SO GESEHEN · BÜRGERMEISTERWAHL: Kandidatensuche mit Haken

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Sie haben es wahrlich nicht leicht, die 18 774 - Pardon, seit dem Zensus sinds ja nur noch 17 461 - Pfullinger. Immerzu sind sie auf der Suche. Ganz oben in den Charts der "Wanted"-Menschen: Ehrenamtliche. Kaum ein Verein, der keine Schaffer und Verantwortungsträger sucht, damit er seine Veranstaltungen stemmen kann - und den ganz normalen Alltagsbetrieb.

Seit Monaten mindestens genauso emsig unterwegs wie die Vereins-Leute: die Kommunalpolitiker. Die hatten in diesem Frühjahr alle Hände voll zu tun, ihre Listen für die Gemeinderatswahl zu füllen. Manche hatten damit mehr Mühe, manche weniger - aber mächtig am Suchen waren sie alle.

Ersteres und auch zweiteres Schicksal teilen die Pfullinger mit praktisch allen anderen Kommunen. Sie befänden sich also in bester Gesellschaft, würde die Echazstädter 2014 nicht noch ein - wies im Marketingdeutsch so schön heißt - "Alleinstellungsmerkmal" in Stress bringen. Sie werden ab Januar 2015 nämlich keinen Bürgermeister mehr haben. Genauer: Sie werden schon wieder einen haben, so sie denn einen finden. Und zum Finden gehört? Richtig: das Suchen. Eine Aktivität, die dem Vernehmen nach schon eingesetzt haben soll, dies aber so unauffällig, so ruhig und so dahinschleichend, dass sie bislang öffentlich praktisch unbemerkt vonstatten gegangen ist. Ganz böse Zungen vergleichen den Kandidaten-Findungsprozess gern auch mal mit dem oft zitierten Beamtenmikado: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.

Tatsächlich ist es gefährlich, sich als Erster aus der Deckung zu wagen. Wer zu früh durchstartet, ist kurz vor dem Ziel gern mal etwas aus der Puste. Das richtige Timing ist also alles: Vor den Sommerferien in den Wahlkampf einzusteigen, ist problematisch, weil dann über sechs Wochen lang erstmal nicht viel läuft. Danach indes dürfte es hektisch werden: Ab Mitte September bleiben den Kandidaten - so es sie denn gibt - nur mehr vier, fünf Wochen, um sich zu präsentieren.

Freilich: Hinter den Kulissen tut sich doch einiges. Nichts Konkretes, eher Schemenhaftes. Es gibt wohl einen führenden Kopf aus der Gemeinderatsfraktion der CDU, der eventuell jemanden im Sinn hat, den er fragen könnte. Er will allerdings selbst den eigenen Parteikollegen noch nicht wirklich verraten, wer das ist (siehe 28 Zeilen zuvor, Stichwort Beamtenmikado). Immerhin aber: Bei der CDU ist man sich bewusst, dass es eine Bürgermeisterwahl geben wird.

Während auch Grüne und SPD schon so ein bisschen unterwegs zu sein scheinen, hat man bei der UWV die Ruhe weg. "Jetzt kommt erstmal die Kommunalwahl", sagt Martin Fink. Frei nach dem Motto "Eins nach dem anderen" gibt man sich gelassen. Gesucht wird später, jetzt wir erstmal gewählt - und zwar der Gemeinderat.

Mehr Fahrt hat da schon die FWV aufgenommen. Sie ist seit Wochen auf der Suche - auf Kreis- und Landesebene natürlich. Allein: So richtig fündig ist sie angeblich noch nicht geworden. Und nicht nur ihr hat sich das größte Problem an dieser Suche längst offenbart: In den Schuh des Vorgängers will so leicht keiner passen. Seit weit über 30 Jahren sitzt Rudolf Heß in Pfullingen im Chefsessel: skandalfrei, rührig, erfolgreich - und das, obwohl er "nur" Bürgermeister und nicht Oberbürgermeister ist. Womit das zweite Problem auch klar wäre: Pfullingen ist städtisch geprägt und damit arbeitsintensiv, hat aber eben die 20 000-Einwohner-Marke nicht geknackt, die auch den Schultes eine Besoldungsstufe höher bringen würde. Im Gegenteil: Seit dem Zensus ist der OB-Titel in noch weitere Ferne gerückt.

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