Steht der Inklusionssport vor dem Aus?

Die Schließung der Fakultät für Sonderpädagogik zum Sommersemester sowie das voraussichtliche Ende des Lehrschwimmbeckens auf dem Campus trifft die TSG Reutlingen Inklusiv bis ins Mark.

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Der erste und letzte Übungsleiter: Dr. Martin Sowa (sitzend) und Student Tim Henninger bedauern die Schließung des Lehrschwimmbeckens.  Foto: 

Die Stimmung beim Pressegespräch, zu dem die TSG Reutlingen Inklusiv am Freitag zur Fakultät für Sonderpädagogik eingeladen hatte, passte zur deprimierenden Witterung. Das Gespräch stand unter der Überschrift: "Erster und letzter Übungsleiter. Eine Erfolgsgeschichte geht zu Ende."

Dr. Martin Sowa hatte 1979 die erste Übungsleiterausbildung in Baden-Württemberg besucht. Daran anschließend hatte er die Behindertensportabteilung innerhalb der TSG Reutlingen gegründet, damals die erst zweite in ganz Deutschland. Aktuell hat sie 480 Mitglieder, die in 44 Sportgruppen betreut werden. Noch heute fungiert der Engstinger als ihr ehrenamtlicher Abteilungsleiter, ist überaus aktiv und deutschlandweit ein gefragter Experte.

Vor wenigen Wochen konnte die TSG-Abteilung Tim Henninger, ihren mit Sicherheit letzten Übungsleiter von den Sonderpädagogen, begrüßen. Als einer der wenigen noch in der Achalmstadt verbliebenen Studenten wird er im April sein Examen machen und gleichzeitig die Abteilung als Schwimmübungsleiter unterstützen. Weil die entsprechende Ausbildung vom Württembergischen Behinderten- und Rehasportverband vor mehr als einem Jahr mangels Nachfrage eingestellt wurde, wird der 27-Jährige vermutlich auf unbestimmte Zeit der letzte Übungsleiter im Sport mit Geistigbehinderten werden. Ein schwerwiegender Verlust für die TSG Reutlingen Inklusiv. Dabei sei die Möglichkeit, Theorie und Praxis zu verbinden, "über viele Jahre hinweg eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten" gewesen, wie Geschäftsführer Albrecht Tappe betonte.

Nachdem auch für das Lehrschwimmbecken auf dem Campus, dem "Hohbuch-Bädle" zum September dieses Jahres die Zeichen auf Schließung stehen, käme auf die TSG ein weiterer gravierender Einschnitt zu. Das nämlich würde das Ende der im Jahr 1980 gegründeten Kinderschwimmgruppen bedeuten.

Die Verlagerung der Fakultät nach Ludwigsburg bedeutet für die TSG den Wegfall von zirka 20 hochqualifizierten Sonderpädagogik-Studierenden. Ein schmerzlicher Verlust, der auf ehrenamtlicher Basis nicht zu kompensieren ist. Eine hauptamtliche Mitarbeiterin halbtags wurde eingestellt, deren Stellenumfang muss in den kommenden Monaten noch ausgedehnt werden. Die Kosten dafür konnten bislang durch Spenden abgedeckt werden. "Für die Zukunft hofft die Abteilung auf eine kräftige Unterstützung durch die Aktion Mensch, bei der ein umfangreicher Antrag auf 250 000 Euro für drei Jahre soeben eingereicht wurde", sagte Tappe, Geschäftsführer bei der TSG Reutlingen Inklusiv. "Falls dieser in Bonn keine Zustimmung findet, brechen für uns sehr schwere Zeiten an."

Sowa und Tappe haben einen Plan B in der Schublade, in dem mehr auf hauptamtliche Beine gestellt werden müsste und es diverse Preise zu gewinnen gälte. "Wir brauchen das Geld, um unsere Angebote finanzieren zu können und um zu überleben. Zwei FSJler könnten als Zweitkräfte nur ein bischen auffangen." Dies vor dem Hintergrund, dass die Nachfrage in den Sportgruppen weiterhin unverändert hoch ist. Bedingt aber auch durch die Tatsache, dass durch die inklusiven Bestrebungen der Abteilung der Personalbedarf größer denn je ist.

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