SEITENBLICKE: Warum ich vorerst keine Katzen mehr streichle

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Schon als Kind liebte ich Katzen. In dem fränkischen Dorf, in dem wir damals lebten, waren sie allgegenwärtig und ich fand auf Schritt und Tritt eine zum Streicheln und Verwöhnen. Später, als ich selbst Kinder hatte, gab es den unvergesslichen Karthäuserkater Felix, der viel zu früh durch einen Mofafahrer zu Tode kam. Seitdem ist meine Katzenliebe nur noch "platonisch".

Als allein lebende Hochhausbewohnerin, die gern verreist, kann ich kein Haustier halten. So begnüge ich mich damit, gelegentlich eine Katze, die mir irgendwo begegnet, anzusprechen und zu streicheln, wenn sie ihr Einverständnis signalisiert. Solche Gelegenheiten ergeben sich vor allem dann, wenn ich in südlichen Ländern unterwegs bin - wie vor kurzem wieder in meinem geliebten Kroatien.

Katzen sind selbstbewusste und eigenwillige Persönlichkeiten, die man respektieren sollte. Ich würde nie eine Katze anfassen, ohne sie vorher gefragt und ihre Zustimmung erhalten zu haben. Diese Methode hat bisher immer funktioniert. Doch leider gibt es nicht nur neurotische Menschen, sondern auch Katzen.

Ein solches Exemplar begegnete mir gleich am ersten Tag nach meiner Ankunft. Ich hatte mir vorgenommen, den drei Kilometer von meinem Hotel entfernten malerischen Nachbarort Igrane zu erkunden, dessen Kirchturm wie ein Signal vom höchsten Punkt des Dorfes herüber grüßt. Nach dem mühsamen Aufstieg stand ich enttäuscht vor verschlossener Kirchentür. Nun hatte ich mir aber einen Kaffee unten an der Hafenpromenade verdient! Schon auf dem Weg dorthin huschten immer wieder magere, scheue Katzen an mir vorbei, die kein Interesse an einer "Unterhaltung" zeigten. Sie hatten wahrscheinlich keine besonders guten Erfahrungen mit Menschen gemacht. Ein Wurf junger Kätzchen, alle mit entzündeten Triefaugen, duckte sich unter einen geschlossenen Verkaufsstand. Und dann sah ich ihn: Einen schönen, gepflegten rotgelb getigerten Kater mit Halsband und Glöckchen, der vor mir über die Gasse stolzierte!

Ich sprach ihn an, er blieb stehen und wandte sich mir freundlich zu. Vorsichtig streckte ich die Hand aus und kraulte ihn sanft hinter den Ohren. Das schien ihm zu gefallen. Mit leisen Worten machte ich ihm Komplimente und schickte mich schließlich an, langsam weiterzugehen. Doch plötzlich und ohne Vorwarnung sprang er an mir hoch und fetzte mit ausgefahrenen Krallen mehrmals über meinen bloßen rechten Arm. Erschrocken stieß ich ihn weg und flüchtete, während das Tier mir mit wütendem Ausdruck nachstarrte und sich dann langsam trollte.

Als mein Adrenalinschub langsam verebbte, schaute ich mir die Blessuren an, die mir dieser verrückte Kater zugefügt hatte: Neben mehreren kleineren Kratzern, die über den Arm verteilt waren, hatte ich einen langen und tiefen Riss an der Oberseite des Handgelenks, aus dem nach der ersten Schockstarre nun das Blut tropfte.

Zum Glück hatte ich Taschentücher bei mir. Langsam und noch mit etwas wackeligen Knien ging ich am Ufer entlang, tupfte das Blut von der großen und den kleineren Verwundungen und entsorgte die blutigen Taschentücher in den Papierkörben an der Promenade. Dabei blinkten in meinem Kopf schrille Warnlampen auf: Wenn der Kater nun Tollwut hatte? Wenn sich die Wunde entzündete? Wie stand es um meinen Impfschutz? Und ich machte mir Vorwürfe, weil ich mich in diese verzwickte Lage voll unnötiger Probleme gebracht hatte. Vor mir lagen ja noch ganze zwei Wochen, die ich mir möglicherweise damit verdorben hatte ...

Zurück im Hotel, zog ich sofort den Badeanzug an, stieg ins Meer und hoffte auf die desinfizierende Wirkung des Salzwassers. Es brannte natürlich tüchtig - aber ich hatte Glück: Der Riss verheilte problemlos und ich genoss die Zeit am und im Meer. Doch um Katzen mache ich seitdem einen respektvollen Bogen.

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