SO GESEHEN Keine Zeit für Visionen . . .

Oscarverdächtig war sie, die Antrittsansprache des neuen Pfullinger Bürgermeisters.

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Oscarverdächtig war sie, die Antrittsansprache des neuen Pfullinger Bürgermeisters: Dass so viel Dank in eine einzige Rede passt, das gibt’s normalerweise nur bei Filmpreis-Verleihungen. Der eine – oder die andere – hätte sich von Michael Schrenk angesichts des außerordentlichen Anlasses wohl etwas Inhaltslastigeres, Programmatischeres gewünscht. Was Visionäres wäre auch kein Fehler gewesen in so einer Antrittsrede.

Andererseits: Der Mann hatte ja auch allen Grund, sich zu bedanken. Bei den acht Grußwortrednern zum Beispiel, bei seiner Familie und beim Hauptamtsleiter sowieso. Hat Hubert Dyjas doch den Festakt in den Pfullinger Hallen fast genauso formidabel organisiert wie die Schultes-Chefsekretärin Cornelia Gekeler die Verabschiedung des Rudolf Heß vor drei Wochen. Wobei Dyjas in Sachen Timing wirklich ein goldenes Händchen hat, das muss man ihm lassen. „Um 21.30 Uhr sollte Schluss sein“, hatte er die Maßgabe gesetzt. Und wann war Schluss? Um 21.38 Uhr. Nach zweieinhalb Stunden der optimale Zeitpunkt, um die Amtseinsetzung übergehen zu lassen in einen Bürgerempfang – in bester Pfullinger Manier natürlich verbunden mit Nahrungsaufnahme.

Den Organisatoren zu danken, daran hat Michael Schrenk also gut getan. Und auch daran, die Auftritte von Stadtkapelle, Eintracht und Liederkranz zu würdigen – und natürlich die aber so was von fetzige Performance der Musikschul-Band „3rd floor“. Rockige Klänge von jungen Menschen bei einem Festakt der Stadt! Da weht doch tatsächlich ein neuer Wind im Rathaus, der es bis in Laiblins Ton- und Turnhalle hinein geschafft hat. Das Publikum hat’s übrigens zu schätzen gewusst: Vereinzelt waren sogar Pfiffe der Begeisterung zu hören.

Also hat der neue Bürgermeister mit der Dankerei schon auch die Richtigen getroffen. Und letztlich haben die Schrenks – als da wären Michael, Katrin, Maria Isabela und Reinel – am Donnerstagabend auch ganz schön viele Geschenke mit nach Hause schleppen dürfen, von denen hier nur einige aufgezählt seien: Einen Baum, den die Stadträte in fraktionsübergreifender Harmonie den Schrenks spendieren, damit sie in jeder Hinsicht in ihrer neuen Heimatstadt Wurzeln schlagen können, eine gemeinderätliche Einladung zum gemeinsamen Grillen, Eintrittskarten für die Bäder, einen Visitenkartenhalter, Bilder in Rahmen und in ganzen Bänden und einen Stundenplan. Den haben die sporttreibenden Vereine dem neuen Schultes aufgestellt, damit er weiß, wann er zu „Mixed Power“ und ins Boxtraining muss. Bei all den freizeitlastigen Aktivitäten hat der gerade erst ins Amt Eingesetzte allerdings schnell das Manko an dem Plan entdeckt: Schaffen steht nämlich ebenfalls drin. Das, hat er versprochen, will er jetzt tun.

 

Anfangen kann er damit gleich heute, in dem er sich die Bettlektüre, die ihm der erste Landesbeamte im Auftrag des Landrats überreicht hat, zu Gemüte führt: die offizielle Beschreibung des Landkreises Reutlingen, dem schönsten weit und breit, wie man ja immer wieder hört. Schöner noch als der Sigmaringer, in dem die Schrenks bisher residierten. Die Beschreibung umfasst drei Bände, wiegt vier Kilo und die Bürgermeister werden von Thomas Reumann dem Vernehmen nach gern mal nach den Inhalten abgefragt. Michael Schrenk sollte sie also tunlichst auswendig lernen. Für Visionen bleibt da vorerst keine Zeit. 

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