SEITENBLICKE: Klasse Idee: Bücher verbinden

Gute Ideen setzen sich zum Glück manchmal durch - auch wenn das in manchen Städten etwas länger dauern kann. Ich meine damit das öffentliche Bücherregal hinter der Bushaltestelle am Albtorplatz, das es seit dem vergangenem Jahr gibt und das inzwischen wirklich sehr gut angenommen wird.

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Gute Ideen setzen sich zum Glück manchmal durch - auch wenn das in manchen Städten etwas länger dauern kann. Ich meine damit das öffentliche Bücherregal hinter der Bushaltestelle am Albtorplatz, das es seit dem vergangenem Jahr gibt und das inzwischen wirklich sehr gut angenommen wird.

Fast immer, wenn ich hinkomme, um wieder ein paar ausgelesene Bücher abzuladen und nach einem neuen Krimi zu schauen, ist es von interessierten Leuten umlagert, die dabei auch zwanglos miteinander ins Gespräch kommen. Man tauscht Leseerfahrungen aus, gibt Empfehlungen weiter, kommt von einem zum anderen und diskutiert schließlich über Gott und die Welt: Bücher verbinden!

Es hat ja eine Weile gedauert, bis die paar Frauen, die sich dieser Idee verschrieben hatten, einen geeigneten Platz und auch die nötige Unterstützung "von oben" dafür fanden. Sie haben durchgehalten - und der Erfolg gibt ihnen sicher im Nachhinein ein gutes Gefühl. Ohne ihre Ausdauer und ihr Nachhaken wäre die Sache wohl wieder in Vergessenheit geraten.

Vor ein paar Jahren traf ich in einer Seitenstraße von Heidelberg zum ersten Mal auf eine solche Einrichtung zum sinnvollen und kostenneutralen Austausch von Literatur - und war sofort begeistert! Seitdem habe ich diese öffentlichen Büchertauschplätze in mehreren Städten gesehen : unter anderem auch in Pfullingen.

Dort wurde das Regal an ganz zentraler Stelle in die Mauer um die Martinskirche integriert. Bevor es in Reutlingen so weit war, hatte ich schon öfter bei kleinen Radausflügen ein paar Bücher nach Pfullingen gebracht und mir das eine oder andere von dort wieder mitgenommen. Jetzt ist der Weg kürzer und ich verbinde gelegentlich einen Einkaufsbummel mit dem Besuch bei "unserem" Buchregal. Die dort gefundenen und gelesenen Bücher bringe ich natürlich zurück, damit ihre "Rundreise" nicht bei mir endet. Denn schließlich: Bücher sind Vagabunden

Da ich daheim schon länger am Räumen und Sortieren bin, habe ich dabei auch viele nicht mehr aktuelle Bücher ausgemustert und kartonweise zu den sozialen Sammelstellen bei der Bruderhaus-Diakonie und der Caritas geschafft. Seit dem vergangenen Jahr habe ich ja kein Auto mehr und nehme nur noch einzelne Bücher mit, wenn ich in die Stadt komme.

Vor kurzem ist mir in dem alten Küchenschrank meines Kellerraumes wieder einmal die feministische Literatur ins Auge gesprungen, die seit meinem Einzug 1995 da unten schlummert. Das meiste davon ist rund 30 Jahre alt. Ich habe damals alles verschlungen, was mir zu diesem Thema in die Hände kam - aber ein zweites Mal lese ich diese Bücher sicher nicht. Nun bin ich dabei, sie in homöopathischen Dosen zum Albtorplatz zu bringen. Vielleicht gibt es noch (oder wieder?) ein paar Frauen, die sich dafür interessieren.

Die Stadtbüchereien und Buchhandlungen sind wahrscheinlich nicht direkt begeistert von der neuen "Mode". Doch wenn öffentliche Buchregale bei Bürgerinnen und Bürgern die Freude am Lesen fördern, bekommen diese sicher Lust auf mehr: Der nächste Weg führt sie dann zur Ausleihe in die Bibliothek und/oder zum Kauf in die Buchhandlung, denn das Regal bietet ja nur eine begrenzte Auswahl - und Neuerscheinungen dürften sicherlich Mangelware sein. So kann man wohl sagen, dass sich diese Idee für alle Seiten positiv auswirkt.

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