SEITENBLICKE: Reise-Galerie: Von "Hühnergöttern" und "Handschmeichlern"

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Von jeder meiner Reisen habe ich ein paar besonders schöne, interessante, ungewöhnliche Steine mitgebracht. Die liegen nun - zusammen mit den Muscheln, denn mich zieht es immer ans Meer, - auf kleinen Tellern und Schälchen in meinem Regal im Wohnzimmer. Meine Reise-Galerie ist inzwischen fast zu einer kleinen "Ausstellung" angewachsen.

Immer wieder einmal, wenn ich daran vorbei gehe, bleibt mein Blick an einer der Schalen voller Mitbringsel hängen: Ich nehme einen Stein in die Hand, reibe und streichle ihn, spüre seine glatte oder raue Oberfläche und versuche, mich an seine Herkunft zu erinnern. Bei manchen Steinen ist das leicht - wie bei den Kieseln mit eigenwilligen Ornamenten und aparten Farbschattierungen: Ich habe sie während meiner einzigen Türkeireise am Strand des Hotels bei Antalya aufgelesen, in dem wir nach einer anstrengenden Rundreise durch Lykien mit Übernachtungen an wechselnden Orten noch ein paar faule Tage bei prächtigem Wetter erleben durften. Ich war von diesen glänzenden, bunten Kieselsteinen so begeistert, dass ich einfach nicht mit dem Sammeln aufhören konnte und vor der Abreise die meisten an den Strand zurückbringen musste.

Daheim habe ich in einem "Experiment" die schönsten von ihnen mit farblosem Nagellack bestrichen, der die inzwischen matten Farben und Muster wieder zum Leuchten brachte. Nun sehen sie so aus wie vom Meerwasser überspült.

Eine weitere Steinsorte, deren Fundorte ich noch weiß, sind die Lochsteine oder "Hühnergötter" aus weißgrauem Kalkstein. Die meisten von ihnen fand ich in Kroatien, vor allem auf der Insel Brac. Und einige größere Exemplare habe ich an einer dicken Kordel zu einer Kette aufgefädelt, die an der Seite meiner Wohnzimmertür hängt.

Dass es überhaupt diese Lochsteine gibt - und Leute, die sie mit wahrer Leidenschaft sammeln - das erfuhr ich bei einem früheren Aufenthalt an der Küste des kroatischen Festlands: Dort beobachtete ich zwei Frauen beim Absuchen des Strandes, sprach sie an und lernte so wieder etwas dazu. Hinter dem kuriosen Namen "Hühnergötter" verbirgt sich der Aberglaube, ein solcher Stein im Nest führe dazu, dass die Hühner mehr Eier legten.

Dann gibt es noch die schwarzen bis anthrazitgrauen, vom Meer zu runden oder ovalen "Handschmeichlern" geschliffenen Lavasteine von den Kanaren - vor allem von Lanzarote, wo ich einige Male Urlaub machte. Diese Vulkaninsel besteht praktisch nur aus diesem schwarzen Lavagestein und die Berge verändern je nach Lichteinfall und Sonnenstand ihre Farbe von schwarzgrau über rötlich violett bis staubig karamell. Dieses Farbenspiel hat mich ungeheuer fasziniert und ich mag diese Insel - im Gegensatz zu manchen anderen Leuten, die keinen Zugang zu der trostlos-schwarzen Wüste finden.

Seit mindestens zwanzig Jahren sind ein paar ovale, ganz flache Schieferplättchen in meinem Besitz. Damals war ich mehrmals mit Reisebussen in Spanien an der Costa Brava und fand sie bei einem Strandspaziergang. Einige von ihnen sind so gleichmäßig abgeschliffen, dass mir die Idee kam, sie zu durchbohren und einen Ketten-Anhänger daraus zu basteln. Doch den Plan habe ich nie verwirklicht. Er geriet in Vergessenheit wie so manch eine "zündende Idee" in meinem langen Leben.

Meine kleine Steinsammlung hilft mir, in der Fantasie die Reisen der Vergangenheit noch einmal zu erleben. Für meine "Nachwelt", die einmal hinter mir aufräumen muss, wird sie vermutlich ein eher lästiger Ballast ohne Erinnerungswert sein, der zusammen mit all dem anderen "Kruscht" aus meinem Leben entsorgt werden muss. Aber noch freue ich mich an der Sammlung.

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