Sie sind wie Sterne

Aus einem Seminar zur Vorbereitung des Ruhestands heraus ist der Soziale Reparatur-Dienst (SRD) der Caritas vor 20 Jahren entstanden. Jetzt wurde das Jubiläum der Service-Einrichtung gebührend gefeiert.

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Reutlingens Caritas-Leiter Hermann Rist hatte die Idee zum Sozialen Reparatur-Dienst (SRD) im Jahr 1995 aufgeworfen. Dass er damit einen Dienst auf die Beine stellte und auch die folgenden 20 Jahre hinweg förderte und unterstützte, das verdient laut Lisa Kappes-Sassano Lob und Dank, wie sie am vergangenen Dienstag in den SRD-Räumlichkeiten bei der Peter-und Paul-Kirche betonte.

Dass über so einen langen Zeitraum Ehrenamtliche ihr "handwerkliches Geschick hilfebedürftigen Menschen zur Verfügung stellen" - das ist nach den Worten der Caritas-Regionalleiterin ungewöhnlich, "einzigartig und zudem auch noch äußerst beliebt".

Insgesamt 2600 Anfragen habe es in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten gegeben, wie der heutige ehrenamtliche SRD-Leiter Dieter Schröfel erläuterte. Er war im Übrigen neben vier weiteren, heute noch Aktiven, Gründungsmitglied - und das als Kaufmann mitsamt damals sieben Handwerkern, die im Ruhestand noch Sinnvolles tun wollten. "Ich wurde sofort zum Bürokraten ernannt", sagte Schröfel am Dienstag mit Augenzwinkern.

Einige Hilfsorganisationen haben sich zum 20-jährigen SRD-Bestehen persönlich für die vielfältige Unterstützung und Hilfe bedankt. Wie etwa Irene Köpf, die berichtete, dass Frauen, die das Frauenhaus verlassen, fast immer arm seien. Und sie stünden vor immer gleichen Fragen: "Wer hilft mir beim Aufbau der Möbel, wer schließt Lampen an", so Köpf. Der SRD sei immer zur Stelle gewesen, "er hilft, freundlich und kompetent, gut und günstig".

Bedankt hat sich auch Karin Bernhard vom Diakonischen Betreuungsverein: "Unsere Betreuten können oft das Haus nicht verlassen, wenn sie zwei Wochen auf einen Handwerker warten müssten, wäre das für die meisten eine Katastrophe." Grundsätzlich stelle der Soziale Reparatur-Dienst aber keine Konkurrenz für das Handwerk dar - weil die Ehrenamtlichen nur kleine Arbeiten übernehmen, bei denen sich für Handwerksbetriebe nicht mal die Anfahrt lohne. Wenn der Wasserhahn tropft, eine Glühbirne zu wechseln ist, kleinere Reparaturarbeiten anfallen - "es wird da geholfen, wo Hilfe notwendig ist, für viele Menschen ist diese Unterstützung unbezahlbar", so Bernhard.

Poetisch drückte das Anke Bächtiger von der Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement der Stadt aus: "Die Helfenden im SRD sind wie Sterne, sie tragen dazu bei, dass der Himmel über Reutlingen etwas heller strahlt." Das sei umso wichtiger, weil viele der Hilfebedürftigen, denen die SRD-Aktiven helfen, ziemlich schwarzsehen. "Der SRD springt da ein, wo die Nöte sind", lobte auch Pfarrer Roland Knäbler von der Peter-und Paul-Kirche die ehrenamtlichen Engel des Reparaturdienstes.

Lisa Kappes-Sassano hatte in ihrer Ansprache den besonderen Dienst - der heute etwas mehr als ein Dutzend aktiver Mitglieder hat (inklusive einer Frau) - als "besonderes solidarisches Netzwerk" bezeichnet. "Der SRD war eine großartige Idee, die Gestalt angenommen hat." Zudem lobte sie, dass die handwerklich Geschickten auch Zeit zum Zuhören hätten. Susanne Stutzmann hatte für das Familienforum den Sozialen Reparatur-Dienst ebenfalls in den höchsten Ton gelobt, "die Zusammenarbeit war stets gewinnbringend", hatte sie in Abwesenheit verlesen lassen. Als Festvortrag zur Geburtstagsfeier hatten Aktive des Tübinger Repair-Cafés das Konzept ihrer ehrenamtlichen Reparatur-Initiative erläutert. Die hat im Übrigen auch in Mittelstadt mittlerweile einen Ableger gefunden.

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