SEITENBLICKE: Heidelberger Schloss: Über 300 Stufen als Herausforderung

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Auf einer meiner Tages-Städtereisen habe ich Ende August auch Heidelberg einen Besuch abgestattet. Irgendwann bin ich schon einmal dort gewesen; allerdings ist mir nur eine dunkle, langgestreckte Mauer der Schlossruine in Erinnerung geblieben. Und an der gleichen Stelle stand ich auch diesmal: an der Mauer zum Burggraben, hinter dem das Langhaus des Schlosses aufragt - und erkannte das Bild wieder.

Doch bis zu diesem Punkt dauerte es noch eine ganze Weile. Als ich erwartungsvoll aus dem Bahnhof trat, sah das berühmte Heidelberg eher nach langweiligem Vorort aus. Dann entdeckte ich die Touristen-Information und besorgte mir einen Stadtplan. Weil mir die Entzifferung im Moment zu kompliziert war, fragte ich eine Passantin nach der Richtung zur Innenstadt, die sie mir freundlich wies. Die Straße zog sich hin, also steuerte ich eine Straßenbahnhaltestelle an und erkundigte mich dort nach der Linie ins Zentrum. Wieder erhielt ich auf nette Weise Auskunft und fuhr bis zum Bismarckplatz, dem Tor zur Altstadt. Noch einmal fragte ich, wo denn in dem Straßengewirr der Neckar sei, was auch diesmal auf die nun schon vertraute sympathische Weise beantwortet wurde. Anscheinend sind hier die Menschen gewohnt, auf Schritt und Tritt ortsunkundigen Touristen zum rechten Weg zu verhelfen, und sie werden dieser Aufgabe liebenswürdig, gekonnt und perfekt gerecht.

Nun war ich auf der Flaniermeile der Stadt und wurde von den vielen Passanten ohne mein Zutun in die richtige Richtung geschoben: immer dem Schloss zu. Die Hauptstraße läuft parallel zum Neckar, zu dem immer wieder kleine Seitengässchen führen. Unterwegs kam ich neben einer Unzahl von Geschäften, Lokalen und einigen Kirchen, am Universitätsplatz mit den zentral gelegenen Hochschulgebäuden der ältesten Universität Deutschlands, am Marktplatz und am Rathaus vorbei - und stand schließlich am Kornmarkt. Gleich fielen mir die meist asiatischen Touristen auf, die nach oben schauten und ihre Kameras zückten. Warum? Auf der Höhe thront düster und gewaltig das Heidelberger Schloss - oder das, was von ihm übrig ist! Will man es aus der Nähe anschauen - und das wollen die meisten - , kann man mit der Bergbahn hochfahren. Oder man kann die Treppe mit über 300 Stufen nach oben wählen. Ich nahm die Herausforderung an und machte mich an den Aufstieg. Nach meiner Erfahrung wiegt der Stolz, es geschafft zu haben, meistens den größten Teil der Strapazen auf.

Nachdem ich die Aussicht auf die Schlossmauern, die Stadt und die steinerne Bogenbrücke über den breiten Neckar ausreichend gewürdigt hatte, erstand ich ein Ticket für den Innenhof des Schlosses und die von dort zugänglichen Sehenswürdigkeiten. Die gigantische Schlossruine aus düsterem dunkelrotem Sandstein erschlägt einen aus der Nähe fast. Davon erholte ich mich ein wenig im "Café Backhaus", dessen Name noch von der ehemaligen Schlossbäckerei stammt. Dann wanderte ich mit den Scharen anderer Schaulustiger durch das Apothekenmuseum, das auf mehreren Stockwerken einen Einblick in die Heilkunst früherer Jahrhunderte gibt.

Der Abstieg ging bedeutend schneller und leichter. Inzwischen konnte ich mich ganz gut auf dem Stadtplan orientieren und musste nicht mehr fragen. Ich nahm die gleiche Trambahn, die mich zur Altstadt gebracht hatte, wieder zurück zum Bahnhof und genoss danach die erholsame Zugfahrt nach Hause.

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