Spiegelfassade mit Streifenmuster kommt

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Noch ist es ein schmuckloses Bauwerk: Die Spiegelfassade soll dem Theaterneubau Strahlkraft nach außen verleihen.  Foto: 

Mit deutlicher Mehrheit hat sich der Gemeinderat dafür ausgesprochen, dass der Theaterneubau auf dem ehemaligen Listhallenareal eine Spiegelfassade aus Aluminiumblech  erhält. Aus Gründen des Vogelschutzes wird ein senkrechtes Muster aus engen und breiten Streifen aufgeklebt. Die Mehrkosten  betragen 240 000 Euro. Damit scheiterte die CDU mit ihrem Antrag, die Fassade als Wärmedämmverbundsystem zu gestalten. Neben acht CDU-Stadträten stimmten am Donnerstag Annette Leininger (FWV) und Ute Beckmann (WiR) für den CDU-Antrag, Dr. Karsten Amann (CDU), Holger Bergmann (Grüne) und Dr. Sven Fischer (WiR) enthielten sich.

Die Debatte um die Fassadengestaltung hatte nicht nur wegen des Vogelschutzes an Fahrt gewonnen, eine ebenso wichtige Rolle dürften die Mehrkosten von bisher 1,72 Millionen Euro für den Neubau gespielt haben. So hätten sich mit dem CDU-Vorschlag 346 000 Euro einsparen lassen.

Eigentlich hätte der Gemeinderat am Donnerstag auch über die Kosten debattieren sollen. Der Punkt war jedoch abgesetzt worden, weil die nicht öffentlichen Vorberatungen nicht rechtzeitig abgeschlossen werden konnten.

Also diskutierte und entschied der Gemeinderat nur über die Fassade. Für Sebastian Weigle ist der Verwaltungsvorschlag die „beste Lösung unter den Alternativen“. Es sei wichtig, dass die Fassade das Theater auch nach außen transportiere, sagte der SPD-Stadtrat, dem die Buchstabenlösung besser gefallen hätte. Mit dem jetzt gefundenen Kompromiss habe man aber den Belangen des Vogelschutzes Rechnung  getragen.

„Der Vogel singt, nicht der Käfig“, antwortete Rainer  Löffler mit einem Sprichwort. Damit wollte der CDU-Fraktionsvorsitzende zum Ausdruck bringen,  dass die Qualität des innen gespielten Theaters nicht von der Art der Fassade abhänge. Mit Blick auf die Mehrkosten sei der CDU-Antrag „überaus gerechtfertigt“. „Uns fehlt das Verständnis, dass jeder hier hinsteht und kalt lächelnd die Mehrkosten akzeptiert“, kritisierte Löffler die Mehrheit des Gremiums.

Der FWV-Fraktionsvorsitzende Jürgen Fuchs empfahl hingegen  die „gestreife Spiegelfassade“ – auch wenn ein gewisses Rest­risiko für die Vögel bleibe. Diese Art der Fassade sei im Wettbewerb als „herausragend“ empfunden worden, sie habe „Strahlkraft“ und wirke nach außen.  Zudem fielen die Unterhaltungskosten nicht höher aus als beim von der CDU favorisierten Wärmedämmverbundsystem. Die nach dem Baubeschluss völlig aus dem Ruder gelaufenen   Baukosten seien zwar ein „Riesendilemma“, dennoch seien die Mehrkosten für die gestreifte Spiegelfassade eine gute Investition“, betonte Fuchs.

Annette Leininger nannte drei Gründe, warum sie die Sache anders als ihre Fraktion sieht. „Experten hin oder her“, traue sie der Sache mit dem Vogelschutz nicht. Zweitens befürchtet sie, dass die reflektierende Fassade den Verkehr  blenden könnte. Und drittens erwartet sie weitere Mehrkosten, wenn die Klebestreifen dann in zehn Jahren ersetzt  werden müssen.

Die Entscheidung über die Fassade sei für die Grünen eine der schwierigsten Entscheidungen überhaupt gewesen, sagte Susanne Müller. Das Schlimmste wäre, wenn die jetzt vorgeschlagene Lösung nicht funktionieren würde. Die Grünen  empfänden es als sehr schade, wenn die Fassade nicht mehr dem Kunstcharakter der Tonne entsprechen würde, begründete die Grünen-Stadträtin, warum ihre Fraktion mehrheitlich gegen den CDU-Antrag stimmte.

Mit den Worten „Wir wollen keine biedere Fassade für Theater“, warb Regine Vohrer (FDP) für den Verwaltungsvorschlag. Auch Prof. Jürgen Straub sprach sich für  eine „optisch-auffällige, innovative Fassade“ aus. Die Preis­erhöhung sei zwar ärgerlich. Aber: „Wenn man das mit der Elbphilharmonie vergleicht, sind wir noch auf einem guten Weg“, merkte der WiR-Fraktionsvorsitzende an.

„Wir können das Bauwerk nicht dafür bestrafen, dass an anderer Stelle nicht ordentlich gearbeitet wurde. Ich hätte nur ungern den traurigen Putz der CDU“, betonte Linken-Stadtrat Thomas Ziegler.

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