So gesehen · STADTKREIS: Einerseits ... Andererseits ...

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Die Diskussion mutet an wie ein Glaubenskrieg. Soll Reutlingen Stadtkreis werden oder im Landkreis verbleiben? Geht es hier um Machtspielchen zwischen Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und Landrat Thomas Reumann? Werden Egoismen vor Rationalität geschoben? Das wäre zu oberflächlich betrachtet, man muss schon tiefer greifen, denn bereits Barbara Boschs Vorgänger wussten um das Missverhältnis zwischen Aufgabenfülle einer Großstadt und deren - mangelnde - Finanzierung. Nur: Die Herren Oechsle und Schultes haben lediglich "gedacht" und nicht "gehandelt". Und Boschs Handeln bringt nun den einen oder anderen auf die Palme.

Einerseits: Es ist legitim, dass Reutlingen Herr im eigenen Haus sein und sich nicht vom Landkreis reinreden lassen will. Und es ist weiter statthaft, ähnliche Privilegien wie andere Stadtkreise (Ulm, Pforzheim, Heilbronn) in Anspruch zu nehmen und nicht auf die jährlichen vier Millionen Euro, die Reutlingen vom Land bekäme, wäre es denn Stadtkreis, zu verzichten. Die Argumentation der Rathauschefin ist in dieser Hinsicht logisch, in sich schlüssig und kaum angreifbar. Sie erhält dazu Unterstützung von dem renommierten Verfassungsrechtler Prof. Dr. Klaus-Peter Dolde. Das ist alles nicht von der Hand zu weisen.

Andererseits: Selbstverständlich kann es Landrat Thomas Reumann nicht gefallen, würde das Kernelement seines Herrschaftsgebiets, die Großstadt Reutlingen, aus dem Kreis herausgebrochen. Er hätte dann weniger Macht und Einfluss. Er wäre nicht mehr der starke "Fürst" eines Gemeinwesens mit seinen gut 280 000 Einwohnern, sondern nur noch ein etwas kleinerer ländlicher Kreis mit lediglich 168 000 "Schäfchen".

Einerseits: Reumann könnte seine Landkreis-Pflichten gegenüber der Stadt ad acta legen (zum Beispiel Sozialhilfe), müsste auf der anderen Seite aber auf die üppige Kreisumlage seitens der Stadt verzichten.

Andererseits: Ist es zu vermessen zu verlangen, dass sich das potente Reutlingen aus Gründen der Solidarität nicht ein bisschen an der Infrastrukur von Upflamör oder Indelhausen mit ein paar Euro beteiligt? Diese Frage ist durchaus berechtigt.

Fast könnte man geneigt sein zu sagen, zum Glück haben weder die Stadtkreis-Befürworter noch die Landkreis-Bewahrer hier das Sagen. Es stünde zu befürchten, dass sie sich womöglich die Köpfe blutig schlagen. Nägel mit Köpfen werden in Stuttgart gemacht. Der Landtag entscheidet, ob er grünes oder rotes Licht gibt. Bis dahin fließt aber noch viel Wasser die Echaz runter.

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