Seine Welt war die Farbe

In diesem Jahr wäre Lothar Schall 90 Jahre alt geworden. Eine Werkschau in der Kreissparkasse zeigt die wichtigsten Bilder verschiedener Schaffensphasen - ein spannender Querschnitt farbenfroher Malereien.

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Explosive Farbigkeit: Bilder von Lothar Schall. Foto: Marie-Louise Abele

Sie sind überwältigend, wirken oft wie ein Paukenschlag. Die sinnliche Leuchtkraft der Farbe, der starke Duktus mit Spachtel und Pinsel sowie die Bildanordnung überhaupt - dies alles macht Lothar Schalls Arbeiten zu einem harmonisch-stimmigen Ganzen. Seine Werke sind derzeit in der Kundenhalle der Kreissparkasse zu Gast, dieser Tage eröffnete diese einmaligen Werkschau zum 90. Geburtstag des 1996 in Reutlingen verstorbenen Künstlers.

"Aus den Nächten fallen die Blumen ins Licht": Mit diesem Spruch, der Schall durch das Leben begleitete, beschrieb Christel Danzer sein Leben für die Farbe. So stellt das kühle Blau die Nacht dar, das feurige Rot die Blumen und das kraftvolle Gelb das Licht - die Grundfarben, denen sich der Künstler Zeit seines Lebens verschrieben hatte.

"Diese Farben waren seine Welt." Nach dem Krieg, der ihn bis nach Russland brachte, fand Schall seinen Ausdruck schnell in der Ölmalerei mit Künstlerfarben, die er im großen Stil herstellte. Durch seine Erlebnisse im Krieg trug er die Bilder der Natur Russlands mit sich herum. Doch damit nicht genug. Auch in einer kurzzeitigen Erblindung sieht Christian Malycha, Geschäftsführer des Kunstvereins Reutlingen, bei Lothar Schall einen starken Antrieb für das folgende, künstlerische Schaffen. "Was passiert dabei mit einem", fragte Malycha dieser Tage in seiner Einführung. Sinne und Empfindungen verschärfen und sensibilisieren sich. Lothar Schall war Autodidakt. "Als Künstler ist man immer Autodidakt", erklärte Malycha. Denn, was man künstlerisch zu sagen hat, bringe einem niemand bei.

Schall ging zum Malen hinaus, um das Walten der Naturkräfte zu spüren. Spachtelbilder strotzend vor Vitalität und Lebenskraft entstanden - eher im abstrakten Ausdruck als gegenständlich: so der "Blühende Baum" aus dem Jahr 1954. "Es lässt sich die Kraft des Frühlings erkennen, die direkt auf den Maler übergeht", beschreibt Christel Danzer.

In den 1960er Jahren folgen ausdrucksstarke Aquarelle, in den 1970ern formal definierte Kasein-Bilder und die leichten Werke auf Japanpapier, ab 1980 dann die fließenden Aquarelle, die er zu mehreren zu einem Ganzen werden ließ und die ihn bis zuletzt begleiteten. Weiter beschäftigte er sich mit Kunst am Bau und Glasarbeiten, welche seinem Hang zum Großflächigen sehr entgegen kamen. Die Inspiration war sein Innerstes, sein Erlebtes, sein Gesehenes, unter anderem mitten auf der Schwäbischen Alb oder in der Provence.

"Seine Arbeiten haben nichts von ihrer Leuchtkraft verloren", heißt es in der Ankündigung, und tatsächlich beleben die Farben nicht nur das große Atrium der Kundenhalle, vielmehr auch den Betrachter. Die Ansprache des Künstlers ist direkt, ein Dialog, eine Auseinandersetzung mit Farbe und Form ergibt sich unmittelbar von selbst.

Schall schaffte es bis zum Schluss, obwohl er durch Krankheit immer mehr beeinträchtigt wurde, diese Dinge aus dem Bild heraus zu halten. Christel Danzer fasst es so zusammen: "Die Malerei hat ihn am Leben erhalten."

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