Schon stecken 117 Fähnchen auf der Weltkarte

Zum ersten kleinen Jubiläum des einjährigen Bestehens veranstaltet das Welcome Center zwei Trainings für Fachkräfte und Arbeitgeber. Landesminister Nils Schmid würdigt das Projekt als "Erfolgsgeschichte".

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Yvonne Brockhaus, Leiterin des IHK-Welcome Centers, im Gespräch mit einer ausländischen Fachkraft.  Foto: 

Die Weltkarte im Welcome Center wird immer voller. Für jede Fachkraft gibt es einen Klebepunkt. Nach mittlerweile einem Jahr sind es 117. 117 Frauen und Männer aus 37 Ländern sind in den vergangenen zwölf Monaten in die Region Neckar-Alb gekommen und haben sich vom Welcome Center bei ihren ersten Schritten in der neuen Heimat helfen lassen.

Yvonne Brockhaus, Leiterin des IHK-Welcome Centers, ihr Team von mittlerweile drei freien Mitarbeitern sowie weitere sprachtalentierte IHK-Mitarbeiter aus anderen Fachbereichen bilden mit zusammen 14 Sprachen die häufigsten Kulturen von Neubürgern ab. So können sie tatkräftig unterstützen, wenn eine frisch angestellte Fachkraft eine Wohnung sucht oder für Anmeldung oder Anerkennung zu einer Behörde gehen muss. "Wer weiß schon, worauf man in Deutschland achten muss, wenn eine Hausbesichtigung ansteht oder wie man ein Bankkonto eröffnet", erklärt Brockhaus.

Interessant: Es sind oft die einheimischen Nachbarn oder Kollegen, die die ausländischen Fachkräfte auf das Welcome Center aufmerksam machen. "Die erste Anfrage kommt meist auf Schwäbisch. In der Beratung machen wir dann meistens auf Englisch oder Spanisch weiter." Mitziehende Partner und Kinder nimmt das Welcome Center ebenfalls mit unter seine Fittiche. Dabei geht es oft um die eigenen Karrierechancen, Schule oder schlicht soziale Kontakte.

Auf Wunsch vermittelt die IHK-Einrichtung ehrenamtlich Paten, die im Alltag zur Seite stehen, für ein Gespräch da sind oder typisch deutsche Besonderheiten wie Mülltrennung erklären. Derzeit sind es fünf Ehrenamtliche, weitere dürfen aber dazukommen. "Solche Kontakte sind wichtig, weil sich Neubürger dann willkommen fühlen und Wurzeln schlagen können", weiß Brockhaus aus eigener Erfahrung.

Auch Unternehmen nehmen das neue Angebot gerne in Anspruch. 45 Firmen haben sich bereits beraten lassen. Die einen wollen neue Mitarbeiter aus anderen Ländern rekrutieren und finden die derzeit vor allem in Kroatien, Spanien oder Ungarn. Die anderen wollen Beschäftigte langfristig binden und daher weiter qualifizieren lassen. Hierbei geht es zumeist um den Ausbau von Deutschkenntnissen.

"Viele Fachkräfte bringen gute Kenntnisse und Erfahrungen mit und sind sehr motiviert. Aber bei der Sprache hapert es", so Brockhaus. Die 34-Jährige informiert über Anerkennungswege für Abschlüsse und Deutschkursanbieter. Im Frühjahr kamen auf Einladung der IHK sogar erstmals Arbeitgeber und Sprachinstitute zusammen, um sich über bestehende und benötigte Kursangebote auszutauschen.

Es sind übrigens vor allem Firmen zwischen fünf und 50 Mitarbeitern und oft aus dem Maschinenbau, der IT-Branche oder der Sozialwirtschaft, die sich beim Welcome Center melden. "Sie spüren den Fachkräftemangel und haben nicht die gut ausgebaute Personalabteilung, die sich um die doch zeitintensivere Anwerbung und Betreuung kümmern kann."

Nach dem Eindruck der Expertin sind es oft die kleinen Dinge, die Probleme bereiten: sprachliche Verständigung, kulturelle Verschiedenheiten und unterschiedliche Erwartungen. "Wir versuchen zu vermitteln, wie man unterschiedliche Mentalitäten zusammenbringt - damit die Integration neuer Mitarbeiter am Ende nicht scheitert."

Mit zur Kundschaft des Welcome Centers gehören regelmäßig Fachkräfte, die ohne Stelle ins Land kommen und sich nun in der Region orientieren. Der Einstieg in den Arbeitsmarkt ist für diese nicht einfach. "Wir arbeiten eng mit der Arbeitsagentur zusammen und vermitteln Ansprechpartner. Oft ist das System der Arbeitsvermittlung schlicht nicht bekannt und es gibt Hemmungen, sich an eine solche Einrichtung zu wenden."

"Das Welcome Center in der IHK Reutlingen ist sozusagen das Begrüßungskomitee für Fachkräfte aus aller Welt. Beim Welcome Center wird ihnen geholfen - ob es um Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern, um Fragen zur Wohnung oder zu notwendigen Behördengängen geht. Und auch die Unternehmen mit Fachkräften aus dem Ausland bekommen Unterstützung. Schon nach einem Jahr kann man sagen: das Welcome Center ist eine Erfolgsgeschichte", lobt Finanz- und Wirtschaftsminister Dr. Nils Schmid.

Dr. Wolfgang Epp, IHK-Hauptgeschäftsführer: "Wer sich als Fachfrau oder Fachmann bei uns wohl fühlen soll, muss herzlich willkommen geheißen werden. Das IHK-Welcome Center ist dazu ein wichtiger Baustein. Wir wollen es Schritt für Schritt weiter entwickeln und versuchen, möglichst viele Partner aus der Region mit einzubinden."

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