SEITENBLICKE: Tunesischer Tagesausflug

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Eigentlich liebe ich meine Unternehmungen im Alleingang - auch wenn mir dabei oft die wichtigsten Sehenswürdigkeiten entgehen. Ich tröste mich damit, dass es ja so viel Interessantes auf der Welt gibt, das ich schon aufgrund meines Alters nie mehr sehen werde. So kommt es auf etwas mehr oder weniger nicht an. Doch ich wollte vor mir selber nicht als Kulturmuffel dastehen und buchte deshalb beim Reiseleiter einen Tagesausflug mit dem Bus. Aus unserem Hotel ließ sich außer mir noch ein älteres sächsisches Ehepaar für die Fahrt eintragen.

Schon um 6.30 Uhr sollten wir am Hotel abgeholt werden. Doch die Minuten vergingen, kein Bus ließ sich blicken. Schließlich kam er mit rund 45 Minuten Verspätung: Ein Teilnehmer hatte angeblich verschlafen. Unterwegs mussten wir noch in einen anderen Bus umsteigen, bevor es richtig los ging: Im Winter sind hier weniger Touristen, was die Organisation erschwert.

Die Fahrt führte zunächst ein gutes Stück ins Landesinnere, durch die endlosen Olivenhaine der Sahel, bevölkert von Schafen, Eseln und gelegentlich einem Kamel, bis in die frühere Hauptstadt Kairouan. Zwischen stattlichen alten Olivenbäumen blitzte es immer wieder schleierzart rosig auf: Mandelblüte! Wie unser "Führer" in gutem Deutsch erläuterte, ist das Öl der rund 40 Millionen Olivenbäume der wichtigste Exportartikel Tunesiens.

In Kairouan verbrachten wir viel Zeit mit der Besichtigung der großen alten Moschee sowie der Barbier-Moschee. Danach wurden wir in eine Art von Kinosaal verfrachtet, wo uns ein Film über den Islam mit Erläuterungen durch eine sympathische Frauenstimme gezeigt wurde. Mich erinnerte diese Aktion teilweise deutlich an "Werbung". Wo unsere Gruppe auftauchte, umringten uns blitzschnell geschäftstüchtige Verkäufer und boten mit orientalischem Überschwang ihre "Schätze" an: Schmuck, Tücher, Lederwaren, Postkarten, Andenken. Ihr in unseren Augen "aufdringliches" Verhalten und das notwendige Feilschen hielten vom Kauf ab.

Wieder im Bus, ging es weiter - zurück durch die Sahel mit ihren Olivenhainen - nach El-Djem mit seiner riesigen römischen Arena aus dem zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Ausgestattet mit Eintrittskarten und einer Stunde Freizeit zur individuellen Besichtigung, konnten wir uns ein Bild vom damaligen Freizeitspaß bei Gladiatorenkämpfen machen und mit leisem Schaudern einen Blick in die Verliese der Löwen werfen. Ich setzte mich noch zu einer schnellen Tasse Kaffee in ein Straßenlokal - natürlich als einzige Frau! Danach ging es wieder in Richtung Küste nach Mahdia. Vorher gab es einen Fotostop mit Blick auf die Festung, den darunter liegenden Friedhof und das Meer. Was hier wieder ins Auge sprang, war der am steinigen Strand reichlich verteilte Müll, der nach unserer europäischen Sicht das romantische Bild erheblich störte.

Nach einem Mittagessen vom Büfett in einem Touristenhotel wurden wir satt und müde an der Küste entlang nach Monastir transportiert, das ich schon einige Male mit dem Linienbus erforscht hatte.

Mit einer ebenfalls alleinreisenden Französin besuchte ich die Flaniermeile mit Festung und großer Moschee am Rande der Altstadt und stieg danach gern in den Bus zur Heimfahrt ins Hotel. Es war ein ganz interessanter Ausflug - aber im Grunde bin ich lieber allein unterwegs!

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