Sommerserie: Die Heimat erkunden

Geschichte zum Anfassen - das möchte das fachkundige Pfullinger Kulturteam bieten. Mit weit mehr als 17 Stadtführungen lässt sich die Echazstadt herrlich erkunden. Wir starten mit Martin Fink.

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  • Martin Fink öffnet mit einer Kurbel die Stauwände - und in die Mühle kommt Bewegung. Fotos: Marie-Louise Abele 1/2
    Martin Fink öffnet mit einer Kurbel die Stauwände - und in die Mühle kommt Bewegung. Fotos: Marie-Louise Abele
  • Technik aus der guten alten Zeit: Das Wehr an der Baumannschen Mühle. 2/2
    Technik aus der guten alten Zeit: Das Wehr an der Baumannschen Mühle.
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Sicherlich kann man ihn zu allem, was Pfullingen, seine Sehenswürdigkeiten und Geschichte betrifft, befragen. Martin Fink vom Geschichtsverein, Stadtführer und Inhaber des Büros "Personal-Kultour", weiß immer eine Antwort. Dennoch hat er seine Steckenpferde und überlässt bei anderen Themen gerne den fachkundigen Experten den Vortritt. Um das bestehende Wissen weiterzugeben und weil es immer wieder Anfragen gab, hat man diese Fachleute allesamt ins Boot geholt und einen großen Katalog mit 17 Stadtrundgängen zusammengestellt, die über das städtische Kulturamt gebucht werden können. Nicht nur an Tagestouristen und Kurzurlauber richtet das Angebot, "auch die Pfullinger selbst sind herzlich eingeladen, ihre Stadt und die Geschichte zu entdecken", so Fink. "Natürlich dürfen auch gerne individuelle Rundgänge gebucht werden, wir legen auch Rundgänge zusammen und organisieren auf Wunsch Picknickpausen oder Einkehrmöglichkeiten", beschreibt Fink die breite Themenauswahl.

Wer mit ihm Pfullingen entdecken möchte, der lernt die Wahrzeichen der Stadt kennen. "Was wäre Pfullingen heute ohne seinen Stifter Louis Laiblin und dem Architekten Theodor Fischer?", fragt Fink. Wahrscheinlich wäre es um einige Vorzeigeobjekte ärmer. Die beiden Männer lernten sich wohl im Reutlinger Gmindersdorf kennen, wo Fischer bereits einen Stadtteil nach den Vorstellungen des Fabrikanten Gminder realisierte. Gemeinsam haben die beiden dann in der Zeit nach 1904 der Nachwelt innovative und ortsbildprägende Bauwerke in Pfullingen hinterlassen, die noch heute zahlreiche Architektengruppen anreisen lassen. Der Schönbergturm, besser als Pfullinger Unterhos bekannt, die Ton- und Turnhalle, heute Pfullinger Hallen, das Schützenhaus, den Erlenhof und verschiedene Arbeiterhäuser stammten aus Fischers Feder, natürlich nach genauen Vorstellungen des reichen Papierfabrikerben Louis Laiblin. Er musste all seine von ihm finanzierten Bauten aus dem Fenster der Villa Laiblin sehen können, außerdem sollten sie ins natürliche Bild ihres Standortes passen. So ist die Dachkonstruktion der Hallen haargenau mit dem Schwung der dahinterliegenden Alblandschaft aufgenommen worden und mit 26 Metern Höhe ragt die Unterhos, damals hochmodern in Eisenbeton gefertigt, stolz in Blickverlängerung der Villa Laiblin zur Alb empor. Gemeinsam gingen die beiden Herren auch die Innenarchitekturen an, unter anderem die stimmungsvollen Wandzeichnungen in den Hallen. Der verwendete Kalkstein kam natürlich aus dem Steinbruch in Gönningen.

Weiter lädt Fink in die Baumannsche Mühle. Hier gibt es - nicht nur für die Kleinen - Schulunterricht vor Ort. Wie funktioniert das Wasserrad? Wie ein Flaschenzug und eine Turbine? Und wie verhält es sich mit der Wasserkraftnutzung im Rahmen der regenerativen Energiegewinnung? Für so eine technisch ausgerichtete Führung bietet sich die Schaumühle hervorragend an. Hier poltert und rumpelt es los, sobald Martin Fink mit der Kurbel die Stauwände öffnet, das Wasserrad zum Laufen bringt und im Inneren der Mühle die Zahnräder und Lederriemen ihren synchronen Reigen beginnen. Alles greift perfekt ineinander und ist ganz praxisnah nachvollziehbar. Die Turbine erzeugt bei voller Last in regenreichen Monaten bis zu 18 kW, im trockenen Sommer mit weniger Wasser noch etwa drei kW. Sie kommt auf eine Jahresproduktion von rund 100 000 kWh.

Ganz nebenbei wird dem Besucher klar, welch harte Arbeit in der vierstöckigen Mühle auf den Müller und seine Gesellen wartete. Einem breiten Publikum bekannt wurde die Kulisse nun auch, erinnert Fink. "Als Schauplatz bei Dreharbeiten für die schwäbische Fernsehserie Laible und Frisch".

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