgerissen und neu gebaut. „Nur bei einem Abriss besteht die Möglichkeit, Zuschüsse zu erhalten“, erläuterte Eisert. Die Baukosten bis zur Fertigstellung der Baumaßnahme im Jahr 2018 liegen bei 9,8 Millionen Euro. Das jetzige Internat wurde aus Brandschutzgründen geschlossen. Die Umsetzung des Bauvorhabens erfolgt laut Herrmann durch den Stuttgarter Projektentwickler „Kubus 360“.

In Sigmaringen will die Bildungsakademie Räume im Neubau des Bauverbandes beziehen. Das Projekt verzögert sich allerdings, weil das bestehende Altgebäude zur Zeit noch als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird. Für die Einrichtung der neuen Schweißwerkstatt sind im Finanzplan 250 000 Euro vorgesehen. Die genannten Investitionen können ohne Aufnahme von Kreditmitteln bewerkstelligt werden, freute sich Herrmann. Folglich konnte auch heuer die Erhöhung der Beiträge verzichtet werden. Das gilt auch für die Umlage zur überbetrieblichen Ausbildung, die grundsätzlich neu berechnet werden soll.

Das Handwerk stellt sich, wie Herrmann und Eisert betonten, der Herausforderung durch die hohen Flüchtlingszahlen. Eine Umfrage ergab, dass bereits 50 Betriebe einen Flüchtling beschäftigen, auch Ausbildungsverhältnisse gibt es, wobei diese Personen im Regelfall schon seit längerem in Deutschland sind. Neben der Sprache, die unerlässlich für eine erfolgreiche reguläre Ausbildung ist, müssen fachliche Kenntnisse erworben werden. Denn die Standards in anderen Ländern seien nicht mit denen in Deutschland vergleichbar. Letztlich könnten die Flüchtlinge nicht die Lösung für alle Probleme auf dem Arbeitsmarkt, warnte Herrmann und betonte, dass für einen Flüchtling der Weg von der Ankunft in Deutschland bis zur fertigen Ausbildung als Facharbeiter sechs bis acht Jahre dauern werde. Eine Möglichkeit, den Spracherwerb zu beschleunigen, bieten Intensivsprachkurse am Bildungszentrum in Tübingen, die in Kürze beginnen. Wer daran erfolgreich teilnimmt, kann anschließend einen Integrationskurs belegen. Dort spielt auch das Handwerk eine wichtige Rolle. Auf diese Weise können sich Flüchtlinge an mögliche Berufe im Handwerk herantasten.

Info Die Handwerkskammer hat eine Online-Börse für Arbeitsangebote für Flüchtlinge eingerichtet. Ab Januar soll diese intensiv beworben werden. Internetadresse:

www.hwk-reutlingen.de/fluechtlinge

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