SEITENBLICKE: Frühling: Jetzt ist wieder diese "Zeit der Wunder"

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Jetzt ist sie wieder da, diese "Zeit der Wunder", die ich schon so oft erlebt habe, die mich aber jedes Mal wieder dazu bringt zu staunen und mich zu freuen: Frühling! Am Morgen macht mich die Sonne glücklich, die nun immer früher und ein Stückchen näher an der Achalm über den Albrand empor steigt.

Von "meinem" Hochhaus habe ich fast die ganze Strecke ihres Weges vom äußersten Süden im tiefsten Winter bis zum äußersten Norden jenseits des Scheibengipfels im Blick. Vielleicht ist das mit ein Grund, warum ich gerne früh aufstehe: Ich möchte dieses Schauspiel nicht versäumen!

Auch das Konzert der Vögel, das schon beginnt, wenn es noch dunkel ist und man die erste Dämmerung kaum ahnt, holt mich sanft aus dem Schlaf und lässt mich mit einem fröhlichen Gefühl wach werden. Wenn ich dann aus dem Fenster schaue, sind die Bäume und Sträucher unter mir jeden Morgen wieder eine kleine Nuance grüner.

Seltsam - in diesem Jahr habe ich lange nicht an den Frühling geglaubt. Immer fürchtete ich, der ungewohnt milde Winter würde nur Kräfte sammeln, um dann mit Verspätung so richtig loszuschlagen. Doch inzwischen hat er wohl kampflos aufgegeben und der Frühling hat bereits Tatsachen geschaffen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind.

Welch ein Kontrast zum letzten Jahr, das sich bis in den Mai hinein kalt und abweisend zeigte! Damals erlebte ich den Frühling erst so richtig üppig und prall, als ich Ende April aus dem kalten Deutschland für eine zweiwöchige private Badekur ins ungarische Héviz unweit des Plattensees reiste: Dort stand alles in voller Blüte, Tulpen, Kastanien und Flieder leuchteten um die Wette und ich fühlte mich fast ins Paradies versetzt.

Vor kurzem bin ich zum ersten Mal in diesem Jahr mit dem Fahrrad durch die Neckaraue nach Tübingen gefahren. Was mir dabei : neben der Freude an all dem hoffnungsvollen Grün - schmerzlich ins Auge sprang, waren wieder die vielen frisch abgesägten Baumstümpfe und "geköpften" Hecken, vor allem an der Echaz.

Ich kann absolut nicht verstehen, warum die zuständigen Stellen ein kahles Ufer "schöner" finden als ein natürlich gewachsenes Biotop aus Bäumen und Gesträuch.

Dieser "Kahlschlag" auch am Echazufer im Bereich der Reutlinger Stadthalle hat mir schon letztes Jahr weh getan. Die Folge ist, dass es dort fast keine Wasservögel mehr gibt. Ich sehe nur noch wenige Enten, aber gar keine Teichhühner - und auch der Graureiher lässt sich nicht mehr blicken.

Vielleicht sind das ja die städtischen Vorstellungen von "Ordnung" und "Kontrolle"? - Doch ich weiß, ich kann nichts gegen diese Form von Landschaftspflege tun, deshalb hat es auch keinen Sinn, mich darüber zu ärgern.

Bei einem Sonntagsausflug nach Bad Urach konnte ich von der Ermstalbahn aus die unzähligen blühenden Kirsch- und Birnbäume bewundern, die aussehen, als wären sie von einem Maler mit dem Pinsel ganz zart und transparent weiß in die Landschaft und an die Berghänge getupft.

Auf den Wiesen und Berghängen reckten sich Schlüsselblumen und Wiesenschaumkraut und im Bachbett leuchteten golden die Sumpfdotterblumen.

Im Balkonkasten - meinem Ersatzgarten - öffnete die Rosmarinstaude bereits im Wintermonat Januar ihre zartlila Blüten. Vielleicht hat sie gespürt, dass dieser Winter ein zahnloser Tiger bleiben würde. Mein Ficusbaum dagegen ist "beleidigt" und immer noch damit beschäftigt, alle Blätter abzuwerfen, was er in den letzten Jahren während des Winters im Hausflur zu tun pflegte.

Kürzlich hat sich ein Blaumeisenpärchen sogar meinen Balkonteppich ausgeguckt und ich beobachtete es beim eifrigen Zupfen von Fusseln für ihr Nest. So haben auch Pflanzen und Tiere ihren ganz eigenen Kopf und ihre kleinen Marotten.

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